Umwelt-Beirat der Bundesregierung "Große Transformation" zu groß

Allerdings dürfte es auch um die politische Ausrichtung des Beirates gehen; sie war Röslers Strategen schon lange suspekt. In seinem letzten großen Gutachten war das neunköpfige, interdisziplinäre Gremium 2011 für eine "große Transformation" eingetreten - hin zu einer Welt jenseits fossiler Energie. In früheren Arbeiten hatte es unter anderem vorgeschlagen, in der Klimapolitik mit festen Emissionsbudgets zu arbeiten.

Seinerzeit kam das der indischen Regierung entgegen, nicht aber den Industriepolitikern im Rösler-Ressort. Der jüngste Bericht, in dem sich die Wissenschaftler mit dem Zustand der Weltmeere befassten, harrt seit Monaten seiner Veröffentlichung: Termine im März und im April verstrichen, nun soll der Bericht im Juni vorgelegt werden. Aber von wem?

Schellnhuber selbst wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. Bei seinen Kollegen im Beirat aber ist das Entsetzen groß. "Er bringt eine unschätzbare Erfahrung mit", sagt der Essener Kulturwissenschaftler Claus Leggewie. "Schellnhuber treibt Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen zu Erkenntnissen." Und auch aus dem Bundesumweltministerium erfahren die Forscher Schellnhuber und Schneidewind Rückendeckung. "Auf unsere Vorschläge", sagte ein Sprecher, "werden wir nicht verzichten."