Bisher dachte man, dass die ehemalige Regierungskoalition in Baden-Württemberg stets hinter dem Großprojekt Stuttgart 21 stand. Ein von den Grünen gefundener Aktenvermerk zeigt nun: Auch bei der CDU sorgte die Kostenrechnung der Bahn für Bedenken.
Die abgewählte schwarz-gelbe Landesregierung in Baden-Württemberg hatte nach Angaben des inzwischen grün geführten Verkehrsministeriums erhebliche Zweifel an den Kostenrechnungen der Bahn für Stuttgart 21. Intern seien die Kalkulationen des Konzerns immer wieder in Frage gestellt, in der Öffentlichkeit aber mitgetragen worden, kritisierte Ministerialdirektor Hartmut Bäumer am Donnerstag in Stuttgart.
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Der neue Verkehrsminister in Baden-Württemberg gräbt Zweifel der alten Regierung hervor: Auch die CDU hatte bisher öffentlch nie zugegebene Bedenken an dem Projekt Stuttgart 21. (© dapd)
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Bäumer vertrat Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der die Aktenbestände seines Hauses wochenlang von Juristen nach Material zu Stuttgart 21 hatte durchsuchen lassen.
Bäumer legte einen Vermerk vom 6.November 2009 vor, der offenbar aus dem damals von Ministerin Tanja Gönner (CDU) geleiteten Umwelt- und Verkehrsressort stammt. In dem sechsseitigen Papier ist von einer "Kostenexplosion" bei dem Bahnhofsprojekt die Rede, die die Bahn erklären müsse: "Ihre bisherigen Verlautbarungen, Stuttgart 21 sei das bestgeplante Projekt Deutschlands, hat sie selbst ad absurdum geführt."
"So einen Vertragspartner möchte ich nicht haben"
Bäumer sagte, die alte Landesregierung habe Ende 2009 die letzte Gelegenheit verstreichen lassen, aus dem Projekt auszusteigen, obwohl die eigenen Beamten auf Kostenrisiken und unzureichende Information durch die Bahn hingewiesen hätten. Den Vorwurf der "Täuschung" wollte Bäumer nicht erheben, sagte aber: "Es gab auch auf Seiten des Landes ein Interesse, die Kosten in einem Rahmen zu halten, der nach außen vertretbar ist." Über die Bahn sagte er: "Ich möchte so einen Vertragspartner nicht haben."
Bäumer sagte, er persönlich rechne bei Stuttgart 21 derzeit mit Kosten von 5 bis 5,2 Milliarden Euro, weil die Bahn die von ihr eingerechneten Einsparungen in Höhe von 900 Millionen Euro noch nicht nachgewiesen habe. Die vertraglich festgelegte Kostengrenze von 4,526 Milliarden Euro sei nach Auffassung seines Ministeriums bereits überschritten, sagte Bäumer: "Das Land ist nicht bereit, einen Betrag zu zahlen, der darüber hinaus geht."
Die Bahn müsse sich "des Risikos weiterer Auftragsvergaben bewusst werden". Der Projektsprecher von Stuttgart21, Wolfgang Dietrich, wies die Vorwürfe scharf zurück. Die Kalkulation der Bahn habe während der Schlichtung Ende 2010 der "Plausbilitätsprüfung" durch "drei unabhängige Wirtschaftsprüfer standgehalten". Vertreter der alten Landesregierung waren am Donnerstag zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
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(SZ vom 15.07.2011)
Stockender Kita-Ausbau
Es gibt immer noch das Kriterium der Wirtschaftlichkeit von Infrastrukturprojekten. Ohne wenigstens 1,0 darf nicht gebaut werden.
Bei politisch gewollten Projekten müssen die Baukosten klein gerechnet werden, um die Messzahl zu erreichen. Wird dann mit dem Bau begonnen, kommen die naturgesetzmäßigen Kostensteigerungen. So war es seither immer, bei jeder 30-Millionen-Brücke, die dann eben 45 Mill. kostete. Man kennt die Elbphilharmonie als abschreckendes Beispiel.
