Video von Saddams Exekution Der Stoff, aus dem der Hass erwächst

Die Aufnahmen sind Zeugnis davon, wie entwürdigend der Tod Husseins war - und dokumentieren, dass die Regierung und die amerikanischen Besatzer nicht mal in der Lage sind, eine Hinrichtung zu kontrollieren.

Kommentar von Stefan Kornelius

Es wäre fast schon verwunderlich gewesen, wenn die Hinrichtung von Saddam Hussein keine neuen Probleme aufgeworfen hätte für die irakische Regierung, die überforderte Besatzungsmacht und damit für das leidgeplagte Volk überhaupt.

Nun ist ein Video der Hinrichtung aufgetaucht, aufgenommen mit einem Mobiltelefon. Bild wie Ton geben erstens Zeugnis davon, in welch entwürdigender Art Saddam sein Leben ließ, und zweitens, wie verkommen eine Gesellschaft sein muss, in der selbst die Exekution des verurteilten Schergen zum billigen, rohen Spektakel gerät.

Die Seuche Internet garantiert, dass die Bilder auf immer abrufbar sein und - so weit der Begriff in diesem Zusammenhang erlaubt ist - kulthaften Status annehmen werden.

Das Hängen des Diktators ist für viele verabscheuungswürdig, weil der Tod selbst für die schlimmsten Schlächter keine Strafe sein kann. In einer gewaltdurchseuchten Gesellschaft wie im Irak hätte die Abschaffung der Todesstrafe und lebenslanger Kerker vielleicht eine größere erzieherische Wirkung entfaltet.

Das Video dokumentiert außerdem, dass die Regierung und die amerikanischen Besatzer nicht mal in der Lage sind, eine Hinrichtung zu kontrollieren. Die Zuschauer pöbeln, Saddam pöbelt zurück, Videobilder entstehen. Das ist der Stoff, aus dem Hass erwächst. Abu Ghraib lässt grüßen.

Die Bilder geben also Aufschluss über die Schwäche einer Regierung und die Verrohung der Gesellschaft. Saddam Husseins Tod hat da weder eine heilende Wirkung noch befriedigt er Rachegelüste - die Bilder werden eher das Gegenteil erreichen.

Und eine Regierung, die nicht einmal Aufnahmen einer Hinrichtung verhindern kann, wird das Land allemal nicht kontrollieren können.