Türkei Viele Tote bei Anschlag in Ankara

Mindestens 28 Menschen sterben bei Bombenattacke auf Militärkonvoi. Die Regierung spricht von einem Terrorakt.

Von Luisa Seeling

Bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in der türkischen Hauptstadt Ankara sind nach Angaben der Behörden mindestens 28 Menschen getötet worden. Zudem seien 61 Personen verletzt worden, gab das Gesundheitsministerium bekannt. Die Behörden gingen davon aus, dass die Explosion durch eine Autobombe verursacht wurde. Sie ereignete sich am frühen Mittwochabend während des Berufsverkehrs in dem Regierungsviertel Çankaya, nur 300 Meter vom Hauptquartier der Streitkräfte entfernt und in der Nähe des Parlaments sowie des Amtssitzes des Premierministers. Ziel seien mehrere Fahrzeuge gewesen, die Angehörige der Streitkräfte transportiert hätten, teilte das Militär mit. Wie viele der Toten Soldaten waren, gab es nicht bekannt. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Fahrzeuge gegen 18.30 Uhr Ortszeit an einer Ampel gehalten hätten.

Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu sagte seine Reise zu dem Flüchtlingsgipfel der EU in Brüssel ab, berichtete CNN Türk. Seine Abreise war eigentlich für Mittwochabend geplant. Stattdessen nahm er an einem Sicherheitstreffen mit Präsident Recep Tayyip Erdoğan und anderen Regierungsvertretern teil. Der Präsident erklärte, die Türkei sei entschlossen, von ihrem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen. Vize-Regierungschef Numan Kurtulmuş sprach von einem Angriff "auf unsere Nation". Die Regierung verhängte aus Gründen der "nationalen Sicherheit" eine Nachrichtensperre, über die sich viele Medien aber hinwegsetzten.

Kanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen der Toten und den Verletzten am Abend ihr Mitgefühl aus. "Dem türkischen Volk sage ich: Wir Deutsche teilen ihren Schmerz", erklärte die CDU-Chefin am Mittwochabend in Berlin.

Man stehe im Kampf gegen die Verantwortlichen an der Seite der Türkei. Zunächst bekannte sich niemand der Tat. Kurtulmuş sagte, die Regierung habe noch keine Hinweise darauf, wer für den Anschlag verantwortlich sei. In türkischen Sicherheitskreisen wird die militante kurdische Untergrundorganisation PKK oder die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag vermutet. Die Türkei war in den vergangenen Monaten immer wieder Ziel von Angriffen. Im Januar sprengte sich ein Selbstmordattentäter in Istanbul inmitten einer Touristengruppe in die Luft und riss elf Deutsche mit in den Tod. Im Oktober hatte es in Ankara einen Anschlag mit mehr als hundert Toten bei einer Friedensdemonstration gegeben. Die Türkei macht für beide Anschläge den IS verantwortlich. Dieser hat sich allerdings zu beiden nicht bekannt.

Seit dem Anschlag in Suruç im vergangenen Juli, bei dem mehr als 30 prokurdische Aktivisten starben, ist zudem der Kurdenkonflikt wieder voll entbrannt. Seit Dezember führt die Regierung in mehreren Städten des Südostens eine Großoffensive gegen die PKK, auf deren Konto zahlreiche Gewalt- und Terrorakte gegen die türkischen Sicherheitskräfte gehen. Erst am Mittwoch hatte das Militär seine Offensive gegen kurdische Milizen ausgeweitet, unter anderem auf die Stadt Idil in der Provinz Şırnak.