Zehntausende trotzen ihrer Angst vor dem Regime: In China wächst der Widerstand gegen Staatswillkür - ein maßloses Urteil kann da nicht abschrecken.
Ein subtiler, aber deutlich spürbarer Wandel hat China ergriffen. Der zivile Ungehorsam an der Basis wächst. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass dieser Trend ausgerechnet mit dem harten Urteil gegen den Dissidenten Liu Xiaobo sichtbar geworden ist.
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Chinesische Polizisten beobachten Unterstützer des prominenten Dissidenten Liu Xiaobo, der in Peking zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Weil er für die Demokratie in China kämpft. (© Foto: AFP)
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Vor dem Gerichtsgebäude, in dem Chinas kommunistische Führung den Schauprozess inszenierte, standen diesmal nicht nur die üblichen ausländischen Reporter und Diplomaten, wie das früher stets der Fall war. Vielmehr riefen chinesische Unterstützer Liu Xiaobos Parolen, entrollten Spruchbänder und riskierten bewusst ihre eigene Festnahme durch die Staatssicherheit. Nur eine Handvoll Mutiger fand den Weg zum Gericht. Doch sie zeigte, dass die Einschüchterung nicht mehr so absolut funktioniert wie früher.
Haft als Strafe für Demokratie-Aufsätze
Elf Jahre Haft für ein paar Aufsätze sind eine grausame Strafe. Selbst an Chinas eigenen Maßstäben gemessen, den Maßstäben einer wirtschaftlich erfolgreichen, politisch rückständigen Entwicklungsdiktatur, ist dieses Urteil unverhältnismäßig streng.
Daran ist zu erkennen, dass Pekings Politbüro an dem 53-jährigen Literaturprofessor und Vorsitzenden des unabhängigen chinesischen PEN-Zentrums ganz bewusst ein Exempel statuieren will. In diesem Punkt hat sich also nichts verändert in China, allem westlichen Wunschdenken vor den Olympischen Sommerspielen in Peking zum Trotz. Wer wie Liu mit seiner "Charta 08" die Machthaber direkt angreift, wer noch dazu mit einer Unterschriftensammlung eine Art politische Organisation begründet, der bekommt unverändert die volle Härte der Obrigkeit zu spüren.
Zehntausende Unterstützer
Das Interessante und Neue an der "Charta 08" ist jedoch, wie viele Chinesen sich diesem Aufruf zur Demokratisierung mit ihrem Namen angeschlossen hatten. Keiner konnte sich damals sicher sein, dass am Ende nur einer der Initiatoren exemplarisch an den Pranger gestellt würde, wie es nun geschehen ist. Es brauchte Zivilcourage, ja echten Mut, als Chinese diese "Charta 08" zu unterschreiben. Und auch jetzt, nachdem so gut wie jeder der 303 Erstunterzeichner Besuch von der Staatssicherheit bekommen hat, sagte sich nicht ein einziger der mittlerweile mehr als 10.000 Unterzeichner öffentlich davon los.
Dieser neue Trend ist nicht bloß auf klassischen politischen Protest wie die von Liu geforderte demokratische Verfassungsreform beschränkt. Mutige Anwälte der "Weiquan"-Bürgerrechtsbewegung verteidigen die Opfer von Behördenwillkür jeder Art. Und sie verteidigen sich gegenseitig. Als kürzlich in Chongqing ein Anwalt eingesperrt wurde, reisten mehrere Kollegen aus Peking an, um ihm zu helfen.
Auch die Zahl der friedlichen und gewaltsamen Bürgerproteste in China wächst. Die Menschen verstoßen bewusst gegen das Demonstrationsverbot, wenn sie Angst vor Müllverbrennungsanlagen oder Chemiefabriken haben. Bauern stecken Polizeistationen in Brand, wenn ihr Land usurpiert wird. Im Internet artikulieren Chinesen ihren Protest gegen die Vertuschung von Lebensmittelskandalen, gegen Justizirrtümer oder Zwangsumsiedlungen.
