Protest gegen Anti-Schwulen-Gesetz Zwei Minuten für die Wahrheit

Eigentlich sollte James Kirchick im Sender Russia Today über Bradley Manning reden. Doch der Journalist sprach stattdessen lieber über das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland - und wurde abgesägt.

Dass der amerikanische Journalist James Kirchick im englischsprachigen Programm des Senders Russia Today nicht über Bradley Manning sprechen wollte, das sah man ihm schon an seinen Hosenträgern an. Sie waren regenbogenfarben. Seine zwei Minuten in dem staatlich finanzierten Sender nutzte er dann tatsächlich anders als vorgesehen: Er sprach über das Anti-Schwulen-Gesetz in Russland.

Nach diesem weit auslegbaren Gesetz steht in Russland das Propagieren von Homosexualität gegenüber Minderjährigen unter Strafe. "Wenn ich schon in diesem Propaganda-Sender auftauche, trage ich meine Hosenträger und spreche mich offen gegen dieses schreckliche, schwulenfeinde Gesetz von Wladimir Putin aus", sagte Kirchick in der Sendung. Der Journalist arbeitet von Berlin aus für unterschiedliche US-Medien und die israelische Haaretz.

Die Moderatorin unterbrach ihn daraufhin: Man könne möglicherweise später darüber sprechen, aber was sei denn mit Bradley Manning? Kirchicks Kommentar: "Über Bradley Manning zu sprechen, interessiert mich nicht." Er wolle seine zwei Minuten lieber dazu nutzen, um über eine andere Wahrheit, die der Schwulendiskrimierung in Russland, zu sprechen.

Er wolle Homosexuellen in Russland zeigen, dass sie Freunde in der ganzen Welt haben. "Wir werden angesichts eines solchen Gesetzes nicht schweigen, das einer Ihrer Geldgeber, Wladimir Putin, zu verantworten hat." Dann wendete sich Kirchick gegen die Moderatorin und die zugeschalteten Journalisten der Sendung: "Sie sollten über Russland berichten. Ich verstehe nicht, wie Sie für einen solchen Sender arbeiten können. Sie sollten sich schämen."

Einer der zugeschalteten Journalisten verteidigte sich: Man habe doch über das Gesetz berichtet. Dann wechselte die Moderatorin das Thema und gab das Wort an eine Journalistin namens Lucy weiter. Sie sprach: über Bradley Manning.

Nach der Sendung erhielt Kirchick solidarische Reaktionen, auf Twitter wurde er mehrfach als Held bezeichnet. Kirchick antwortete, mutig sei nicht er, sondern andere.