Rente Ein paar gute Jahre

Rentner können mit steigenden Bezügen rechnen. Doch bald gehen die Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand.

Von Thomas Öchsner, Würzburg

Aussichten vorläufig heiter: Ein sogenannter Standardrentner erhält im nächsten Jahr 42 Euro mehr im Monat.

(Foto: Nathalia Bariani/Unsplash)

Die 20,8 Millionen Rentner in Deutschland können vorerst mit weiteren guten Jahren rechnen. Wenn die Beschäftigung weiter steigt und die Löhne und Gehälter so wie zuletzt zulegen, seien in den nächsten fünf, sechs Jahren Rentenerhöhungen von jährlich 2,5 bis 3,0 Prozent möglich, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung (DRV) Bund, Alexander Gunkel, in Würzburg. Das nächste Mal wird die Rente Anfang Juli 2018 angepasst. Nach dem bislang vorliegenden Berechnungen der DRV könnte es dann eine Rentenerhöhung von etwa drei Prozent im Westen und im Osten geben. Dies sei aber nur eine derzeitige Prognose. Die Erfahrung zeige, dass sich die Zahlen der Statistiker bis zum Frühjahr wieder ändern könnten, sagte Gunkel, der die Arbeitgeber in der Rentenversicherung vertritt.

Wie stark die Renten zulegen, hängt vor allem von den Löhnen ab. Die Bundesregierung ist hier optimistisch. Sie erwartet einen Anstieg der Pro-Kopf-Löhne bis 2022 von jeweils 2,6 bis 2,9 Prozent. Läuft die Konjunktur weiter gut, hält der Jobboom in Deutschland an und nimmt die Rentenversicherung weiter mehr Beiträge ein, profitieren davon auch die Rentner über entsprechend hohe jährliche Aufschläge auf ihr gesetzliches Altersgeld.

In diesem Jahr waren die Renten um 1,9 Prozent im Westen und 3,59 Prozent im Osten gestiegen, im Vorjahr hatte das Plus sogar 4,25 beziehungsweise 5,95 Prozent betragen. In den Jahren zuvor waren die Bezüge eher geringfügig angehoben worden. Ein Standardrentner mit 45 Beitragsjahren, der Jahr für Jahr wie der Durchschnitt der Versicherten verdient hat, kommt derzeit auf eine Rente von brutto 1396 Euro. Bei einer Erhöhung von drei Prozent bekäme dieser also knapp 42 Euro mehr.

Steigende Löhne und Beiträge bringen mehr Geld in die Rentenkasse

Schon sicher ist, dass der Beitrag zur Rentenversicherung 2018 niedriger ausfallen wird. Derzeit liegt er bei 18,7 Prozent. Dieser wird voraussichtlich vom nächsten Jahr an auf 18,6 Prozent gesenkt. Bis 2022 könnte er dann stabil bleiben, bevor die Beiträge nach den aktuellen Berechnungen bis 2030 schrittweise auf 21,6 Prozent steigen werden. Dann kommen immer mehr der starken Babyboomer-Jahrgänge in Rente, was die Rentenkasse belastet.

Der Beitrag lässt sich immer dann reduzieren, wenn das Finanzpolster der Rentenversicherung die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 1,5 Monatsausgaben überschreitet. Ende 2017 ist dies der Fall. Die Reserve dürfte sich dann auf 1,59 Monatsausgaben belaufen. Das sind etwa 32,9 Milliarden Euro. Die Finanzen der Deutschen Rentenversicherung haben sich damit wegen der guten konjunkturellen Situation und der gestiegenen Löhne deutlich besser entwickelt als noch vor einem Jahr erwartet.

Positiver als gedacht sieht es auch beim Rentenniveau aus: Wer 45 Jahre wie der Durchschnitt verdient und eingezahlt hat, kommt derzeit auf eine Rente von 48,2 Prozent seines Nettogehalts, vor Abzug von Steuern. Bis 2020 könnte das Rentenniveau nach der Prognose der DRV minimal auf 48,3 Prozent steigen. DRV-Vorstandschef Gunkel sprach hier von einem "demografischen Zwischenhoch". Für 2030 wird nun ein Niveau von 45 Prozent erwartet. Bis 2045 könnte es auf gut 42 Prozent fallen, wenn die Politik nicht gegensteuert.

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, sagte: Die Anhebung der Renten im nächsten Jahr dürfe "nicht darüber hinwegtäuschen, dass immer mehr Menschen mit sehr niedrigen Bezügen ins Rentnerleben starten". Besonders Erwerbsminderungsrentner, die etwa wegen einer Krankheit vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden müssten, lebten oft an der Armutsgrenze. Die Sondierer von Union, FDP und Grünen reden derzeit auch über Verbesserungen bei der Rente. Gunkel warnte wie die Co-Vorstandschefin der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, davor, eine erweiterte Mütterrente aus Beiträgen zu finanzieren. Sieben Milliarden Euro zusätzlich wären dafür pro Jahr fällig. "Das darf auf keinen Fall zu Lasten der Rentenversicherung gehen", sagte Gunkel.