Die Bahn setzt am Stuttgarter Bahnhof Bäume um - freiwillig. Trotzdem flammen die Proteste wieder auf, es kommt zu Rangeleien. Die S21-Gegner frohlocken: Können sie Ministerpräsident Mappus im Wahlkampf doch noch gefährlich werden?
Polizisten in gepanzerter Montur, verängstigte Mienen und Menschen, die sich aus Protest unter Baufahrzeuge legen - solche Bilder wollte die Bahn diesmal eigentlich verhindern. Deshalb ließ sie in der Nacht von Montag auf Dienstag Spezialgerät herbeischaffen, um am Nordeingang des Stuttgarter Bahnhofs 16 Bäume nicht zu fällen, sondern zu verpflanzen. Die Kosten für die aufwändige Aktion, bei der die Bäume samt Wurzelballen ausgegraben werden: 200.000 Euro.
Protest geht weiter
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Eine "freiwillige Zusatzleistung" sei das, darauf legten die Stuttgart-21-Sprecher Udo Andriof und Wolfgang Dietrich wert. Der Schlichterspruch von Heiner Geißler hatte der Bahn empfohlen, die uralten Bäume im Schlossgarten umzupflanzen - von jenen am Nordeingang war nicht die Rede. Dennoch wollte die Bahn ein Zeichen setzen.
"Überraschungsangriff der Polizei"
Die Anti-S21-Aktivisten ließen sich von der teuren Maßnahme jedoch nicht beeindrucken. "Alarm!" hieß es auf der Website der Parkschützer, die per SMS Zehntausende Unterstützer dazu aufriefen, die Arbeiten zu blockieren. Mit Erfolg: Etwa 1000 Demonstranten versammelten sich nach Angaben der Parkschützer gegen Mitternacht zu einer Sitzblockade. Die Polizei spricht von mehreren hundert Menschen, die sie zunächst demonstrieren ließ.
"Gegen 3:30 Uhr gab es dann einen Überraschungsangriff der Polizei", sagt Parkschützer-Sprecher Matthias von Herrmann im Gespräch mit sueddeutsche.de. Die Beamten hätten zum Teil "heftige Gewalt" angewendet: "Es gab Schläge ins Gesicht und in die Magengrube und ein Demonstrant wurde an einen Laternenpfahl geknallt." Schlagstöcke seien entgegen anderslautender Gerüchte aber nicht eingesetzt worden. Die Polizei sprach von Rangeleien und Handgreiflichkeiten. Es habe "aktiven Widerstand" gegen mehrere hundert Polizeibeamte gegeben.
Zwar sind sich Parkschützer Herrmann und die Polizei darüber einig, dass von einer Eskalation wie im September 2010 nicht die Rede sein könne. Dennoch war die Auseinandersetzung die heftigste seit langem. Die S21-Gegner weisen außerdem darauf hin, dass zur jüngsten Montagsdemonstration etwa 7500 Menschen gekommen seien. "Es war richtig voll. Die Lust am Protest ist ungebrochen", sagt Gangolf Stocker, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Seine Bewegung könne sich "nur noch selber ein Bein stellen".
Mappus' emotionale Zeichen
Das Aufflammen der Proteste kommt für viele Stuttgarter überraschend und für die schwarz-gelbe Regierung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die ersten Baumfällarbeiten hatten im Herbst 2010 zu jenen gewaltsamen Ausschreitungen im Schlossgarten geführt, die den CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus dazu bewogen, einen Vorschlag der Grünen aufzugreifen und Heiner Geißler zum Schlichter zu machen. Nach wochenlangen Verhandlungen mit der Bahn, der Regierung und den S21-Gegnern hatte Geißler empfohlen, S21 zu bauen - jedoch mit Änderungen.
Dazu gehörte auch, die uralten Bäume im Schlossgarten nicht zu fällen, sondern umzusetzen. Ferner soll die Bahn in einem Stresstest nachweisen, dass der neue Tiefbahnhof tatsächlich effizienter ist als der bisherige Kopfbahnhof. Das Unternehmen will den Test erst im Mai durchführen - wohl auch, um den S21-Gegnern im Wahlkampf nicht neue Munition zu liefern. Zudem begann die Bahn eine Informations- und Transparenz-Offensive, die Erfolg zu haben schien: Die Proteste konzentrierten sich auf einzelne Termine wie die Großdemo am 30. Januar, zu der nach Angaben der Veranstalter etwa 40.000 Menschen kamen- die Polizei sprach von 13.000 Teilnehmern.