Möglichst viel Steuergeld weckt Begehrlichkeiten, vor allem in der Bau-/Beton-/Tunnelbohr- und Immobilienbranche. Das ist legitim. Es darf aber schon nach dem verkehrlichen Nutzen und den Kosten gefragt werden. Wenn es dann nur wolkige Antworten, Ausflüchte und glasklare Lügen von Seiten der Protagonisten gibt, stehen die Leute auf der Straße, unabhängig ihrer Parteizugehörigkeit. Man braucht kein Spinner zu sein, um diesen Mechanismus der klein angesetzten Projektkosten, den unweigerlichen Steigerungen und der Verschuldung von Kommunen, Ländern, Bund zu sehen. S 21 zeigt es examplarisch.
Jetzt kommt an die Öffentlichkeit, dass der Beamtenapparat der alten CDU-Regierung auch seine Zweifel mit den Zahlen der Bahn hatte. Machte aber nix, Mappus hätte den Geldbeutel geöffnet. Das geht jetzt nicht mehr, die neue Landesregierung zahlt laut Koalitionsvertrag nicht mehr als Grubes „Sollbruchstelle“ von 4,1 Mrd. plus 400 Mill. Risikozuschlag. Kann die Bahn für diese Summe bauen, obwohl die Risikoliste vom ehemaligen Bauleiter Azer noch gar nicht eingepreist ist? Nein. Gut so.
ist offensichtlich, daß gelogen und verheimlicht wurde. Das bringt alte Preussen so zum Schäumen, daß sie kaum noch etwas sehen können. Würde einer seiner Gegner vergangene Täuschungsversuche damit abtun wollen, daß man "keine rückwärtsgewandte Diskussion führen wolle", würde er sich kaum damit zufrieden geben. Hypokrisie pur.
als sein Haus nach Aktennotizen seiner Vorgänger zu durchsuchen?Hat er so wenige eigene Ideen, dass er die Schmierzettel der anderen auslutschen muss. Das Beste wäre es ja den ganzen Verkehr abzuschaffen. Vielleicht bis auf ein paar Fahrräder. Dann sollte man aber als erstes mit dem wirtschaftsminister anfangen. Den braucht dann auch keiner mehr.
Haben Sie irgend einen Beleg für diese Behauptung:
"Cleverle" Späth steht an der Spitze der Profiteure des Vorhabens"
Oder ist das auch nur eine polemische Stinkbombe?
Jetzt weiss man wenigstens, warum die neue GRÜNE-Regierung so wenig Messbares leistet. Wer "wochenlang" Bestandsdokumente nach ganz bestimmten Informationen flöhen lässt hat natürlich für nichts sachdienstliches Zeit. Das dann im Ergebnis dieser "wochenlangen" Suche genau EIN !!! Vermerk vorgelegt wird, ist eher nur peinlich. Dieser Vermerk stammt aus 2009 und belegt, dass die abgewählte Regierung nicht unkritisch mit dem Vertragspartner umgegangen ist. Das ganze Jahr 2010 wurde dann an der Kostenplanung gearbeitet und vertieft. Wenn das das Ergebnis des Nachfragens der alten Regierung war - was ist dann daran falsch?
Was Herr Bäumler vergisst zu erläutern, ist jedoch, wieso im Herbst 2009 "die letzte Gelegeheit" zum Ausstieg aus dem Projekt für die Regierung von BW gewesen wäre. Die neue Regierung kann Morgen aussteigen. Sie braucht nur den Vertrag kündigen, dann ist das Projekt am Montag tot. Warum tut Hermann das nicht?
Die GRÜNEN versuchen einen neuen Polemik-Scoop, der öffentlich Stimmung machen soll, aber der das Problem keinen Millimeter näher an eine Lösung bringt. Hermann haut nur auf die Polemik-Trommel, inhaltlich leistet er nix.
Hermann kann seinen Anhängern nichts bieten, auser neue Randalemunition. Da ist kein Ansatz sichtbar, ob und wie er aus dem Projekt aussteigen will. Es ist nur sichtbar, dass er die öffentliche Meinung anheizen will, und die SZ ist williger Sekundant. Das ist dann die neue Transparenz, dass versöhnende Element, von dem Kretschmann in seiner Amtseinführungsrede sprach!
Man hört nichts zum Volksentscheid. Aber wer "wochenlang" nach Argumente suchen lässt, warum die Vorgänger an allem Schuld sind, bereitet bereits das Eingeständnisses vor, dass man selbst nichts mehr ändern will und wird. Die GRÜNEN werden damit in der Sache S21 mehr und mehr zum Wahlbetrüger.
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