Wer einen deutschen Pass will, muss erst einen Sprachtest bestehen. Eine Hürde, die viele Ausländer vor der Einbürgerung abschreckt.
Die Verunsicherung unter den Zuwanderern sei groß, sagt Kenan Araz. Seit die Bundesregierung vor zwei Jahren einen schwierigeren Sprachtest bei Einbürgerungen eingeführt habe, zögerten viele Ausländer mit dem Schritt zum deutschen Pass, sagt Araz, der in Bochum für Wohlfahrtsverbände Einbürgerungswillige berät. "Viele geben auf aus Angst, es nicht zu schaffen."
Der Sprachtest schreckt viele Ausländer vor der Einbürgerung ab. (© Foto: ap)
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Araz' Erfahrung spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Die Zahl der Einbürgerungen ist im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr drastisch zurückgegangen, und zwar um etwa 15 Prozent.
Dies geht aus Antworten auf Parlaments-Anfragen der Linkspartei hervor, sowie aus einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung bei einzelnen Ländern. Alle neun Länder, die bereits Daten herausgeben, verzeichnen demnach deutlich weniger Neu-Bürger, allein Nordrhein-Westfalen, das gewöhnlich etwa ein Viertel der Einbürgerungen erteilt, registrierte eine Abnahme um etwa 20 Prozent. Damit dürfte die Zahl der Eingebürgerten für 2008 auf unter 100.000 sinken, den niedrigsten Wert seit zehn Jahren.
Für die Bundesregierung sind die Zahlen ein Rückschlag. Sie wirbt unter Zuwanderern dafür, Deutscher zu werden, der neue Pass gilt als Krönung der Eingliederung. Die Integrationspolitiker hoffen, dass mit dem Pass auch die Verbundenheit zur neuen Heimat wächst und dass die Zuwanderer die bundesdeutsche Gesellschaft schätzen lernen, wenn sie über volle Wahl- und Bürgerrechte verfügen. Aber wie soll man dafür wieder mehr Einwanderer begeistern?
Durch andere Gesetze, sagt Sevim Dagdelen, die Initiatorin der parlamentarischen Anfragen. Die Koalition habe es den Migranten jedoch immer schwerer gemacht, den Pass zu ergattern. "Die Bundesregierung muss Einbürgerung endlich konsequent erleichtern."
Davon hält die Integrationsbeauftragte im Kanzleramt, Maria Böhmer, wenig. Die Gesetze seien gut, die Einheimischen müssten vor allem eine Willkommenskultur entwickeln - und die Zuwanderer sich klar für Deutschland entscheiden, sagt sie.
Doch selbst bei gutem Willen gleicht der Weg zur Einbürgerungs-Urkunde mittlerweile einer bürokratischen Vorhölle, die mit Fragebögen und Anforderungen gepflastert ist. Acht Nachweise verlangt das geltende Gesetz - etwa, dass der Bewerber flüssig Deutsch sprechen oder sich und seine Familie ohne staatliche Zuschüsse ernähren kann. Diese Hürden erscheinen noch angemessen, schließlich knüpfen sich an den Pass auch viele neue Rechte.
Vor zwei Jahren legten Bund und Länder allerdings die Latte noch höher: Sie führten eben jenen schwierigeren Deutschtest ein. Zudem werden Bewerber ausgeschlossen, wenn sie mal zu einer Strafe von 90 Tagessätzen verurteilt wurden. Zuvor waren es noch 180 Tagessätze gewesen. "Dies trifft vor allem Jugendliche", sagt Araz, also eine Gruppe, um die die Politik eigentlich besonders wirbt. Die Grenze ist schnell überschritten, etwa durch Cannabis-Besitz oder Ladendiebstahl. Auch doppelte Staatsbürgerschaft dulden die Behörden meist nicht.
Auf der anderen Seite ist ein Teil der Zuwanderer nicht am neuen Pass interessiert. Eine Studie der Caritas ist da erhellend: Demnach machen viele EU-Ausländer keine Anstalten, Deutscher zu werden, weil sie ohnehin Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis haben. Und ein Teil der Türken träumt immer noch von der Rückkehr. Sie fühlen sich dem Herkunftsland so verbunden, dass sie den alten Pass nicht missen wollen.
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Das ist ja herzerwärmend, wie die süddeutsche in dem Artikel "Wen würden Ausländer wählen" zweimal US-Amerikaner, zwei Franzosen, eine Australierin und einen Niederländer repräsentativ als Ausländer vorstellen, die vielleicht zusammen 1,5% des Ausländeranteils darstellen.
Wie wäre es denn gewesen, wenn man einen Türken/eine Türkin gefragt hätte? Durch Ignorieren von ca. 3 Millionen(!) Türken wird man sie auch nicht los, oder?
