Studie des Familienministeriums Kinderbetreuung finanziert sich selbst

Mütter, deren Kinder einen Betreuungsplatz haben, arbeiten mehr und verdienen mehr Geld, als Frauen, die ihre Kinder selbst betreuen. So weit, so erwartbar. Interessanter ist, dass den Staat die Förderung von Kinderbetreuung kaum etwas kostet.

Die Frage, ob es gut für ein Kleinkind ist, eine Betreuungseinrichtung zu besuchen oder ob es zu Hause bei seiner Mutter besser aufgehoben ist, beantwortet jeder ganz nach seinem persönlichen Wertekanon. Das Münchner ifo-Institut hat sich dieser Frage nun aber rein wirtschaftlich genähert und fällt ein positives Urteil: "Öffentlich geförderte Kinderbetreuung wirkt sich positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die wirtschaftliche Stabilität von Familien aus", schreibt das Wirtschaftsforschungsinstitut.

Die Zahlen sind wenig überraschend: Mütter, die ihr Unter-Dreijähriges Kind in einer Kindertagesstätte oder von einer Tagesmutter betreuen lassen, haben eine um etwa 35 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein. Sie arbeiten im Schnitt etwa zwölf Stunden mehr und verdienen dadurch fast 700 Euro brutto mehr als Frauen, die ihr Kleinkind nicht extern betreuen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mütter mit betreuten Kleinkindern Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beantragen müssen, ist damit ebenfalls deutlich niedriger (um 7,7 Prozentpunkte).

Positive Effekte auf Realisierung von Kinderwünschen

Interessanter ist, dass sich dem ifo-Institut zufolge die Kosten einer staatlich geförderten Kinderbetreuung zu großen Teilen selbst finanzieren: So nehme der Staat durch die erhöhte Erwerbstätigkeit von Müttern mehr Geld in Form von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ein - und könne damit die direkten Kosten der Kinderbetreuungssubventionen "zu einem beträchtlichen Teil" decken.

"Die Selbstfinanzierungsquoten liegen zwischen 40 und 50 Prozent im Krippen- und Kindergartenbereich und zwischen 65 und 100 Prozent im Bereich der Betreuung in Ganztagesschulen", teilt Helmut Rainer, Leiter des Bereichs Sozialpolitik und Arbeitsmärkte beim ifo-Institut, mit.

Zudem wirkt sich das Angebot öffentlicher Kinderbetreuung der Studie zufolge positiv auf die Realisierung von Kinderwünschen aus. Sprich, mehr Betreuungsangebote führen zu mehr Geburten. Der Ausbau der Betreuungsquoten um zehn Prozentpunkte führt demnach zu einem prozentualen Anstieg der Fertilität von etwa 2,4 Prozent im Folgejahr und von etwa 3,5 Prozent zwei Jahre später.