Strecke Wendlingen-Ulm Stuttgart 21: Behörde stoppt Bahnbau

Das Eisenbahn-Bundesamt hat die Baufreigabe für die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm verweigert. Muss Stuttgart 21 aus Kostengründen gestoppt werden?

Von Dagmar Deckstein und Daniela Kuhr

Möglicherweise wird das Bahnprojekt Stuttgart 21 doch teurer als die bisher von den Planern berechneten sieben Milliarden Euro - und muss aus Kostengründen gestoppt werden. Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums bestätigte, dass das Eisenbahn-Bundesamt die Baufreigabe für die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm verweigert habe. Es sei allerdings ein normaler Vorgang, wenn vor Baubeginn die Finanzierung noch einmal nachjustiert werden müsse.

Das Magazin Stern hatte ein zweiseitiges Schreiben des Eisenbahn-Bundesamts an die Bahn AG zitiert. Dem Brief vom 7.September zufolge bemängelt die Behörde, dass allein beim Bau von zwei Tunneln für die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm zusätzliche Kosten von 280 Millionen Euro entstehen würden.

Die Bahn als Bauherrin weist dies allerdings als "Spekulationen über unkontrollierte Kosten als falsch und nicht nachvollziehbar" zurück. Es werde zum wiederholten Mal der untaugliche Versuch unternommen, mit "unsachlichen und irreführenden Darstellungen" Stimmung gegen das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zu machen.

Wie ein Bahnsprecher weiter ausführte, hatte Bahnchef Rüdiger Grube erst Ende Juli 2010 auf Basis der Entwurfsplanung eine aktualisierte Kostenrechnung für Wendlingen-Ulm vorgestellt. In diese Entwurfsplanung seien exakte Daten über Mengen und Preise sowie Gewerke und geologische Verhältnisse eingeflossen, die eine präzise Berechnung der zu erwartenden Baukosten ermöglichten. Die beziffert die Bahn damals wie heute unverändert mit 2,89 Milliarden Euro. Weitere 4,1 Milliarden Euro soll die Tieferlegung des Stuttgarter Kopfbahnhofs kosten.

Unterdessen hält der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) einen Baustopp bei Stuttgart 21 für möglich, sollten die Mineralwasserquellen der Stadt bei den Tunnelarbeiten unterm Bahnhof Schaden nehmen.

"Wenn es eine konkrete Gefährdung geben könnte, würde die Stadt sofort Maßnahmen zur Beseitigung dieser Gefahren einfordern - notfalls mit vorläufigem Baustopp", sagte Schuster der Wochenzeitung Die Zeit. Dazu kann er sich einen Bürgerkonvent zum Bahnhofsprojekt als "neutrale Plattform" auf Dauer vorstellen. Für die Zeit nach der derzeit laufenden Schlichtung durch den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler wolle er den Dialog mit den Gegnern von Stuttgart 21 fortsetzen, sagte Schuster.

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