Chinas Regierung weicht hier und da vor dem Druck zurück, räumt indirekt Fehler ein und verbessert ihre Verwaltung. So wurden schärfere Regeln für den Umgang mit Untersuchungshäftlingen erlassen, nachdem es mehrmals zu öffentlichem Protest gekommen war. Doch insgesamt versagt die Partei kläglich bei der Aufgabe, die Kommunikation mit ihren Kritikern in konstruktive Bahnen zu lenken. Das Urteil gegen Liu Xiaobo ist dafür ein neues Beispiel. Es wird den vom Regime gewünschten Effekt wieder nur teilweise zeigen und die Menschen eben nicht einschüchtern. Gleichzeitig wächst neue Verbitterung, neuer Ungehorsam. Mit jedem Schauprozess erledigt die Partei damit selbst, was sie Liu Xiaobo vorwirft: Sie untergräbt die Staatsgewalt.
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(SZ vom 28.12.2009/abis)
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Politiker und ihre Pannen
China, einst ein großes Reich mit großen Beiträgen für die Menschheitsgeschichte ist in die Hände einer ebenso rücksichtslosen wie überheblichen Machtclique geraten, die sich immer noch auf Legitimationen beruft, die sie längst verspielt hat. Ebenso, wie sie mit dem Leben ihrer Landleute spielt, spielt sie jetzt mit dem Schicksal erheblicher Teile der Weltbevölkerung. Die Frage bleibt, wann solche Usurpanten ihre Grenzen gezeigt bekommen.
Es darf nicht in der Hand solcher Potentaten liegen, ob und wie die Menschheit überleben kann.
Menschenrechte verletzen zu können ist eine Frage der Macht und der Mittel. Hier hat die Geschichte noch nie halt gemacht.
Ebenso schlimm ist, dass sich hinter dieser frivolen Haltung der chinesischen Führung die verstecken, die nicht besser handeln, sondern nur diplomatischer vorgehen.
Das Schicksal der Menschen steht auf dem Spiel, unser Globus hat Regeln, die wir nicht straflos übergehen können.
Bitte sofort den PC ausschalten, der ist mit Made in China nur so verseucht. Und die Unterwäsche, Oberwäsche Schuhe und und und.
Das funktioniert nicht, zu grosse Abhängigkeit. Es geht schliesslich um ein kaptialistisches Gut: Profitmaximierung.
Die Kommentare der Politiker: wie das "ich liebe Dich" aus dem Munde eines Stenz oder einer Schlampe...
... ist doch genau da, wo der Westen hinwill.
Ihr Vorschlag, thomas-rauscher, ist typische linke markt- und damit freiheitsfeindliche Propaganda. Aufrufe zum Boykott verzerren nämlich den Wettbewerb.
Die chinesische Diktatur ist ein brutaler Unrechtsstaat, der den übelsten Metastasen linker Ideologie die übelsten Auswüchse rechter und auch noch die Krankheiten des Liberalismus hinzugefügt hat. Quasi ein Sammelsurium der schlechten Teile.
Das wird nicht ewig gutgehen.
Traurig genug, dass keiner der linken Claqueure, die die Foren der SZ bevölkern, sich zu den brutalen Menschenrechtsverletzungen des kommunistischen Regimes in China äußert. Alles richtig, oder was?
Auch die Betroffenheit von Frau Merkel ist banal, ohne klare Reaktionen werden diese Unterdrücker nicht aufhören. Der Weg der Marktwirtschaft ohne bürgerliche Freiheit, den China gehen will, hängt davon ab, dass wir in Europa und USA die Waren kaufen. Ein Boykott trifft also die chinesische Führung an der empfindlichsten Stelle. Made in China muss so lange tabu sein, wie dort die freiheit mit Füßen getreten wird.