Neues Stadtviertel, mehr Grünfläche, schöneres Stadtbild, Anbindung an den Flughafen, schnellere Züge und alles demokratisch legitimiert.
Kaum ein Projekt erregt die Stuttgarter derzeit so sehr wie der Neubau ihres Hauptbahnhofs, dessen Nordflügel seit Mittwochmittag abgerissen wird. Am Abend versuchten Hunderte Gegner, die Bauarbeiten zu stoppen. Doch was spricht nun tatsächlich gegen "Stuttgart 21"? Und welche Gründe gibt es für das Projekt? Wie bei jedem Urteil, so muss auch eine Entscheidung in dieser Sache alle Argumente würdigen und gewichten. Hier die Argumente pro "Stuttgart 21".
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Aus dem begehbaren Dach wölben sich gläserne Lichtaugen nach oben, durch die Tageslicht nach unten dringt: Modell der künftigen Bahnhofshalle. (© dpa)
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Neues Stadtviertel, mehr Grünfläche, besseres Stadtbild
Eine Brache aus Stahl teilt Stuttgart heute in zwei Hälften. Die gewaltigen Gleisanlagen des Hauptbahnhofs liegen mitten in der Innenstadt, sie schlagen eine Schneise durch die City und schneiden Norden und Osten der Stadt voneinander ab. Das Projekt "Stuttgart 21" wird diese Teilung aufheben und damit das Stadtbild stark verändern: Sämtliche Gleise verschwinden unter der Erde, und der Abstellbahnhof am Rosensteinpark wird nach Untertürkheim verlegt.
So werden im Stadtzentrum etwa hundert Hektar frei - Land, das für die Entwicklung der Stadt in dem engen Talkessel dringend gebraucht wird. Rosensteinviertel soll der neue Stadtteil heißen, der auf den ehemaligen Schienensträngen entstehen soll. Wenn der neue, unterirdische Hauptbahnhof fertig ist, sollen in dem Viertel 11.000 Wohnungen und 20.000 Arbeitsplätze entstehen. Während andere Städte nur mehr an ihrer Peripherie zulegen können, könnte in Stuttgart ein neues Viertel in zentraler Lage wachsen. Zu dem Stadtteil sollen auch der Pragfriedhof sowie das bestehende Nordbahnhofviertel und der Rosensteinpark gehören. Seit dem Bau des Hauptbahnhofes vor etwa hundert Jahren musste der Park immer neuen Schienen, Straßen und Gebäuden weichen - nun soll er erstmals größer werden. Auf den 20 Hektar zusätzlichem Parkland sollen 2000 Bäume gepflanzt werden.
Auch dort, wo heute die Gleise der Bahnstrecke enden, ändert sich das Stadtbild. Zwar bleibt das historische Bahnhofsgebäude des Architekten Paul Bonatz aus dem Jahr 1928 bis auf seine Seitenflügel bestehen. Vor dem Bonatz-Bau entsteht jedoch direkt oberhalb des neuen Tiefbahnhofes ein neuer, begrünter Platz mit einer interessanten Architektur: Aus dem begehbaren Dach wölben sich kuppelartige, gläserne Lichtaugen nach oben, durch die Tageslicht in die daruntergelegene, zwölf Meter hohe Bahnsteig-Halle dringt. Das Konzept des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven sieht vor, dass der Tiefbahnhof ohne zusätzliche Heizung klimatisiert wird: Im Sommer kühlt das Erdreich den Bahnhof, im Winter isoliert es gegen die Kälte.
Aufgrund dieser Änderungen im Stadtbild bezeichnen die Befürworter von "Stuttgart 21" ihr Projekt als städtebauliche Chance für die Stadt.
Wer mit der Bahn von Stuttgart nach Ulm fahren will, muss über die Geislinger Steige. Dort gilt es, binnen fünfeinhalb Kilometern in engen Kurven 112 Meter Höhenunterschied zu überwinden. Das ist auch für moderne ICE-3-Züge eine Herausforderung, schneller als mit 80 Kilometer pro Stunde können auch sie nicht auf die Schwäbische Alb hinauffahren.
