Reichtum der US-Abgeordneten Millionärstreffen im Kongress

Der laut einer Studie reichste Kongressabgeordnete, der Republikaner Darrell Issa, auf dem Weg ins US-Kapitol in Washington

Zeitenwende in Washington: Erstmals haben mehr als die Hälfte der Senatoren und Abgeordneten ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar. Schuld an der Geld-Obsession sind vor allem die teuren Wahlkämpfe. Die negativen Folgen spüren die US-Bürger jeden Tag.

Von Matthias Kolb

Es ist eine erstaunliche Zahl: Laut einer aktuellen Studie sitzen im US-Kongress mehr Millionäre als Nicht-Millionäre. Dies hat das unabhängige Center for Responsive Politics aus den offiziellen Einkommenserklärungen der Abgeordneten und Senatoren errechnet. Mit einem Vermögen von 464 Millionen Dollar ist der Republikaner Darrell Issa der reichste Mann im Kongress - er wurde reich mit einer Firma, die Alarmsysteme für Autos herstellt.

Laut Center for Responsive Politics sind 268 der aktuell 534 Kongressabgeordneten Millionäre - und im Durchschnitt sind die Demokraten (1,04 Millionen Dollar) einen Tick reicher als ihre konservativen Kollegen (1 Million Dollar). Das Vermögen der US-Politiker wächst seit langem, denn in Amerika ist ein gut gefülltes Bankkonto die beste Voraussetzung für ein politisches Amt.

Anders als in Deutschland spielen die Parteien in Amerika bei der Finanzierung von Wahlkämpfen keine entscheidende Rolle - eine staatliche Wahlkampfkostenerstattung existiert dort nicht. Also verstehen sich die US-Politiker eher als Einzelkämpfer und Polit-Unternehmer, die ihre eigene Kampagne organisieren und diese eben auch finanzieren müssen. Wer also Anzeigen im Fernsehen und im Radio schalten will, der braucht viel Geld.

Es lässt sich sogar recht genau sagen, wie viel investiert werden muss, um überhaupt eine Chance zu haben: Wer ins Repräsentantenhaus wollte, benötigte bei der letzten Wahl 2012 knapp 1,7 Millionen Dollar. Die Politiker, die 2012 einen der 33 offenen Sitze im Senat gewannen, steckten im Durchschnitt 10,5 Millionen in ihre Kampagne.

Wenn die Abgeordneten gewählt sind, drehen sich ihre Gedanken weiterhin um Schecks, Spenden und Überweisungen. Denn für die Wiederwahl muss wieder viel Geld gesammelt werden. "Heute verbringt ein Abgeordneter mehr als die Hälfte seiner Zeit mit Fundraising", erklärte Craig Holman von der Nichtregierungsorganisation Public Citizen im Gespräch mit SZ.de (mehr zur Rolle des Geldes in der US-Politik in diesem Blog-Beitrag).

Die Geld-Obsession der Abgeordneten und Senatoren hat zwei Folgen: Wer ständig mögliche Spender anrufen oder sich mit Lobbyisten treffen muss, der hat weniger Zeit für die Arbeit an Gesetzen - oder um sich mit den Menschen im eigenen Wahlkreis zu unterhalten und mehr über deren Probleme zu erfahren.

Und auch wenn es überfällig erscheint, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner im Wahljahr 2014 verstärkt über Armut und die Kluft zwischen Arm und Reich diskutieren wollen, geschieht dies doch auf einem besonderen Niveau: Die große Mehrheit der Kongressabgeordneten kennt die Probleme der Arbeitslosen oder der working poor, die sich mit mehreren Jobs durchschlagen, nur aus der Ferne.

Eines darf aber nicht vergessen werden: Die Vermögensverhältnisse der Abgeordneten und ihrer Herausforderer sind den amerikanischen Wählern bekannt - das System ist in dieser Hinsicht transparent. Offenbar trauen die meisten Amerikaner reichen Kandidaten eher zu, etwas für ihren Wahlkreis zu erreichen.

Es schwingt eine Mischung aus Wut und Resignation mit, wenn Sheila Krumholz vom Center for Responsive Politics den neuen Bericht kommentiert: "Es gibt keine Veränderung an der Lust der Amerikaner, wohlhabende Politiker zu wählen, die sie in Washington repräsentieren."

Linktipps:

  • Die komplette Studie über die Millionäre im Kongress ist hier nachzulesen.
  • Welche Rolle Geld in Amerikas Politik spielt und wie das "Citizens United"-Urteil den Wahlkampf verändert hat, ist in diesem Artikel beschrieben.