Scott Pruitt Neuer US-Umweltchef: Mensch und CO₂ an Erderwärmung unschuldig

Scott Pruitt, Chef der Environmental Protection Agency (EPA).

(Foto: dpa)
  • Der neue EPA-Chef Scott Pruitt zweifelt daran, dass der Kohlendioxid-Ausstoß am Klimawandel schuld ist.
  • Der ehemalige Justizminister von Oklahoma gilt als enger Vertrauter der Öl- und Gasindustrie.
  • Das Klimaabkommen von Paris bezeichnet er wie US-Präsident Trump als "schlechten Deal".

Der neue Chef der US-Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, bezweifelt, dass die Kohlendioxid-Emissionen ein wesentlicher Faktor bei der globalen Klima-Erwärmung sind. Der Einfluss menschlicher Aktivitäten auf das Klima sei sehr schwer zu messen, und es gebe "enorme Meinungsunterschiede" über das Ausmaß ihrer Auswirkungen, sagte er dem US-Fernsehsender CNBC.

Deswegen pflichte er nicht der Position bei, dass der Einfluss menschlicher Aktivitäten ein "primärer Faktor" bei der Klima-Erwärmung sei. Diese Frage müsse vielmehr weiter diskutiert und analysiert werden, sagte der von Präsident Donald Trump nominierte EPA-Chef, der der Öl- und Gasindustrie nahesteht.

Mit seinen Aussagen zum Klimawandel stellt sich der Direktor der mächtigen US-Umweltbehörde gegen den fast einhelligen Konsens von Wissenschaftlern aus aller Welt. Demnach ist der Ausstoß von Kohlendioxid und anderen sogenannten Treibhausgasen aus Industrie, Kraftwerken, Landwirtschaft und Verkehr die wesentliche Ursache der Erderwärmung.

Die Rolle von CO₂ bei der Erderwärmung anzuzweifeln und auf fehlende Untersuchungen hinzuweisen, gehört zu jenen Standard-Positionen, die auch von Managern der amerikanischen Öl-Branche immer wieder vertreten werden.

In seinen Klagen unterstützte Pruitt in der Regel die Positionen der Branche

Pruitt ist ein enger Verbündeter der Öl- und Gasindustrie: Von 2002 bis zu seiner Berufung zum EPA-Chef erhielt er von dort direkte Wahlkampfspenden in Höhe von insgesamt 300 000 Dollar und pflegte intensive Kontakte. Er hatte bereits als Justizminister des Bundesstaates Oklahoma mehrmals gegen die Auflagen der Umweltbehörde geklagt, die er nach dem Wahlsieg von Präsident Donald Trump jetzt leitet.

In seinen Klagen unterstützte Pruitt in der Regel die Positionen der Branche. So klagte er gegen den Erlass der EPA, Kohlekraftwerke im Südwesten Oklahomas wegen des starken Smogs mit neuen Filtersystemen auszustatten. Er sprach sich in seiner früheren Funktion auch gegen eine Untersuchung der Vorwürfe gegen ExxonMobil aus, bereits früh über die Folgen des Klimawandels Bescheid gewusst und diese Informationen unterdrückt zu haben.

Pruitt ist der Auffassung, dass die EPA nicht das Recht hat, die CO₂-Emissionen zu regulieren und hatte gegen die Klima-Erlasse der Obama-Regierung geklagt. Für eine Regulierung bedürfe es einer Entscheidung des Kongresses, nicht nur eines Dekrets, so das Argument. Der Rechtsstreit ist noch nicht entschieden. Im Gespräch mit CNBC äußerte sich der neue EPA-Chef nicht dazu, wie seine Behörde damit umgehen wird.

Trump hat im Wahlkampf das 2015 in Paris von fast 200 Ländern geschlossene Klimaschutzabkommen als "schlechten Vertrag" bezeichnet und den Ausstieg der USA angekündigt. Pruitt übernahm im TV-Interview diese Wortwahl, sagte allerdings nichts zu einer möglichen Aufkündigung.

Trumps Umweltbeauftragter "kuschelte" mit der Ölindustrie

Gemeinsame Meetings, Telefonate, Abendessen: Scott Pruitt pflegte als Justizminister in Oklahoma enge Kontakte zu Öl- und Gasfirmen. Briefe seiner Behörde gingen zur Überarbeitung an die Industrie. Von Johanna Bruckner mehr...