Die Schlichtung schien den von Schlichter Heiner Geißler gewünschten Effekt zu haben - im Ländle stellte sich wieder weitgehend Ruhe ein. Den meisten Parteien war das Abflauen der Proteste sehr recht. Vorneweg der CDU mit Ministerpräsident Stefan Mappus, der sich zuletzt versöhnlich gezeigt und in Interviews betont hatte, Stuttgart 21 spiele im Wahlkampf "eine Rolle, aber nicht die entscheidende".
Die Regierung werde die "Hausaufgaben", die ihr Geißlers Schlichterspruch auferlegt habe, umsetzen. In Zukunft wolle er die Argumente der Gegner "ernst nehmen", sagte Mappus der Welt. "Wir wollen emotional das richtige Zeichen setzen, wollen den Dialog in einem Forum fortsetzen und zeigen, dass wir verstanden haben."
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Hoffentlich wird der joviale Landesvater Mappus bei den Wahlen in die Tonne gekloppt! Das wüsche ich ihm von Herzen. Nur jovial sein reicht nicht zum Regieren. Gut, daß sich die Stuttgart 21-Gegner wieder auf ihr Demonstationsrecht besinnen. Dieser unterirdische Bahnhof wird auf Dauer keine schnellere Zugverbindungen bringen, da die Bahn eh' nur mit Verspätung fährt. Und die Unterhaltung dieses "Glanzstückes" wird viel Geld kosten. Ganze Städte werden wegen solcher Projekte unterhöhlt und ich bin mir sicher, daß sich die Natur irgendwann dafür rächen wird! Es gab ja schon Riesenlöcher durch Erdrutsche in Deutschland. Das muß in Stuttgart nicht auch irgendwann passieren.
daß es Menschen in unserer Republik gibt, die Demokratie verstehen als das Recht, das auf ihrer Seite ist. Leider sind die Mehrheitsentscheidungen bisher tatsächlich gegen die Initiatoren der Proteste ergangen. Das stört aber dort niemanden, wenn es darum geht, seine eigenen Wünsche, und seien sie noch so komisch, immer wieder einzufordern. Ich würde verstehen, wenn ein hausbesitzer, der im Bereich der Bauarbeiten ist, um den Fortbestand oder Werterhalt seines Hauses besorgt ist. Aber hier haben wir einige Nostalgiker, die diesen Neoklassizistischen häßlichen Bau schönreden, nur um sich selbst zu profilieren. Sie sind zudem nicht imstande, ihre eigenen Entschlüsse einzuhalten: erst für die Berufung Geißlers als "Schlichter", dann - wenn dieser Spruch letztendlich kommt, sich an nichts mehr erinnern!
Ihr Problem ist also das man Tunnel irgendwann auch sanieren muß und deshalb wollen sie keine bauen? Ja das macht Sinn....
Schließlich ist es meines Wissens im Parlament abgesegnet worden. Ich bestreite gar nicht, dass es von Anfang an Protest dagegen gab, ist ja auch das gute Recht eines Bürgers.
Allerdings wurden seine Zeit offensichtlich nicht vongenügend Leuten die Partei gewählt, die sich offen gegen S 21 ausgesprochen hat.
Aber dennoch finde ich es erschütternd, dass eine Anzahl an Demonstranten sich als Mehrheit definieren, nachdem sich das Land zu richten hat. Selbst wenn es so wäre, leben wir immernoch in einer parlamentarischen Demokratie und nicht in einer direkten Demokratie. Insofern gilt es zukünftig, durch Wahlen den Wählerwillen zu erzwingen.
Ich für meinen Teil, kann auch mit einer Lösung an Stuttgart vorbei leben, ähnlich wie es in Frankfurt Hauptbahnhof und Frankfurt Fernbahnhof praktiziert wird, da ich nicht in Stuttgart lebe, sondern nur durchfahre. Aber ob das für den Stuttgarter dauerhaft die bessere Lösung ist, wage ich zu bezweifeln.
Da bleibt ein zum Provinzbahnhof degradierter, häßlicher Bau mit unzähligen häßlichen Gleisen, die die Stadt durchschneiden, es bleibt keine Gestaltungsmöglichkeiten für ein neues Stadtquartier in der absoluten Innenstadt mit mehr Bäumen, als es zuvor im Park gab! Welch Möglichkeiten...
Ein alter Preusse bleibt halt ein alter Preuse und will geistig ewig auf seine facon im vorvorletzten Jahrhundert verbleiben.
Und hat nicht die geringste Einsicht, weil er nicht am Ort war.
Im übrigen hat die Polizei als fest organisierte Institution bereits Vertreter, welche verantwortlich Auskunft geben könnten, z.B. Einsatzleiter, Präsident etc., während ein breit organisiertes Bündnis notgedrungen Sprecher aufstellen muß.
Aber Differenzierungen sind ja sowieso nur lästig.
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