Sachsen Flüchtlingsbus belagert

Ein Mob blockiert die Ankunft im osterzgebirgischen Rechenberg-Bienenmühle und skandiert "Wir sind das Volk". Dies zeigt ein Video. Der Innenminister ist entsetzt. Die Polizei greift hart zu - im Bus. Auch das wirft Fragen auf.

Von Christoph Meyer und Deniz Aykanat

Eine Blockade fremdenfeindlicher Demonstranten vor einer sächsischen Flüchtlingsunterkunft hat erneut entsetzte Reaktionen ausgelöst. Eine Gruppe von etwa hundert Demonstranten hatte am Donnerstagabend eine Gruppe von Flüchtlingen im sächsischen Rechenberg-Bienenmühle in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings warf auch der anschließende Polizeieinsatz zahlreiche Fragen auf.

Die Menschen blockierten die Zufahrt zu dem Flüchtlingsheim im Ortsteil Clausnitz und schüchterten die Menschen mit "Wir sind das Volk"-Sprechchören ein. Dies zeigt eine vielfach geteilte Videosequenz. Erst nach etwa eineinhalb Stunden gaben die Blockierer die Zufahrt für den Flüchtlingsbus frei. Die Polizei war mit etwa 30 Mann im Einsatz. Eine andere Videosequenz taucht deren Vorgehen allerdings ins Zwielicht. Zu sehen ist, wie Polizisten Menschen offensichtlich mit Zwang aus dem Bus holen und in ein Haus bringen, während die pöbelnde Menge unbehelligt zu bleiben scheint. Ein Beamter der Bundespolizei setzt dazu bei einem wohl halbwüchsigen Jungen einen Klammergriff ein, während draußen die Menge johlt. Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte das Verhalten der Blockierer scharf, ging aber auch auf die Polizeiaktion ein: "Ich habe mir das Video angesehen. Die Bilder sprechen ihre Sprache." Das Ministerium werde den Einsatz der Polizeidirektion Chemnitz umgehend auswerten: "Erst dann können wir Konsequenzen ziehen." Die Polizei gab vorerst keine Stellungnahme ab.

Der Bürgermeister des Ortsteils, Michael Funke, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Da war schon eine aufgeheizte Stimmung." Dabei habe nur ein kleiner Teil der Umstehenden "gestört". Er vermutet, dass der größte Teil der Unruhestifter von auswärts angereist sei.