Eigentlich sollte es nur ein Barbesuch in Lima werden. Dann wird unser Autor verschleppt. Von Polizisten.
In Nasca fragt mich eine Kellnerin, ob es sein kann, dass sie mich aus dem Fernsehen kennt. Das ist mir an dem Tag schon mehrfach passiert. Ein Streifenpolizist wusste sogar meinen Namen.
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(© Karte: Thiessat)
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Zwei Mädchen auf der Straße wollten mich fotografieren. Auch der Mann hinter dem Bankschalter erkannte mich.
Fünf Tage zuvor hatten mich Polizisten in Lima einen Abend lang entführt und beraubt. Das Fernsehen berichtete mehrfach landesweit über den Fall.
Alle wichtigen Zeitungen Perus druckten mein Foto. Der Chef der Nationalpolizei gab Interviews, in denen er versprach, jetzt wirklich hart gegen Korruption vorzugehen.
Es ist mein erster Tag in Peru. Am Abend zuvor war ich erst spät aus Ecuador in Lima angekommen. Auf der Terrasse des Hostal Espana schmiegte sich eine Riesenschildkröte an meinen Schuh.
Tagsüber besichtige ich Museen und Klöster. Abends will ich aufs Shakira-Konzert. Es gibt keine Karte mehr.
Stattdessen stehe ich auf der Plaza de Armas. Dort fotografiere ich den beleuchteten Präsidentenpalast und den Balkon des Bischofpalais.
Aus der Kathedrale kommen Hunderte Menschen. Ein sanft wirkender Mann spricht mich an. Die Mitglieder des Neokatechumenats hätten gerade mit dem Bischof ihre Jahresmesse gefeiert.
Dabei handelt es sich, wie mir der Mann erklärt, um eine geistliche Bewegung in der katholischen Kirche. Ihre Anhänger wollen die Taufe symbolisch noch einmal erleben. Es gehe um Zuversicht. Auch wer krank oder arm oder anders benachteiligt sei, könne ein glücklicher Mensch sein. Er müsse nur glauben.
Als nächstes spricht mich ein lässiger junger Mann mit Basketballmütze an. Er kann etwas Englisch und Deutsch, erzählt von Freunden in Berlin und Nächten in Discos. Nach einer Weile fragt er, ob ich ein Bier mit ihm trinken will. Ich bilde mir ein, nach der langen Reise die Menschen einordnen zu können, und traue ihm.
Wir überqueren auf einer alten Brücke den Rio Rimac. In einer Kneipe schräg gegenüber der Cristal-Brauerei trinken wir. Nach einer Weile lenkt Alberto, wie er sich nennt, das Gespräch auf Sex. Er macht eindeutige Angebote.
Ich sage ihm, dass ich, soweit ich weiß, nicht schwul bin. Er tut so, als glaube er das nicht.
Nach dem langen Tag bin ich müde und genervt. Ich will ins Hotel. Alfredo geht kurz raus. Angeblich, um zu telefonieren.
Ich komme nach. Alfredo will mir unbedingt einen Club zeigen, der angeblich nur einen Block entfernt ist. Ich denke mir, das machen wir noch, dann gibt er endlich Ruhe, und ich bin weg.
Einen halben Block weiter hält schräg vor uns ein Streifenwagen. Drei Polizisten steigen aus. Wir sollen stehen bleiben. Polizeikontrolle. Alfredo lässt zwei kleine Pakete zwischen uns fallen.
Die Pakete sehen aus wie Kokain. Die Polizisten fordern uns auf, einzusteigen. Sie wollen Personalien feststellen. Ich gehorche. Ein Fehler.
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