Ungarn Orbáns Wüten

Der Premier drückt sich um seine Verantwortung.

Von Cathrin Kahlweit

Kurze Zusammenfassung der jüngsten Radioansprache von Viktor Orbán: Für Flüchtlingstrecks, Hungerstreiks, Aufruhr und Verzweiflung all derer, die derzeit in Ungarn gestrandet sind, ist praktisch jeder verantwortlich, nur nicht Ungarn. Europa ist schuld - wegen zu schwacher Grenzkontrollen. Deutschland ist schuld - wegen falscher Versprechen. Die Flüchtlinge sind schuld - sie halten sich nicht an ungarische Gesetze.

Nachsicht zeigt der Premier nur für rechte Hooligans, die vor einem Spiel zwischen Ungarn und Rumänien randalierten. Er hätte gehofft, so Orbán väterlich, dass sie mehr Verständnis zeigen würden angesichts der Lage, in der Ungarn wegen der Migranten ist. Zynisch? Nein, logisch. In der kruden Weltsicht Orbáns ist Ungarn das Opfer. Er versucht, das kleine Land wie eine Insel im Ozean der internationalen Krisen mit eigenen Regeln, eigenen Zäunen abzuschotten. Ungarn, das soll ein Volk, ein Glaube, eine Idee sein und bleiben.

Diese Politik ist ahistorisch, unchristlich, unmenschlich. Und unrealistisch ist sie auch. Was aussieht wie eine Strategie, mit der diese Abschottung gelingen soll, ist eigentlich nur eine Reihe von Verzweiflungsakten: neue Grenzzäune stoppen niemanden, verweigerte Hilfe führt zu Aufruhr. Und die stete Empörung über Brüssel und in Brüssel führt dazu, dass niemand mehr mit Orbán verhandeln mag. Er scheitert gerade an sich selbst und seiner Ideologie.