Unterstützung für ägyptische Bloggerin Nackte Solidarität

Aliaa Magda Elmahdy wird in Ägypten als geistig gestört und als Prostituierte beschimpft, nachdem die Bloggerin Nacktfotos von sich im Internet veröffentlichte. Jetzt zeigen sich Dutzende Frauen im Nachbarland Israel solidarisch - und lassen ebenfalls die Hüllen fallen. Auch Elmahdy kämpft weiter und kritisiert scharf die ägyptischen Männer.

Von Sebastian Gierke

Nackte Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy. Am Wochenende haben Dutzende Frauen in Israel ihre Unterstützung für die 20-jährige Ägypterin bekundet. Leicht bekleidet. Sie wollten ein Zeichen setzten, für Elmahdy, für die Rechte von Frauen.

"Liebe ohne Grenzen" steht auf dem Banner, das die Frauen halten. Sie wollen damit Solidarität mit Aliaa Magda Elmahdy demonstrieren.

(Foto: AFP)

Elmahdy hatte Ägypten in Aufruhr versetzt, weil sie Ende Oktober Aktfotos von sich im Internet veröffentlichte. Die junge Bloggerin trägt auf den Bildern nichts - außer Nylonstrümpfen und roten Ballerina-Schuhen. Doch damit beging sie einen kalkulierten Tabubruch. Sie wollte provozieren, protestieren, für freie Kunst und Ausdrucksfreiheit.

Doch mit derart scharfer Kritik hat sie nicht gerechnet. In Ägypten, einem Land, in dem es sogar verpönt ist, wenn sich Paare in der Öffentlichkeit küssen, tobt eine heftige Debatte. Elmahdy wurde als Prostituierte bezeichnet, als geistig gestört, die junge Frau erhielt Dutzende Todesdrohungen. Dass sich Elmahdy und ihr Freund, der Blogger Karim Amer, öffentlich als Paar zeigen, obwohl sie nicht verheiratet sind, empfinden viele Kritiker zusätzlich als Angriff auf die "gesellschaftlichen Werte" Ägyptens.

Unter dem Motto "Liebe ohne Grenzen" hat jetzt die Israelin Or Tepler via Facebook zu einem Fotoshooting aufgerufen. Sie war über die vielen ablehnenden Reaktionen auf Elmahdys Fotoveröffentlichung erschrocken und angewidert. Dem israelischen Nachrichtenportal Ynet sagte die 28-Jährige, es sei ihr auf die Nerven gegangen, dass Elmahdy so viele verächtliche, abwertende Kommentare und Todesdrohungen bekommen habe.

Ungefähr 40 Frauen waren es schließlich, die nach Teplers Facebook-Aufruf an diesem Wochenende bewiesen, dass Elmahdy über Landesgrenzen hinweg viele Unterstützer in der Welt hat und nicht alleine steht mit ihrer Kritik. 100 Frauen hatten sich laut Ynet angemeldet.

Doch ob diese Stimmen vom Erzfeind in Ägypten Gehör finden, scheint zumindest fraglich. Der Kunst- und Medienwissenschaftsstudentin Elmahdy drohen in ihrer Heimat sogar rechtliche Konsequenzen: Mehrere ägyptische Anwälte bezichtigen sie und ihren Freund der Unmoral. Sie würden die Religion missachten. Noch ist allerdings nicht klar, ob auch wirklich Anklage erhoben wird.

Elmahdy jedenfalls gibt sich unerschrocken: In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN erklärte sie noch einmal, warum sie nackt im Internet posiert. Sie habe zugestimmt, das Foto über Twitter zu veröffentlichen, "weil ich mich nicht schäme eine Frau in einer Gesellschaft zu sein, in der Frauen nichts anderes als Sex-Objekte sind, die tagtäglich von Männern belästigt werden." Die Männer in Ägypten wüssten nichts über Sex oder die Wichtigkeit einer Frau. "Das Foto ist ein Ausdruck meiner selbst und ich sehe den menschlichen Körper als die beste künstlerische Umsetzung davon", erklärt sie.

Mit Politik habe sie vor der Revolution in Ägypten nichts zu tun gehabt. "Ich ging zum ersten Mal am 27. März demonstrieren, weil ich dabei sein wollte", sagte sie CNN. "Ich dachte, ich könnte die Zukunft Ägyptens ändern. Ich wollte nicht still sein."

Die Realität in Ägypten hat sie jedoch schnell wieder eingeholt. Das Medienbüro der Jugendbewegung, die im vergangenen Februar mit ihren Demonstrationsaufrufen zur Entmachtung von Präsident Mubarak beigetragen hatte, hat sich schon von Elmahdy distanziert: Sie habe der Bewegung nie angehört.