Oder hat man sich gedacht: "Ach, die Türkenkollegas würden eh nicht wählen und hängen nur in der Spielothek rum oder verprügeln gerade ihre Frauen und die Frauen können sowieso nicht Lesen und Schreiben."
Ja, genau, liebe süddeutsche, hauptsache irgendein Pseudogelaber von Integration erzählen, einen auf linksliberal machen, aber keinen Deut besser sein als die rechtspopulistische Bild-Zeitung.
Der Artikel bestätigt genau meine Wahrnehmnung der Situation in Deutschland: Es gibt (erwünschte) Ausländer wie z.B. Amerikaner, Franzosen, Australier, Spanier oder Griechen UND es gibt geduldete Türken, die eine eigene Kategorie haben: die Türken.
Wo ist das Problem, wenn D versucht offensichtliche "Taugenichtse" herauszufiltern, bevor man Bürger werden kann.
Andere Staaten machen das schon seit Ewigkeiten, und niemand regt sich darüber auf.
- 97 % der Teilnehmer bestehen den Einbürgerungstest - eine hohe Hürde?
- Im Jugendstrafrecht gibt es keine Geldstrafen, also kann ein Jugendlicher nicht zu 90 oder 180 oder x Tagessätzen verurteilt werden, das gibt es nur im Erwachsenenstrafrecht.
- Der Besitz geringfügiger Mengen Cannabis zum Eigenverbrauch ist straflos.
- Eine Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen für einen Ladendiebstahl bei einem Ersttäter? Die Verurteiltenstatistik für 2007 (online abrufbar beim Statistischen Bundesamt) weist insgesamt 81.282 Verurteilungen zu Gedstrafe wegen Diebstahls aus, darunter 3.002 zu mehr als 90 Tagessätzen. Und dass unter diesen 3.002 Fällen eine nennenswerte Anzahl von von Auländern begangenen Ladendiebstählen ist, das wage ich zu bezweifeln.
Nich nur die Bundesregierung muss Einbürgerung endlich konsequent erleichtern.
Eine südamerikanische Freundin, die seit ca. 10 Jahren mit einem Deutschen verheiratet ist und aus einem offiziell demokratischen Land kommt, und deren Kinder besser Deutsch als Spanisch sprechen hat den Einbürgerungstest und den Sprachtest bestanden. Sie wollte nun Deutsche werden, kam im Kreisverwaltungsreferat München(KVR) aber an eine unhöfliche Beamtin, die ihr erklärte sie müsse sich den Namen in ihrem Heimatland ändern lassen, da sie im Pass und Personalausweis ihren normalen Namen (Nachname des Vaters und der Mutter) hat und in den Deutschen Papieren ihren Nachnamen + de + Nachname des Gatten hat.
Sie müsste also zuerst in die Stadt fahren in der sie geheiratet hat um ihren Namen zu ändern und anschließend in die Hauptstadt reisen um einen neuen Pass zu beantragen, der ihr dann später wieder abgenommen werden soll, da Doppelstaatsangehörigkeiten nur bei EU Bürgern und Israelis geduldet werden.
Zusätzlich hat diese "liebe" Beamtin ihr noch ein Formular mit "der Bekenntnis zur freiheitlich Demokratischen Grundordnung" gegeben, in dem die Beamtin fett "lernen" darüber geschrieben hatte, und einige Passagen unterstrichen hatte. Es hat den Anschein als würde diese Beamtin sie beim nächsten Termin nochmals persönlich ausfragen wollen. Für was hat meine Bekannte den Einbürgerungstest gemacht, wenn sie nochmals von einer nicht gerade ausländerfreundlichen Beamtin vorsprechen soll?!
Am besten finde ich die Passage mit der Souveränität des Volkes, die ich gerne der Bundesregierung zeigen würde, die die Meinung des Volkes einen Dreck interessierte als sie den Vertrag von Lissabon unterschrieben hatte.
Artikel 146:
Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.
Einige scheinen zu vergessen, daß eine Staatsbürgerschaft mehr ist als der Bezugsschein zu Sozialleistungen, sondern die Entscheidung für eine Schicksalsgemeinschaft "in guten wie in schlechten Tagen".
Wie soll man jemanden den notwendigen Ernst bei diesem Schritt abnehmen, wenn er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, die Sprache richtig zu erlernen?
Die Sprache ist hier der minimale Grundkonsenz für die Aufnahme in eine andere Kultur.
Zeugt dies nicht gar von feindseliger Ignoranz gegenüber dem Staat, bei dem er Aufnahme begehrt? Wer so denkt offenbahrt sich eher als Anhänger von Sülermans Eroberungsphantasien statt als potentieller Mitbürger.
Paging