Umweltschutz Luft machen

Für den Luftschutz sollen Pendler in Stuttgart dazu gebracht werden, das Auto stehen zu lassen.

Die Stadt Stuttgart löst von diesem Montag an erstmals Feinstaubalarm aus und will damit den Autoverkehr eindämmen. Vor allem Pendler sollen in der staugeplagten Landeshauptstadt freiwillig auf Autofahrten verzichten. Als erste deutsche Großstadt setzt Stuttgart dafür auf den Feinstaubalarm - nirgends sonst gilt die Luft als so stark belastet.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) appellierte am Samstag an die Bürger: "Lassen Sie Ihr Auto an den Alarmtagen möglichst stehen." Die Stadt stützt sich beim Feinstaubalarm auf Berechnungen und Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Nach einer Einschätzung des DWD könnte der erste Feinstaubalarm eine ganze Woche dauern. Das Neckartor in Stuttgart gilt als der am meisten durch Feinstaub belastete Ort Deutschlands. Der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde 2014 so häufig wie nirgendwo sonst überschritten. Nach Angaben des Verkehrsministeriums fahren an dem Verkehrsknotenpunkt täglich etwa 71 300 Fahrzeuge vorbei. Wenn die Stadt Feinstaubalarm ausruft, wird die Bevölkerung auf Hinweistafeln an Straßen, auf Brückenbannern und über Verkehrsmeldungen im Radio informiert. Bürger sollen dann auch zusätzliche Holzöfen nicht anfeuern.

Konsequenzen hat eine Missachtung des Alarms nicht. Sollte der freiwillige Autoverzicht nicht dazu führen, die Feinstaubbelastung auf die erlaubten Grenzwerte zu reduzieren, könnte es von 2018 an verbindliche Vorgaben für Autofahrer geben. Die Stadt prüft zwei Alternativen. Zum einen könnte dann die Einfahrt nur noch für Fahrzeuge erlaubt sein, in denen mindestens zwei Personen sitzen oder die durch eine (bisher noch nicht eingeführte) blaue Plakette als besonders emissionsfrei gekennzeichnet sind. Zum anderen könnte der Verkehr per Zufallsprinzip reduziert werden, indem zum Beispiel nur noch Autos mit gerader oder mit ungerader Zahl im Kennzeichen in die Stadt fahren dürfen. Elektro-Fahrzeuge wären davon ausgenommen.

Schadstoffe Für die Schadstoffbelastung der Luft sind Feinstaub und Stickstoffdioxid relevant. Stickstoffdioxid entsteht bei Verbrennungsprozessen - etwa im Straßenverkehr, durch Kaminöfen oder in der Industrie. Hauptquelle ist der Straßenverkehr. Als Feinstaub werden winzige Partikel bezeichnet, die eine gewisse Zeit in der Luft schweben. Die Teilchen kommen in Dieselruß, Reifenabrieb oder in Abgasen von Industrie- und Heizungsanlagen vor. dpa

Stadt und Land ringen seit Langem um Lösungen für eine bessere Luftqualität. Die Deutsche Umwelthilfe forderte verbindliche Maßnahmen, etwa Fahrverbote anhand der Endzahlen auf den Autokennzeichen - wie es sie schon in Paris gab - oder die "Aussperrung schmutziger Dieselfahrzeuge". Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisierte den Feinstaubalarm als untaugliches Instrument, eine Bürgerinitiative sprach von einem "absurden Schauspiel".