Flugzeugkatastrophen wie der Absturz der Air France 447 über dem Atlantik lassen tiefliegende Ängste wach werden: Warum die Furcht vorm Fliegen nie vergeht.
Das Fliegen zählt zu den zwiespältigsten Erfahrungen, die Menschen machen können. Das Gefühl, binnen weniger Sekunden die Perspektive komplett zu wechseln, wenn die Maschine in den Himmel steigt, führt bei manchen zu Glücksgefühlen.
In Seminaren können Passagiere versuchen, ihre Flugangst zu überwinden. (© Foto: ddp)
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Wenn man nicht gerade Bonusmeilen-Sammler ist und im Wochenrhythmus über den Dingen schwebt, wird man das Fliegen als eine besondere Art der Fortbewegung empfinden.
Und doch kann sich, von einer Sekunde auf die nächste, der Zustand der kontrollierten Entgrenzung ins Gegenteil wenden: Man muss nicht mal eine Notlandung mitgemacht haben; es reichen ein paar heftige Turbulenzen, und der Fluggast, der gerade entspannt die Aussicht genossen hat, krallt sich in seinen Sitz.
Der Puls rast, das Gefühl der Ohnmacht wächst, die Gedanken driften ab: Was wäre, wenn - ja, wenn das Unmögliche eintritt und die Maschine ein Problem hat? Wenn der Kontrollverlust nicht nur ein subjektives Empfinden ist?
Die Angst vor dem Absturz ist so alt wie das Fliegen selbst, auch wenn es ein relativ neues Phänomen ist, dass inzwischen auch weitgereiste Manager Seminare besuchen, um mit dem Dauerstress fertigzuwerden.
In der Frühphase der Luftfahrt war das anders. Als der Vorstandschef von American Airlines, Cyrus R. Smith, im Jahr 1934 erstmals das Thema Flugangst in einer Anzeigenkampagne publik machte, hätte er beinahe seinen Job verloren: Nicht nur sein Konzern, die gesamte Branche witterte Verrat.
Dabei wollte Smith mit seiner provokanten Frage "Afraid to Fly?" die Kunden nur von der technischen Überlegenheit der eigenen Fluggesellschaft überzeugen, vor allem die damals noch bodenständigen Amerikaner, die Interkontinentalflüge für eine verrückte Beschäftigung kalifornischer Filmstars hielten.
Die Luftfahrt ist längst demokratisiert
Vorbei die Zeiten, als Fliegen elitär und exzeptionell war, ein Fest, für das man sich so feierlich kleidete wie für die Oper. Die Luftfahrt ist längst demokratisiert, es ist nichts Besonderes mehr, mehrfach im Jahr nach Mallorca zu fliegen.
Gleichzeitig steht der Flugverkehr unter verschärfter Beobachtung: Jeder heikle Zwischenfall in der Luft, jeder Beinahe-Crash löst eine Nachrichtenwelle aus, die Ängste nährt, weil Routen und Flugzeuge so vertraut sind wie der Spazierweg im Nachbarort.
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