Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann Panzer und Genossen

Fragwürdiges Geschäft: Der Leopard 2, hier bei einer Testfahrt, kostet Griechenland viel Geld.

(Foto: dpa)

Ein milliardenschwerer Auftrag aus Griechenland bringt Krauss-Maffei Wegmann in Erklärungsnot. Der Rüstungskonzern hat zur selben Zeit heimlich ein Millionenhonorar an zwei SPD-Politiker gezahlt. Einer von ihnen fürchtet nun, dass es ihm ergehen könne wie Ex-Bundespräsident Wulff.

Von Klaus Ott und Tasos Telloglou

Griechenland sei wirtschaftlich angeschlagen, leide unter einer "horrenden Schuldenlast", einer aufgeblähten Verwaltung, einem ineffektiven Staatsapparat und Affären. Kurzum: das Land gehe schweren Zeiten entgegen. Was wie eine Beschreibung der vergangenen vier Jahre klingt, das hat die SPD-Politikerin Dagmar Luuk aus Berlin bereits im November 1989 aufgeschrieben und im Pressedienst ihrer Partei veröffentlicht. Die Sozialdemokratin war damals Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Parlamentarier-Gruppe im Bundestag, sie kannte sich sehr gut aus in Athen und pflegte beste Kontakte dorthin. Insbesondere zur Linkspartei Pasok. Diese Verbindungen sind noch lange geblieben, auch nach ihrer Zeit als Abgeordnete.

Früher hat Luuk, 74, viele Aufsätze über Hellas veröffentlicht. Jetzt, da es viel zu erzählen gäbe über merkwürdige Vorgänge rund um deutsche Panzer-Deals in Athen, mag die SPD-Frau nichts mehr sagen. Die Ex-Abgeordnete hat zusammen mit dem früheren Parlamentskollegen und Parteifreund Heinz-Alfred Steiner aus Nordrhein-Westfalen vom Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mehr als fünf Millionen Euro Honorar kassiert. Zu einer Zeit, als KMW zwei dicke Panzer-Aufträge aus Griechenland im Wert von fast zwei Milliarden Euro erhielt. Fragen dazu sind zwecklos. Der Anwalt der langjährigen SPD-Politikern bittet um Verständnis, dass man "keine Erklärungen abgegeben werden". Steiner äußert sich ebenfalls nicht, der Konzern auch nicht.

Der 1999 durch die Fusion der Wehrtechnik-Sparte von Krauss-Maffei in München mit dem Kasseler Unternehmen Wegmann entstandene Rüstungsbetrieb ist weltweit einer der größten Panzer-Hersteller. Der Leopard 1 und 2, der Gepard und andere Waffensysteme wie die Panzerhaubitze PzH 2000 sind gut verkauft worden. Doch die besten Zeiten sind lange vorbei. Die Bundeswehr nimmt weit weniger ab als früher, und die internationale Konkurrenz ist groß. Hat KMW deshalb Schmiergeld zahlen lassen und dabei auch Luuks Kontakte genutzt, um sich vor etwa einem Jahrzehnt die beiden so enorm wichtigen Großaufträge aus Griechenland zu sichern? Diesen Verdacht erwecken Ergebnisse einer internen Untersuchung bei KMW. Ein Verdacht ist allerdings noch kein Beweis.

Zusammenarbeit mit KMW seit 1997

Die von dem Konzern eingeschaltete Wirtschaftsprüfgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) hat anhand von Konzernunterlagen rekonstruiert, wie Luuk und Steiner über eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts namens Büro für Südosteuropaberatung (BfS) ins Geschäft kamen und was sie wann kassierten. Das BfS ist offenbar in keinem Firmenregister verzeichnet. Angefangen hat die Zusammenarbeit mit drei Verträgen vom Dezember 1997 sowie Januar und März 1998, die das BfS von einem der beiden KMW-Vorgängerunternehmen erhielt.

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In diesen Jahren begann Krauss-Maffei, sich um einen Großauftrag der griechischen Streitkräfte zu bemühen, die ihre veralteten Kampfpanzer M48 und M60 ersetzen wollten. Die Münchner Panzerschmiede präsentierte 1997 erstmals ihren Leopard 2 in Athen und versuchte, die griechische Industrie für eine Ko-Produktion zu gewinnen. 1998 folgte eine Testphase, bei der "205 Schuss Munition verschossen und 1700 Kilometer gefahren" wurden, wie der Rüstungskonzern festhielt.

Richtig ernst wurde es um die Jahrtausendwende, als Athen sich zwischen Panzern aus den USA, Großbritannien, Russland und anderen Staaten entscheiden musste. In Griechenland regierte die Pasok, eine Schwesterpartei der SPD. Der Verteidigungsminister hieß Akis Tsochatzopoulos, ihn soll die Sozialdemokratin Luuk wiederholt getroffen haben. Tsochatzopoulos war einer der mächtigsten Männer im Lande. Inzwischen sitzt er im Gefängnis, wegen Geldwäsche und Bestechlichkeit, weil er beim Kauf deutscher U-Boote und russischer Raketen hohe Millionenbeträge kassiert hatte. Doch das sind andere Fälle.

Der Auftrag aus Griechenland: "dringend" benötigt

In einem Memorandum vom 24. Juli 2001 notierte KMW, dass man den Panzer-Auftrag aus Griechenland "dringend" brauche als Anschluss für teilweise auslaufende Großaufträge, um den Betrieb auszulasten und so die damals noch 6000 Arbeitsplätze zu sichern (inzwischen sind es nur noch 3200 Stellen). Im Jahr 2003 war es dann endlich so weit. Krauss-Maffei-Wegmann erhielt den lange ersehnten Zuschlag für 170 Leopard 2 samt Zubehör zum Preis von knapp 1,7 Milliarden Euro.

Ob sich Luug und Steiner über ihr Büro für Südosteuropaberatung bei den Genossen in Athen für den Panzer-Deal einsetzten, wollen die beiden früheren SPD-Abgeordneten nicht verraten. Jedenfalls kassierten sie über das BfS laut den Untersuchungsergebnissen bei Krauss-Maffei Wegmann zwischen 2000 und 2005 mehr als fünf Millionen Euro. In dieser Zeit gelang es KMW zudem, für knapp 200 Millionen Euro Panzerhaubitzen nach Griechenland zu verkaufen.

Das ist eine unschöne Gemengelage für die Hellas-Expertin Luuk, und für Steiner, früher Bundeswehr-Hauptmann und später Verteidigungspolitiker. Auch Steiner erzählt nichts über den Sinn, Zweck und Verbleib der BfS-Millionen. Sein Anwalt habe ihm geraten, sich nicht zu äußern, sagt der SPD-Mann. Daran halte er sich. Sonst ergehe es ihm wie Ex-Bundespräsident Christian Wulff, dem man ebenfalls nachgestellt und ihm das Wort im Mund herumgedreht habe. Bei Wulff war es am Ende allerdings nur um einige hundert Euro gegangen.

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