Ein Fernsehauftritt als Befreiungsschlag, Dokumente im Internet als Beleg für Transparenz und Alltagstermine, um in die Routine zurückzufinden: Wulff glaubt, auf diese Art die Affären bewältigen zu können. In einem Jahr, soll er gesagt haben, sei alles vergessen. Doch damit Ruhe einkehrt, müssten alle Fragen beantwortet sein.
Welche Fragen um die Finanzierung der Immobilie der Familie Wulff im niedersächsischen Burgwedel sind offen?
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Ehepaar Wulff: Der Präsidenten glaubt anscheinend, die Affären bewältigen zu können (© dapd)
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Geht es nach den niedersächsischen Grünen, sind es noch genau 50. So viele der insgesamt 100 Fragen, die die Grünen im Landtag von Hannover zur freundlichen Beantwortung der Landesregierung aus CDU und FDP überlassen haben, befassen sich direkt oder indirekt mit der verworrenen Immobilienfinanzierung. Wulffs Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, David McAllister (CDU), soll nun auslöffeln, was ihm Vorgänger Wulff eingebrockt hat. Die Grünen wollen zur Anbahnung des 500 000-Euro-Darlehens des Unternehmerpaares Egon und Edith Geerkens zum Beispiel wissen, inwieweit beim Transfer des Geldes geprüft wurde, ob Geldwäsche ausgeschlossen werden könne, oder welche Personen bei der BW-Bank später den Privat- in einen Hypothekenkredit umgewandelt haben. Laut Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel schaue man "in ungeahnte Abgründe".
Im Prinzip haben sich vor allem die Medien die meisten Einzelheiten in der Eigenheim-Finanzierung des Bundespräsidenten schon zusammengesucht. Die Gefahr für Christian Wulff liegt aber in der Wiederholung der Vorwürfe: Da es eine detaillierte, allumfassende Aufklärung des Vorgangs seitens des Bundespräsidenten noch immer nicht gibt, wirken längst bekannte Fakten - ein bisschen aufgepeppt - immer wieder wie ein neuer Skandal. So machte am Wochenende die Behauptung wiederum der niedersächsischen Grünen Schlagzeilen, Wulff habe den Hauskredit mehr zu verschleiern versucht, als bisher bekannt. Tatsächlich sind die dazugehörigen Fakten, nämlich dass der Bankscheck anonym ausgestellt wurde, das Ehepaar Geerkens nicht im Grundbuch eingetragen war und Wulff lediglich die Zinszahlungen, aber keine Tilgung nachgewiesen hat, seit 19. Dezember auf dem Markt: Da gewährte Wulffs Anwalt Einblick in den Kreditvertrag, nachzulesen unter anderem am 20. Dezember in der SZ ("Die Akte Wulff").
Das behaupten bisher nicht einmal seine größten Gegner. Auch ein Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz, der noch immer im Raum steht, wäre keine Verfehlung im Sinne des Strafgesetzbuches, jedoch politisch ein schwerer Makel. Den Gang vor den Staatsgerichtshof, der die Frage klären könnte, scheuen die Parteien in Niedersachsen, weil ein womöglich jahrelanges Verfahren drohen würde. Dass Wulff der Empfehlung von Thomas Oppermann, dem parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, folgt und sich selbst beim niedersächsischen Staatsgerichtshof anzeigt, ist unwahrscheinlich. Wulff behauptet, ganz sicher gegen kein Gesetz, auch nicht gegen das Ministergesetz, verstoßen zu haben. Da besteht für den Bundespräsidenten kein Klärungsbedarf.
Ist der Streit mit Springer beigelegt?
Nein. Bild hat selbst zwar den Inhalt des Anrufs bei Chefredakteur Kai Diekmann nicht gedruckt - die Abschrift der Nachricht ist aber zum Beispiel beim Spiegel gelandet, der daraus wortgetreu zitiert. Dem Magazin hat der Springer-Verlag auch bestätigt, dass es noch einen Anruf Wulffs auf Band gibt, bei Verlagschef Döpfner. Das Ansehen des Präsidenten liegt damit nicht unwesentlich in den Händen des Boulevards - der vergisst nicht so schnell, wie Wulff hoffen mag.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 09.01.2012/lala)
Na, dann nehmen wir doch mal das Beispiel Ulla Schmidt. Da wurde immer wieder betont, dass sie sich nichts strafrechtlich Relevantes vorzuwerfen hätte, ihr Verhalten aber eine moralische Verfehlung wäre.