Daher brauchen die Schnellzüge auf der steilen Filstalstrecke für die 94 Kilometer zwischen Stuttgart und Ulm auch beinahe eine Stunde. 28 Minuten sollen es nur noch sein, wenn "Stuttgart 21" fertig ist. Dann gibt es von Wendlingen aus eine völlig neue Trasse entlang der Autobahn A8. Fast die Hälfte der 60 Kilometer langen Neubaustrecke verläuft dann in fünf Tunneln.
Ein neuer Tunnel soll auch den Hauptbahnhof mit dem Flughafen Stuttgart verbinden. Heute braucht die S-Bahn 27 Minuten, um den Flughafen auf der Filder-Hochebene oberhalb des Stuttgarter Talkessels zu erreichen. Künftig sollen ICE-Züge in acht Minuten oben sein. Von Ulm aus ist man dann in 25 Minuten am Stuttgarter Flughafen.
Umstritten war das Projekt bei sämtlichen Abstimmungen, egal ob im Gemeinderat, im Landtag oder im Bundestag. Doch schließlich haben alle Parlamente für "Stuttgart 21" gestimmt. Für die Befürworter reicht das aus, um das Projekt auch ohne einen Bürgerentscheid als "demokratisch legitimiert" zu bezeichnen.
Auch die rechtliche Prüfung des Projekts ist nach jahrelangen Verfahren zum Großteil abgeschlossen. In den Planfeststellungsverfahren wurden etwa zehntausend Eingaben bearbeitet, vor Gericht mehrere Klagen verhandelt - sie gingen alle für das Projekt positiv aus.
Nach Angaben der Deutschen Bahn würde zudem ein Ausstieg aus dem Projekt 1,4 Milliarden Euro kosten - das umfasst Planungskosten und bereits erteilte Aufträge an Baufirmen. Für 459 Millionen Euro hatte die Stadt im Jahr 2001 der Bahn die freiwerdenden Gleisflächen abgekauft - diesen Grundstückskauf rückgängig zu machen, wäre teuer. Zudem ist unklar, ob der Bund nach einem Stopp des Projekts ein Alternativprojekt erneut mit 1,2 Milliarden Euro unterstützen würde.
Um 13 Uhr lesen Sie auf sueddeutsche.de in einem Text der SZ-Redakteurin Dagmar Deckstein, welche Argumente gegen den Bau von Stuttgart 21 sprechen.
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(SZ vom 26.08.2010)
Ein neues Plus-Argument taucht auf:
Die Bahn rechnet mit zusätzlichen Fahrgästen, wenn der ICE im Keller hält.
Es wird dabei von MONATLICH 350 Millionen Pkw-Kilometern gerechnet, die durch die
Inbetriebnahme (in mehr als 10 Jahren erst) vermieden werden sollen.
Überschläglich gerechnet wären das zwischen 50.000 und 100.000 zusätzliche Fahrgäste TÄGLICH.
Ich glaube eher, dass unterirdische Bahnhöfe und Tunnelstrecken viele potentielle ICE-Fahrgäste vom Gebrauch abhalten werden. Die Bahn sollte einmal ermitteln lassen, wie hoch der Anteil der "Klaustrophoben" an der Bevölkerung ist.
Eine Logik-Frage:
Welche Bahnverbindung vom Bahnhof zum Flughafen ist besser:
Eine S-Bahn im 10-Minuten-Takt mit einer Fahrzeit von 20 Minuten
oder ein ICE im 30-Minuten-Takt mit Fahrzeit 10 Minuten.
Wenn ich den ICE gerade verpasse und 30 Minuten warte, dann brauche
ich 40 Minuten. Schaffe ich gerade noch die nächste S-Bahn, dann bin ich
in 20 Minuten dort. Im Ernstfall ermöglicht mir die S-Bahn meinen Flieger zu erreichen,
mit dem ICE gelingt mir das nicht.
Wundersames S21-Gegner-Argument Gipskeuper.
Wenn Gipskeuper so gefährlich ist, warum stehen dann noch Autotunnel in Stuttgart, die teilweise 50 Jahre alt sind, warum ist der untertunnelte S-Bahn-Bereich immer noch nicht eingestürzt, warum darf dann für ein Ausweichprojekt K21 ein 10 Kilometer langer Tunnel gebaut werden?
