Apuseni in Rumänien Eine Reise in ein vergessenes Paradies

Apuseni wird diese Gegend in Rumänien genannt. In 100 Kilometer Umkreis gibt es keine Stadt. Im Nordosten ist Cluj-Napoca (Klausenburg) der nächste größere Ort, im Nordwesten das schmucke Jugendstilstädtchen Oradea, im Süden Deva.

"Halt, brr, nicht so schnell": Die Stimme des Reitlehrers Mugur Pop klingt streng. Denn sein Gast, der zum ersten Mal auf einem Pferd sitzt, hat eigenwillig zum flotten Trab angesetzt statt brav im Schritt zu bleiben. Der Drang ist groß, durch die Westkarpaten zu sausen, vorbei an sanften Hügeln, die gesprenkelt sind mit lila Krokussen, an Bächen und duftenden Nadel- und Laubwäldern.

Alles wirkt hier wie vor 100 Jahren - sogar der Reitlehrer Pop. Wie ein Landsknecht thront der Mann mit schwarzem Bart auf seinem Rappen. Seinen braunen Mantel hält ein prächtiger breiter Ledergürtel mit drei Schnallen zusammen. Er ist einer der wenigen, die in Rumänien ausgedehnte Reittouren für Touristen anbieten, für 70 Euro pro Person und Tag. Zwölf Pferde hat Mugur Pop in seinem Stall.

Wie hingekleckst liegen in den Apuseni uralte, mit Reisig gedeckte Bauernhäuser in der Landschaft. Mit etwas Glück sieht man Bären - am ehesten im Frühling, wenn die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen. Mit etwa 5000 Tieren hat Rumänien die größte Bärenpopulation Europas. Kaum eine Asphaltstraße stört die Natur. Urlauber kommen am besten zu Pferd, per Mountainbike und im Winter auf Schlitten vorwärts.

Zur touristischen Hauptattraktion, der Eishöhle Scarisoara am Dorf Gârda de Sus, führt nur eine Schotterpiste. In die Höhle gelangt man durch eine bewaldete Schlucht und über eine klapprige Metallstiege. Unten glitzert Eis, darunter die so genannte Kathedrale, deren Form an triumphale Gotik erinnert.

Dieses Naturwunder ist ein Überbleibsel der Eiszeit, erklärt Cristian Ciubotarescu. Der 37-Jährige ist der einzige Arzt in der Streusiedlung Gârda de Sus, zugleich der einzige - ehrenamtliche - Touristenführer und obendrein Absolvent des deutschsprachigen Gymnasiums in Bukarest. Man kommt vom Hundertsten ins Tausendste mit dem Doktor, beim doppelt gebrannten Schnaps Tzuika in der Pension "Scarisoara", ganz in der Nähe der Höhle. Zuvor hatte Wirtin Iuliana Pasca einen dampfenden Balmos serviert, die siebenbürgische Variante des Maisbreis, die früher nur die Brautwerber aufgetischt bekamen. Die Apuseni waren, wie ganz Siebenbürgen, bis zum Jahr 1918 österreichisch-ungarisches Territorium. Interessant war die Gegend für die Österreicher nur wegen der reichen Bodenschätze, darunter Gold und Silber. Bei Zlatna und Abrud verschandeln heute Schlote und Halden von Bergbauresten die Landschaft.

Doch sonst ist es ein Paradies von Natur und Authentizität. Erst seit kurzem richten die Bauern Pensionen ein. Die 30-jährige Wirtin Iuliana tischt auf, als wären ihre Gäste allesamt Verwandte. Neben der neuen Pension steht das alte hölzerne Bauernhaus, wo die Großmutter noch wie "Anno dazumal" wohnt. Fette Schweine grunzen im Stall, Kühe schnauben vor ihren Heuhaufen.

Doktor Ciubotariu hält gerne lange Schwätzchen mit den seltenen Touristen. Und Reitlehrer Mugur Pop begreift seinen Job nicht nur als Geschäft, sondern vor allem als Passion. Am liebsten, so gesteht er, zieht er mit geübten Reitern durch die Gegend. Das geht aber dann im Trab und Galopp.

Informationen: Rumänisches Tourismusamt, Budapester Straße 20a, 10787 Berlin (Tel.: 030/241 90 41); Anbieter von Reitausflügen: Daksa in Cluj-Napoca