Mitten in Absurdistan
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Mitten in ... Berlin

Amar Zia hat einen kleinen Supermarkt im Wedding. Die Straße bebt im Verkehr, das eigene Wort versteht man nicht. Zia steht da, nass vom Schweiß. Kunden balancieren um Bohrer und Sägen herum. "Seht her!", ruft Zia und lacht. Zwei Tage hat er gearbeitet, um aus fünf Holzpaletten eine Bank zu bauen. Eine Bank? Sowas kann man doch kaufen, Herr Zia. "Sowas nicht", sagt er, "und sowas kann man auch nicht klauen".

Drei Bänke hatte er schon im Baumarkt besorgt, um sie vor den Laden zu stellen. Alle drei schloss er an des nachts, und doch wurden sie gestohlen. Nun hat er die Sache durch Gewicht gelöst. Um diese Bank zu bewegen, braucht es vier sehr kräftige Männer. Aus der Schwüle des Ladens tritt eine ältere Dame, Zias Mutter. Der Sohn legt voll Stolz Kissen auf das splittrige Holz. Er sagt: "Eigentlich hab' ich es für sie gemacht."

Renate Meinhof, SZ vom 27./28.8.2011

15. August 2011, 15:45 2011-08-15 15:45:00  © Süddeutsche Zeitung/dd/kaeb

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