Mitten in ...Himmel der Bayern auf Rädern

Im Münchner Pendlerzug weiß man sich zu benehmen - dank sehr klarer Ansagen. Wien hingegen treibt an den Rand des Wahnsinns.

Mitten in ... Wien

Wie reizbar der Mensch ist, zeigt sich in Wien. Der Gastgeber hat die Raffael-Ausstellung empfohlen, erfreut erreicht man die Albertina. Die Schlange an der Garderobe ist lang, wohin mit der Tasche? Ins Schließfach natürlich, aber Zuschließen geht nicht mehr. Stattdessen soll man einen Pin eingeben, den bestätigen, am Knopf drehen, kurz: eine überflüssige Modernisierung. Die Stimmung ist dahin, man denkt an die Blutorgien-Spektakel von Hermann Nitsch. Linderung verheißen die großen blauen Augen der Einlasserin. Man fragt sie, wo der Raffael hängt, sie dreht sich, blinzelt, wie es Kurzsichtige tun, und sagt: "zweiter Stock". Im Aufzug geht es nach "-1", nach "0", nach "1" - endlich die Ankunft. Jede Menge Menschen hier, die Wut kocht wieder hoch. Wo hängt der Raffael? Der Mitarbeiter lächelt: "Die Ausstellung beginnt nächste Woche."

Marc Hoch

SZ vom 5. Oktober 2017

Bild: Marc Herold 8. Oktober 2017, 20:352017-10-08 20:35:13 © SZ/ihe