Wehrsportgruppe Hoffmann Durchsuchungen bei Rechtsextremisten

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gründer der Wehrsportgruppe Hoffmann. Sie stehen im Verdacht, Sprengstoff beschafft zu haben.

Von Olaf Przybilla

Gegen den Gründer der rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann, Karl-Heinz Hoffmann, wird wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Entsprechende Informationen der Süddeutschen Zeitung bestätigte die Staatsanwaltschaft Gera.

Das Anwesen des 72-Jährigen im Landkreis Forchheim wurde am Mittwoch von Fahndern durchsucht. Dabei wurden Computer, mehrere Handys sowie Speichermedien sichergestellt. Sprengstoffspuren fanden sich nicht in dem Anwesen östlich von Erlangen.

Man werde das Material nun auswerten, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Mohrmann. Dann werde entschieden, ob gegen Hoffmann weiter ermittelt werde. Hoffmann hatte 1973 die paramilitärische Wehrsportgruppe gegründet, die 1980 verboten wurde. Unter anderem wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz war Hoffmann 1984 zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt worden. 1989 wurde er vorzeitig entlassen, nach Angaben von Verfassungsschützern galt er seither als unauffällig.

Zusammen mit dem Anwesen von Hoffmann waren am Mittwoch 15 weitere Objekte von Rechtsextremisten durchsucht worden, vor allem in Thüringen und Sachsen. Mehrere Neonazis stehen im Verdacht, im September Sprengstoff beschafft und nach Jena transportiert zu haben. Ermittler hatten ein Gespräch von Neonazis abgehört, in dem der Begriff "C4" gefallen sein soll. Da sich die Neonazis auch über eine Gebrauchsanweisung unterhalten haben sollen, vermuten die Fahnder dahinter die Abkürzung für den gleichnamigen Plastiksprengstoff. Die Männer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren hatten kurz vor dem Gespräch einen Kameradschaftsabend im westlichen Sachsen besucht, auf dem sich auch Hoffmann aufgehalten hatte.

Seit Juli gehen Verfassungsschützer dem Verdacht nach, Neonazis könnten einen Anschlag auf das Fahrzeug von Katharina König planen, einer Landtagsabgeordneten aus Thüringen. Sie engagiert sich gegen Rechtsextremismus. Ob Hoffmann in mögliche Pläne involviert gewesen ist, sei nun Gegenstand der Ermittlungen, erklärte die Staatsanwaltschaft Gera.

Hoffmann wird von Verfassungsschützern weiterhin als Rechtsextremist eingestuft. Die Haft und das Verbot der in Franken beheimateten Wehrsportgruppe habe "keine weltanschauliche Läuterung" bei ihm bewirkt, sagte ein bayerischer Verfassungsschützer. Trotzdem wurde der 72-Jährige zuletzt als unauffällig bewertet - als ein Mann, der in neonazistischen Kreisen zwar als Symbolfigur, selbst aber nicht mehr als rechtsextremistischer Aktivist gilt.

Im Dezember 1980 hatte ein ehemaliges Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann den jüdischen Verleger Shlomo Levin und dessen Lebensgefährtin Frieda Poeschke in einer Wohnung in Erlangen erschossen. Der Verleger hatte sich gegen rechtsextremistische Umtriebe engagiert. Zwar wurde Hoffmann wegen einer möglichen Beteiligung an dem Mord angeklagt. Die Indizien hatten aber für eine Verurteilung nicht ausgereicht.