Luftangriffe Israel greift offenbar iranische Kräfte in Syrien an

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur veröffentlichte am Mittwoch ein Foto aus Kisweh. Damaskus beschuldigt Israel, für den Angriff verantwortlich zu sein.

(Foto: AP)
  • Am späten Dienstagabend wurden Ziele nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus aus der Luft angegriffen - dabei sollen 15 Menschen getötet worden sein.
  • Kurz zuvor hatten die israelischen Streitkräfte vor "ungewöhnlichen Aktivitäten iranischer Kräfte in Syrien" gewarnt.
  • Zusätzliche Luftabwehr-Batterien wurden im Norden Israels in Stellung gebracht.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Das Timing war bewusst gewählt: Fast zeitgleich zur Erklärung von US-Präsident Donald Trump, der den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran verkündete, wurden am späten Dienstagabend Ziele nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus aus der Luft angegriffen. Dabei wurden nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 15 Menschen getötet. Es soll sich dabei um Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden und schiitischer Gruppierungen, die Teheran nahe stehen, handeln. Unter den Getöteten sollen acht Iraner sein.

Dass die israelische Armee hinter den Luftschlägen steckt, kann angenommen werden. Kurz zuvor hatten die Streitkräfte vor "ungewöhnlichen Aktivitäten iranischer Kräfte in Syrien" gewarnt und Schutzmaßnahmen auf den von Israel besetzten Golanhöhen angeordnet. Aber wie bei den zwei Luftschlägen in Syrien im April, bei denen mehr als zwei Dutzend Iraner ums Leben gekommen sein sollen, gab es keinen offiziellen Kommentar dazu von der israelischen Armee.

Das Ziel soll ein Waffen- und Raketendepot in Kisweh gewesen sein, auf das iranische Kräfte und die libanesische Hisbollah Zugriff haben sollen. Videos, die in den sozialen Medien auftauchten, zeigen Explosionen und brennende Lkw. In Syrien werden häufig Lkw als Abschussrampen für Raketen genutzt.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana hatte zuvor Israel für den Angriff verantwortlich gemacht. Laut Sana soll die syrische Luftabwehr zwei israelische Raketen abgeschossen haben. Libanesische Medien berichteten, dass israelische Jets im südlichen Teil des Landes gesichtet worden seien.

Wie die BBC im November 2017 berichtete, soll Iran nach Einschätzung westlicher Geheimdienste in Kisweh eine permanente Militärbasis eingerichtet haben. Einen Monat nach dem Bericht wurde die Einrichtung bombardiert - mutmaßlich von der israelischen Luftwaffe.

Israelische Armee und Politiker warnen vor möglichen Angriffen Irans

Bevor der Angriff am späten Dienstagabend bekannt wurde, aktivierten die israelischen Streitkräfte Reservisten. Die Armee wurde in Alarmbereitschaft versetzt und zusätzliche Luftabwehr-Batterien im Norden des Landes in Stellung gebracht. Außerdem wurden die Raketenabwehrsysteme aufgestellt. Die Behörden im Norden des Landes wurden angewiesen, Luftschutzbunker zu öffnen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich auf mögliche Luftangriffe vorzubereiten und Sicherheitsanweisungen Folge zu leisten.

Seit Sonntag haben die israelische Armee und Politiker vor möglichen Angriffen Irans gewarnt und für diesen Fall "heftige Vergeltung" angekündigt. Das deutet darauf hin, dass Israel über den Zeitpunkt der Ankündigung von Trump vorab informiert war. Trump berief sich bei der Aufkündigung des Abkommens auch auf in der Vorwoche vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu vorgestellte Dokumente über ein "geheimes Atomarchiv" Irans. Netanjahu pries die Entscheidung Trumps als "historisch".

Dass Details über Vorbereitungen der Armee veröffentlicht werden, ist ungewöhnlich, das verhindert üblicherweise die Militärzensur. Durch die Freigabe der Informationen verfolgen israelische Militärs und Regierungsstellen das Ziel, sowohl die eigene Bevölkerung als auch Iran zu warnen.

Am Dienstagabend traf sich Verteidigungsminister Avigdor Liebermann mit der Armeeleitung im Militär-Hauptquartier in Tel Aviv, Generalstabschef Gadi Eisenkot sagte einen Besuch bei einer Sicherheitskonferenz ab. Die US-Botschaft verbot Regierungsangehörigen aufgrund von Sicherheitsbedenken einen Besuch auf den Golanhöhen.

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