US-Stützpunkt in Afghanistan Koranverbrennung bringt US-Truppe in Bedrängnis

Tausende Afghanen protestieren vor der US-Basis in Bagram, weil afghanische Arbeiter im Müll angebrannte Koran-Exemplare gefunden hatten. Die Internationale Schutztruppe Isaf versucht zu beschwichtigen und spricht von "unsachgemäßer Entsorgung".

Die Menge ist wütend, die Stimmung aufgebracht: Tausende Afghanen haben sich vor dem US-Stützpunkt Bagram versammelt, um gegen die angebliche Schändung des Koran zu protestieren. Der Grund: Afghanische Arbeiter, die auf der US-Basis Bagram eingesetzt sind, haben angebrannte Koran-Exemplare gefunden.

Muslimen gilt die Verbrennung des Korans als Todsünde, eigentlich sollte dies den dort stationierten US- und Nato-Soldaten bewusst sein. Dennoch musste die Internationale Schutztruppe Isaf einräumen, dass Soldaten in Bagram muslimische Schriften wie den Koran "unangemessen entsorgt" hätten. Einige Exemplare seien verbrannt, andere vorher wieder aus dem Müll genommen worden.

Die Bücher seien früher von Gefangenen genutzt worden. Sie waren Teil einer Ladung Müll, die zwei Soldaten mit einem Lastwagen am späten Montagabend zu einer Grube gebracht hatten, in der Abfall verbrannt wird. Als die afghanischen Arbeiter bemerkten, dass auch religiöse Bücher im Müll waren, stoppten sie die Vernichtung.

Isaf-Kommandeur John Allen entschuldigte sich in einer Mitteilung wortreich für den Vorfall: "Ich versichere Ihnen, ich verspreche Ihnen, das war in keinster Weise vorsätzlich." Das Vorgehen der Soldaten sei sofort gestoppt worden und werde untersucht. "Das sichergestellte Material wird ordnungsgemäß durch die entsprechenden religiösen Obrigkeiten gehandhabt werden." Auf der Plattform Youtube kursiert mittlerweile ein Entschuldigungsvideo des Kommandanten.

Die Demonstranten vor dem US-Stützpunkt Bagram konnte das kaum beruhigen. Sicherheitskräfte sollen nach Angaben einer Sprecherin der Regierung der Provinz Parwan versucht haben, mit Warnschüssen die Menge aufzulösen. Daraufhin hätten fast 3000 Afghanen vor dem Feldlager protestiert.

Die Nachrichtenagentur dpa zitierte einen Demonstranten, wonach die Menge "Tod den Amerikanern" skandiert haben soll. Ein Sprecher der Provinzpolizei sagte, sie hätten "sterbt, sterbt, Ausländer!" gerufen und mit Pistolen in die Luft gefeuert.

Den Berichten zufolge hieß es, ein Demonstrant sei von Soldaten angeschossen und verletzt worden. Die Behörden bestätigten das zunächst nicht.

Im vergangenen Frühjahr waren in Afghanistan bei tagelangen Protesten gegen die Koran-Verbrennung eines US-Predigers 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter sieben ausländische UN-Mitarbeiter. 2005 hatte ein später zurückgezogener Medienbericht über eine angebliche Schändung des Korans im US-Gefangenenlager Guantanamo schwere antiamerikanische Proteste ausgelöst. Bei Unruhen waren damals in Afghanistan und Pakistan insgesamt 17 Menschen gestorben.