Zwei Argumente pro
1)
Sinngemäß: keine andere Stadt in Deutschland hat die Möglichkeit in der Innenstadtbereich zu wachsen
Nö - jede Stadt kann das! Man muss nur konsequent seine Denkmäler schleifen. Das Kronprinzpalais konnte man schon in den 1950-Jahren für eine schnike Autorampe loswerden, das alte Rathaus ist weg, nur beim neuen Schloß hat man zu lange gezögert. Jetzt kann man es den Denkmalschützern so richtig zeigen - nicht nur die Seitenflügel des Bahnhofs sind unter Denkmalschutz, die gesamte Bahnanlage ist Industriedenkmal und einzigartig in seinem Ablauf auf drei Ebenen.
Selbst dieTaliban vor Neid erblassen was sind schon die Buddha-Statuen von Bamiyan gegen 100 ha Denkmalvernichtung. Und Bau von wunderbaren Bürohäusern.
2)
K21 ist so teuer wie S21
K21 Kosten 1.6 Mrd € (2009)
S21 Kosten 2.6 Mrd € (2009)
abzüglich des Verkaufspreis der freiwerdenden Fläche kommt das auch auf ++ 0 heraus - für die Bahn, nicht für die Stuttgarter!
Und je mehr sich das Projekt verzögert desto besser rechnet sich S21 - für die Bahn.
Über 1 Jahr Verzögerung hat man schon beisammen. der Abriss der Seitenflügel ist Medienwirksam, kostet nichts, bringt aber immensen Zeitverlust.
Und Stuttgart zahlt solange Zinsen für wertloses Gelände (ein Privatmann dürfte ja auch nicht auf dem Denkmal rumbauen).
Dabei hat die Bahn hat konsequent K21 konsequent bösegerechnet und S21 schöngerechnet
Stichworte: Gleiserneuerung, Lärmschutzwände, Signal-Erneuerung kommen nur bei K21 vor - bei S21 wird die Gleisanlage ja nochmal am Ende gewechselt.
Bei K21 sind die Instandhaltungskosten der Gleisanlagen als Investition deklariert - die Bahn Investiert doch nichts mehr in die alten Anlagen.
Ein Nebeneffekt ist, dass sich die Fahrzeit nach München um 25 Minuten verlängert hat - das macht die Neubaustrecke doch gleich viel attraktiver!
Nur ganz kurz zum Anlesen; ich würde mich freuen, wenn es so zu etwas Versätndnis für die TuttgarterInnen kommen könnte...
Folgen von Stuttgart 21 - eine Auswahl:
~Vergewaltigung des Schlossgartens (Fällen von fast 300 jahrhundertealten Bäumen)~Gefahr des aufquellenden Gipskeupers unter dem Bahnhof und Teilen der Innenstadt durch Wassereintritte während der irrwitzigen Grabungen (die kompletten Analysen des Gesteins unter dem Bahnhof und der Innenstadt hat die Bahn bis heute nicht rausgerückt); die Folgen für den Teil der Stutgarter Innenstadt, der um den Bahnhof liegt, sind nicht absehbar
~ jahrelanger Lärm- und Staubbelastung durch den "Bau" (und auch hierzu gibt es Gutachten, die das Fortsetzen desselben eigentlich von vorn herien verbieten)
~ die mehr als realistische Gefahr der Verunreinigung der Mineralquellen
~ so irrwitzigen Notwendigkeiten wie die Umleitung des Nesenbachs (in die Tiefe, wohlgemerkt, und anschließend wieder aufwärts)
~der Abriss denkkmalgeschützter Gebäude (die für sehr viele StuttgarterInnen eine immense historische und emotionale Bedeutung haben)
~ vollkommener Unklarheit über die Durchführbarkeit der Bauten für die "Schnellstrecke" Ulm-Stuttgart (auch hier ist es der Gipskeuper)
~ die "neuentdeckten" Hohlräume unter dem Bahnhof, die laut Expertenmeinungen zu Kraterbildungen und dem Verschlucken ganzer Häuser führen können (was übrigens schon in dem bisher geheimgehaltenen Gutachten von 2003 festgestellt wurde)
Ich hoffe, es sit in Ordnung, dass ich diese Zusammenstellung großteils aus einem meiner Kommentare an anderer Stelle entnommen habe...hat so gut gepasst.
Das oben abgebildete begehbare Dach erinnert mich an das Dach des Olympiastadions in MUC...hat schon jetzt ein leichtes "Retro-Gschmäckle".Und hoffentlich sind die Probleme und Nachbesserungskosten geringer als beim Olympiastadionsdach.
Paging