Wahlkampfveranstaltung in Bremen Autonome greifen AfD-Parteichef Lucke an

Drei Festnahmen, angeblich 15 Verletzte: Vermummte stürmen in Bremen die Wahlkampfbühne der eurokritischen Partei Alternative für Deutschland. Parteichef Lucke bleibt unverletzt - und ist "schockiert und empört".

Der Parteichef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, ist am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bremen angegriffen worden. Nach Angaben der Polizei blieb er unverletzt. Der Vorfall ereignete sich bei einer Veranstaltung der eurokritischen Partei auf der Waldbühne im Bremer Bürgerpark.

Acht vermummte und vermutlich dem linksextremen Lager zuzuordnende Angreifer hätten während einer Rede Luckes die Bühne gestürmt und diesen zu Boden gestoßen, sagte eine Polizeisprecherin. Die Gründe für den Angriff seien noch unklar.

Die Angreifer seien mit Reizgas, Pfefferspray und mindestens einem Messer bewaffnet gewesen. Sie hätten sich vermutlich während der Rede Luckes unbemerkt in einem an die Bühne angrenzenden Waldstück genähert. Die Polizei geht davon aus, dass sich bis zu 20 Angreifer "in den Büschen versteckt" hatten. Beim Handgemenge auf der Bühne und bei der anschließenden Verfolgungsjagd wurden den Angaben zufolge 15 Personen durch Reizgas, ein AfD-Mitglied zudem durch einen Messerschnitt an der Hand verletzt.

Drei Angreifer wurden bei der Verfolgungsjagd, an der sich neben Polizisten auch Parteifreunde Luckes beteiligten, festgenommen. Erst nach längerer Pause wurde die Veranstaltung unter massivem Polizeischutz fortgesetzt. Lucke, der seine Rede nach dem Angriff fortsetzte, zeigte sich nach Angaben seiner Partei "schockiert und empört": "Es ist eine unerträgliche Störung des demokratischen Wettbewerbs, dass Schlägertruppen wie seinerzeit in der Weimarer Republik friedliche Wahlkampfveranstaltungen der Alternative für Deutschland stören und dabei billigend in Kauf nehmen, Menschen zu verletzen."

Die eurokritische Partei hatte sich in den vergangenen Wochen mehrfach über massive Behinderungen im Wahlkampf beklagt. Im gesamten Bundesgebiet würden immer wieder Wahlplakate zerstört und es komme zu Übergriffen auf Wahlkampfhelfer, hieß es.

Nachtrag der Redaktion: Ein bei der AfD-Wahlveranstaltung gefilmtes Video legt nahe, dass an dem Vorfall deutlich weniger als 20 Angreifer beteiligt waren.

Eine Pressesprecherin der Polizei Bremen sagte auf Nachfrage von sz.de, man habe sich beim Verfassung der Polizeimeldung auf die Angaben der Polizei-Einsatzkräfte vor Ort verlassen; die Ermittlungen zu dem Fall liefen jetzt.

Update, 26. August: Die Polizei hat ihre Darstellung präzisiert. Jens Schneider in der heutigen Print-SZ: "Nach Polizeiangaben stießen die Angreifer den Parteichef von der Bühne und versprühten Pfefferspray. Einer beschimpfte Lucke als 'Scheiß-Nazi'. Sofort danach liefen die jungen Männer davon. Insgesamt hatten sich nach Polizeiangaben 20 Störer im umliegenden Wald zu der Attacke versammelt."

Update, 6. September: Die Polizei musste inzwischen eingestehen, dass die Erstmeldung auf die Angaben der Veranstalter fußte. Polizeipräsident Lutz Müller musste zudem die Anzahl der Vermummten deutlich korrigieren. Zitat aus der Nordwest-Zeitung:

"Gesichert sei lediglich, dass zwei Störer maskiert waren. Das zeige ein Video. Müller schätzt: 'Vielleicht waren acht bis zehn Personen vermummt.' Auf die Bühne wiederum seien nur drei bis vier der Protestierer gelangt, die AfD-Chef Bernd Lucke hinunter schubsten. Und lediglich eine der festgenommenen Personen habe bislang dem linken Spektrum zugeordnet werden können, sagt Müller."

Hinweis via Bildblog.