Und das zu verachten und zu ächten forderten in einer sich wochenlang hinziehenden Hetzkampagne genau dieselben Leute , die gestern in der Causa zu Guttenberg und heute im Falle Wulff sofort ganz laut und immer wieder sich dafür einsetzen, man möge diese armen Männer doch endlich in Ruhe und das Ganze auf sich beruhen lassen.
Ich halte die B-Zeitung übrigens wirklich nicht für eine integre moralische Instanz und frage mich die ganze Zeit über schon, was es in Wirklichkeit war, das die Freundschaft zwischen Wulff und der Springerpresse derartig brutal beendete. Und hier stellt sich doch die Frage, wer im Hintergrund intervenierte. Wenn ich mir dann noch Merkels extrem verhaltene "Solidarität" mit dem BuPrä anschaue, so müsste ich wirklich besonders naiv sein, wenn ich glaubte, sie hätte mit der Demontage ihres via Präsidentenamt eigenhändig aus der Liste der Kanzlernachfolge- Aspiranten gestrichenen Konkurrenten so gar nichts zu tun... .
nein, ich meine, dass den von Ihnen Genannten tatsächlich was Vorwerfbares nachzuweisen war, während bislang beim BP nichts aber auch garnichts rechtlich Vorwerfbares vorliegt. (wenn man mal vom absolut naiven Krisenmanagment absieht)
Die sog. "Causa" Wulff ist eher abschreckend und keine Einladung, in diesem Gemeinwesen als ein Zoon politikon aktiv mitzuwirken. Wenn jetzt schon der Rücktritt deswegen nahegelegt wird, weil der mediale Trubel anzuhalten droht, geht es doch nicht mehr um persönliche Schuld oder tatsächliches Fehlverhalten.
Das ist eher ein Beweis dafür, dass man mit einem geschickten Medieneinsatz einer überschaubaren Gruppe von interessierten Journalisten und "Politikern" in einer Art und Weise manipulativ tätig werden kann, die eigentlich erschreckend ist.
Anderes Beispiel: Die aktuelle Aufregung um Hallervorden. Ohne die mediale Resonanz von einigen irren "Meinungsmachern" wäre diese Rollenbesetzung das geblieben, was es tatsächlich ist, nichts.
Anderes Beispiel: Der Hype um S 21. Derjenige, der sich diese Aktion, die zum Regierungswechsel in BaWü geführt hat, ausgedacht hat, ist klasse. Nur jetzt kommt die Ernüchterung, diejenigen, die im vergangenen Jahr mit Verve diese Chaostruppe in die Staatskanzlei gewählt haben, stellen fest, dass jenseits von S 21 nichts aber auch garnichts läuft im Ländle und dass wir anfangen, von der Substanz zu leben (eine Substanz, die eine nach Medienmeinung völlig unfähige CDU in 58 Jahren politisch zu verantworten hat).
Ich find`s im übrigen bemerkenswert, dass ausgerechnet Sie nach einem Zensor rufen....
"ein Wulff, über den täglich neue Schandtaten ans Tageslicht kommen"
klären Sie mich auf, welche sind das? Ich meine, Sie können ja die Polemik täglich 3 mal wiederholen, deswegen wird es auch nicht besser!
die von Wulffs Anwälten verfaßt wurde? Das scheint nicht der Fall gewesen zu sein, jedenfalls komme ich gerade auf keine einzige Frage, die ungeklärt ist. Abgesehen von jenen Nachfragen der Grünen/Linken, die die Geburtsstunde der Kreditentscheider der BW verlangen.
Vielleicht wäre es garnicht ungeschickt, den Pempel der Fragesteller zu veröffentlichen? Würde dann vielleicht zeigen, daß hier jedes Maß und jede Relation verloren gegangen ist auf dem Weg der Schuh-Kampagne..
schreibt: "@tante polly
Ach ne, auferstanden aus Ruinen? "
Haben Sie sich selbst gemeint oder ist das auch wieder so ein Wahrnehmungsproblem?
Und noch einmal: Sie meinen im Ernst, dass die von mir Genannten ganz schlimme Finger sind, ein Wulff, über den täglich neue Schandtaten ans Tageslicht kommen, aber Generalamnestie erhalten sollte?
Geht es nicht noch ein bisschen parteiischer und ungerechter?
"Nee",schreibt man übrigens mit zwei e.
Vorschlag zur Güte:
Falls es nicht möglich sein sollte, das hier zu veröffentlichen, bitte ich darum, den despektieren Beitrag Veltliners vom 10.1.2012, 14.56 h, zu löschen.
Paging