Yoani Sánchez Kubas berühmteste Bloggerin darf endlich ausreisen

"Time" ernannte sie zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten, "El País" machte sie zur Korrespondentin, ihre Blogs werden in 20 Sprachen übersetzt. Jetzt darf die kubakritische Bloggerin Yoani Sánchez endlich reisen, in gut 80 Tagen um die ganze Welt. Und hat dabei ein Programm wie eine Botschafterin.

Von Peter Burghardt, Buenos Aires

Jetzt ist sie also tatsächlich unterwegs. Seit Jahren sendet Yoani Sánchez, Kubas berühmteste Bloggerin, auf ihrer Website Generación Y kritische Miniaturen aus dem kubanischen Alltag und bekam dafür Preise aus aller Welt, bloß abholen durfte sie die nicht. Reiseanträge wurden abgewiesen, doch nach der Änderung der Migrationsbestimmungen bekam auch sie ihren blauen Reisepass und stieg vergangenen Sonntag ins Flugzeug.

Über Panama ging es zunächst nach Recife, Brasilien, wo ihre Tournee begann. "Danke, internationaler Flughafen von Recife, für die Aufmerksamkeit und Zuneigung", verkündete sie nach der Landung auf Twitter, begeistert vom kabellosen Internet.

Daheim ist die Verbindung schwieriger und teurer, trotz des Breitbandkabels aus Venezuela. Dennoch wurde die 37 Jahre alte Philologin von dem Eiland aus zum verblüffenden Star. Auf Kuba kennen die schmale Autorin wenige, in den Staatsmedien kommen Dissidenten kaum vor. Dafür sammelte Yoani Sánchez in ihrer Wohnung hoch über dem Platz der Revolution internationalen Ruhm.

Das Nachrichtenmagazin Time ernannte sie zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten, und ihr Buch "Cuba Libre" erschien in vielen Ländern. Die spanische Zeitung El País machte sie zu ihrer Korrespondentin, als ihr Korrespondent kein Arbeitsvisum mehr bekam. Ihre Blogs werden online in 20 Sprachen übersetzt, darunter auf Litauisch, Koreanisch und Chinesisch.

Schreibendes Symbol des Widerstands

Gegner fragen sich, wie das trotz der Beschränkungen geht. Sie werfen ihr vor, Geld aus den USA zu bekommen; bei der Ankunft im brasilianischen Nordosten empfingen sie außer Freunden auch Demonstranten. Für die meisten aber gilt sie als schreibendes Symbol des Widerstands und nun auch als Beweis, dass es die kommunistische Regierung von Raúl Castro mit der neuen Reisefreiheit ernst meint.

Drei Monate lang wird sie nach diesem Mauerfall zwölf Nationen in Amerika und Europa besuchen, darunter Deutschland und die Schweiz, wo sie von 2002 bis 2004 gelebt hatte. Sie hat ein Programm wie eine Botschafterin der Opposition, mit Konferenzen und Interviews, in den USA will sie Google, Twitter und Facebook besuchen.

In gut 80 Tagen um die Welt, danach kehrt sie heim. "Ich bin sehr glücklich, wie eine Hürdenläuferin, die ausgepumpt, verschwitzt und verletzt das Ziel erreicht", sagt Yoani Sánchez. "Ich habe einen kleinen Sieg errungen, journalistisch, bürgerlich und juristisch."