1200 Randalierer festgenommen, Sonderschichten in den Gerichten, Tausende zusätzliche Polizisten auf den Straßen - Großbritannien versucht, der Krawalle Herr zu werden. In der Nacht blieb es erstmals seit Tagen ruhig. Vor einer Sondersitzung des britischen Parlaments wächst jedoch der Druck auf David Cameron. Der konservative Premierminister soll bereits beschlossene Einsparungen bei der Polizei wieder zurücknehmen.
Nach vier Krawall-Nächten in Folge ist es in Großbritannien weitgehend ruhig geblieben. Mit einem Großaufgebot gelang es der Polizei offenbar, neue Ausschreitungen zu verhindern. Noch am Morgen war in London eine deutlich stärkere Polizeipräsenz auf den Straßen zu sehen. Die Gerichte legten nach Behördenangaben Nachtschichten ein, um Straftäter zu verurteilen.
Großbritannien: Erste ruhige Nacht nach Polizeigroßaufgebot
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Vereinzelt gab es allerdings auch in dieser Nacht Zwischenfälle: Am Mittwochabend löste die Polizei in Eltham im Süden Londons eine Versammlung von rund 150 Männern auf. Es kam aber zu keinen weiteren Auseinandersetzungen. Erstmals wurden auch Zwischenfälle aus Wales gemeldet.
In Birmingham versammelten sich Hunderte Menschen mit Kerzen in der Hand, um dreier Männer zu gedenken, die in der Nacht zuvor offenbar mutwillig überfahren worden waren. Sie hatten nach Angaben von Augenzeugen spontan eine Bürgerwehr gebildet, um Geschäfte vor Plünderungen zu schützen. Der Vater eines der Getöteten sagte, die Gewalt müsse enden "um das Andenken an unsere Söhne zu respektieren".
Die ganze Nacht über wurden in den Gerichten der von den Ausschreitungen betroffenen Städte festgenommene Randalierer verurteilt. Allein in London waren drei Gerichte durchgehend geöffnet. Seit Beginn der Proteste wurden landesweit inzwischen fast 1200 Randalierer festgenommen. Allein in London waren es nach Angaben von Scotland Yard 820, von denen 279 angezeigt wurden.
Das britische Parlament kommt am Vormittag zu einer Sondersitzung wegen der Krawalle zusammen. Nach einer Regierungserklärung von Premierminister Cameron steht eine Aussprache auf der Tagesordnung. Der Premierminister selbst hatte Anfang der Woche seinen Urlaub in Italien abgebrochen, um eine Krisensitzung der Regierung zu leiten. Cameron gerät unter immer stärkeren Druck: Politiker der Opposition und auch des Regierungslagers fordern, bereits beschlossene Sparmaßnahmen bei der Polizei zurückzunehmen.
In Manchester waren bereits am Mittwochabend die ersten Randalierer verurteilt worden. Zwei Männer seien wegen ihrer Beteiligung an den Unruhen in der Nacht zu Mittwoch zu zehn und 16 Wochen Haft verurteilt worden, teilte die Polizei der drittgrößten Stadt Großbritanniens mit und begrüßte das rasche Urteil.
Die Polizei von Manchester hatte seit Beginn der Unruhen eine harte Linie gegenüber den Plünderern verfolgt. Der stellvertretende Polizeichef Garry Shewan warnte, die Polizei habe Aufnahmen von Hunderten Straftätern und werde alle Verantwortlichen festnehmen. Die Plünderung zahlreicher Geschäfte und die Straßenschlachten mit der Polizei am Dienstag nannte Shewan Akte "sinnloser Gewalt".
Eine Online-Petition in Großbritannien, die fordert, Randalierern die Sozialhilfe zu entziehen, erwies sich unterdessen als so beliebt, dass ihre Webseite zusammenbrach. Bis dahin hatten bereits 78.000 Menschen die Petition unterschrieben. Bei 100.000 Unterschriften sollte sie dem Parlament zur Beratung vorgelegt werden. Ihr Text lautet: "Kein Steuerzahler soll für jene zahlen müssen, die Eigentum zerstören, von der Gemeinde gestohlen und keinen Respekt gegenüber dem Land gezeigt haben, das für sie sorgt."
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(AFP/dpa/fran/sebi/segi)
Das sind also Argumente, Bürger-Kriegszustände zu schaffen? Bringen den Chancenlosen ihre Beute bessere Perspektiven ihres beruflichen oder privaten Lebens?
Oft sind ja die Verständnisvollen dieser "Freiheitskämpfer" im gleichen Atemzug Gegner der Aufständsichen in arabischen Ländern oder im Iran. Man gibt sich dann gerne als Verständnisvolle der jeweiligen Despoten. Kaffee kaputt.
Zitat: "Ansonsten: Glauben Sie das eigentlich selber, was Sie da schreiben? "
Nicht glauben. Wissen, freebird, wissen. Glauben ist was für Bürgerliche Realitätsverweigerer und Neoliberale Extremisten.
Grüssen sie bitte Ihren Freund Karl-Michael Merkle von mir :-)
Ihnen beiden kann ich nur zustimmen - hier geht es rein um die Wut über die Perspektivelosigkeit.
Dann muss man sich auch vorstellen, was diese Menschen empfinden, wenn sie ständig den Pomp der Royals miterleben - man denke nur an die Hochzeit von William, einen Teil der Kosten wurde auch vom Steuerzahler getragen. Und auch wenn manche Menschen vielleicht in eine Traumwelt versetzt werden, wenn sie alle diese Leute in teuren Designer-Klamotten sehen und das ganze Umfeld - aus Träumen wacht man auf, insbes. wenn der Magen knurrt und man nicht weiß, wie man die nächste Miete zahlen soll.
Es mal Sozialschmarzotzer geben, aber sie sind in der Minderheit, es gibt enorm viele Menschen, die unschuldig in Armut geraten sind und nicht mehr wissen, wie sie da heraus kommen sollen. Oder aber gerade auch Jugendliche, deren Eltern kein Geld haben, damit sie eine entsprechende Ausbildung würden machen können.
Das ist sozialer Sprengstoff!
Jetzt klingt Ihr Kommentar nach den Argumenten, die man in nichtrechtsstaatlichen Strukturen zu Hauf hören kann.
Ich verlange jedoch, dass ich in einem freien Land leben kann, ob ich das Recht dazu habe oder nicht. Dies ist auch der Grund, warum ich hier kommentiere.
Ich könnte Ihren Kommentar wenigstens verstehen, wenn die „Randalierer“ in London mit den Aufrufen agieren würden, dass diese das Recht haben um zu Plündern. Es wird jedoch eher so sein, dass diese mich als Plünderer beschimpfen würden, wenn ich einem von denen sein Handy „klauen“ würde, da ich selber keines besitze :)
Da die „Plünderer“ in London nicht mit der Forderung auftreten, dass diese das Recht haben zu plündern, so verstehe ich Ihren Kommentar nicht. In meinen wird keinesfalls darauf hingewiesen, dass es ein „Recht“ auf Plünderung gibt.
Im Internet läuft in England eine Petition, um den Straftätern die Sozialhilfe zu entziehen. Offenbar wollen die Bürger damit verhindern, dass die des Landfriedensbruchs beschuldigten sich Smartphones und Laptops kaufen können, um den Flashmob zu machen.
"1200 Randalierer festgenommen." Und jeder ist nun registriert mit Fingerprint´s und URL, resp. phone-nr. Auch wenn es zu keinem Urteil kommt.
Paging