Streit in katholischer Kirche Pius-Brüder sehen sich als Medienopfer

Kein Kommentar mehr: In der Diskussion seit der Holocaust-Leugnung von Bischof Williamson fühlen sich die deutschen Pius-Brüder falsch dargestellt - und wollen deshalb nun schweigen. Zuvor hatte ein neues Interview für Aufregung gesorgt.

Die Williamson-Debatte findet kein Ende. Während der Vatikan weiter in Erklärungsnot ist, verordnet sich der deutsche Distrikt der Pius-Bruderschaft nach neuesten Äußerungen nun Schweigen.

"Trotzdem wir uns in den letzten Tagen mit aller Deutlichkeit von den Aussagen von Bischof Williamson zum Holocaust distanziert haben, sind wir weiterhin Ziel bösartiger Angriffe vonseiten der Massenmedien" heißt es in einer am Vormittag auf der Internetseite der Bruderschaft veröffentlichten Erklärung. "Unsere Worte werden verdreht und bewusst falsch ausgelegt. Deshalb sind wir bis auf weiteres zu keiner Stellungnahme mehr bereit", heißt es weiter. Die Erklärung schließt mit dem Satz: "Wir dienen unserem Herrn Jesus Christus, der fleischgewordenen Wahrheit, nicht dem Vater der Lüge." Unterzeichner ist der Distriktobere Pater Franz Schmidberger.

Vor der Erklärung hatte Schmidberger erneut durch ein Interview Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Darin distanzierte er sich zwar von den Äußerungen Williamsons, zeigte sich aber ansonsten unnachgiebig. Trotz seiner Leugnung des Holocausts könne Williamson Glaubensbruder bleiben, sagte Schmidberger im Südwestrundfunk: "Solange er die katholischen Dogmen anerkennt, ja natürlich."

Die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe durch Papst Benedikt XVI. sei folgerichtig. "Es ist dringend notwendig, denn der Glaube ist sehr, sehr verwässert und wir leben in einer neuheidnischen Gesellschaft", zitiert der Sender den Pater.

Provokation, dann "Bedauern"

Für neuen Protest hatte Schmidberger gesorgt, indem er den islamischen Propheten Mohammed mit einem Kinderschänder verglich. Mohammed habe "mit einem Mädchen geschlechtlichen Umgang gepflegt, mit acht oder neun Jahren", sagte Schmidberger. "Das bezeichnet man nach der heutigen Terminologie tatsächlich als Kinderschänder", wird er zitiert. Er wolle sich aber "darauf nicht festlegen, ich habe das nicht speziell studiert".

Am Freitagvormittag teilte die Bruderschaft dann in Stuttgart mit, Schmidberger nehme den Ausdruck "Kinderschänder" mit großem Bedauern zurück, da dieser geeignet sei, Muslime in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen.

Die Bruderschaft betonte, Schmidbergers Aussage stütze sich "auf höchste islamische Autorität, auf die Hadithen des Al-Buchari, außerkoranisch überlieferte Worten des Propheten, in dem die Ehe Mohammeds mit einem Mädchen namens Aischa beschrieben wird, die neun Jahre alt war, als Mohammed die Ehe mit ihr vollzog". Der anschließende Satz Schmidbergers beziehe sich auf die Tatsache, "dass dieses Vorgehen nach heutigen Rechtsmaßstäben unmöglich wäre".

Merkel "versteht das nicht"

Einmischung in den Konflikt um die Wiederaufnahme der umstrittenen Bischöfe in die Kirche verbat sich Schmidberger im Interview. Über Kanzlerin Angela Merkel, die am Dienstag Kritik an den Entscheidungen des Papstes geäußert hatte, sagte Schmidberger, sie "versteht das nicht" und fügte an: "Sie ist ja auch nicht katholisch, und eigentlich ist das nicht ihre Angelegenheit, sich in die inneren Angelegenheiten der Kirche einzumischen".

Schmidberger wandte sich zudem gegen den Dialog mit dem Judentum. Eine öffentliche Reaktion Williamsons auf das Interview lag zunächst nicht vor.

Offenbar neue Bischofsweihen geplant

Das Bistum Rottenburg-Stuttgart warf der Bruderschaft inzwischen Volksverhetzung vor. "Meinungsfreiheit ist keine Legitimation dafür, den Glauben und die Gefühle anderer Menschen zu verhöhnen", sagte der Sprecher der Diözese, Thomas Broch, in Reaktion auf das Interview mit Schmidberger dem SWR.

Der Bistumssprecher beschuldigte die Bruderschaft, "fundamentalistisch, antisemitisch und faschistisch" zu sein. Solange die Bruderschaft solchen "Gedanken-Müll" vertrete, sehe er keine gemeinsame Ebene in der katholischen Kirche. Den Schaden, den die katholische Kirche durch die derzeitige Diskussion genommen habe, nannte Broch "enorm".

Nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers ist die Pius-Bruderschaft weiter auf Konfrontationskurs. Für Ende Juni seien bereits die nächsten Priesterweihen angesetzt, obwohl solche Weihen den vier abtrünnigen Bischöfen der Bruderschaft verboten seien, berichtete die Zeitung.

Der Trierer Kirchenrechtler Peter Krämer wertete dies als einen Akt des "bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes". Es sei ein Zeichen dafür, dass die Bischöfe der Bruderschaft nicht gewillt seien, sich der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen.