Regierungsbildung in Athen Stournaras wird griechischer Finanzminister

Der renommierte Ökonomieprofessor Yannis Stournaras wird Finanzminister in Athen. Er wird nun das Schlüsselressort in dem krisengeschüttelten Land betreuen. Pikant: Der 55-Jährige war als Chefunterhändler maßgeblich an der Euro-Einführung Griechenlands beteiligt.

Die griechische Koalitionsregierung hat den Ökonomieprofessor Yannis Stournaras zum neuen Finanzminister ernannt. Dies teilte das Büro von Regierungschef Antonis Samaras mit.

Der Schritt war nötig geworden, nachdem der vorherige Finanzminister Vassilis Rapanos am Montag nicht einmal eine Woche nach seiner Ernennung auf das Amt verzichtet - und damit die Krise in dem hochverschuldeten Land verschärft hatte. Der 64-Jährige begründete seinen Schritt mit seiner angeschlagenen Gesundheit.

Stournaras steht Samaras' konservativer Nea Dimokratia (ND) nahe. In den vergangenen Wochen war er Wirtschaftsminister der Interimsregierung, die Griechenland zu den Wahlen am 17. Juni führte. Er hat große Erfahrung als Mitarbeiter der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) und Vorstand der griechischen Handelsbank (Commercial Bank). Heute leitet er die Stiftung für Wirtschaftsstudien (IOBE) in Athen und ist der bekannteste unabhängige Ökonom des Landes.

Außerdem war der 55-Jährige als Chefunterhändler Griechenlands an der Euro-Einführung maßgeblich beteiligt. Das mag allerdings auch ein etwas fragwürdiges Licht auf den Ökonomen werfen. Immerhin hatte sich die griechische Regierung die Aufnahme in die europäische Gemeinschaftswährung im Jahr 2001 durch die Angabe gefälschter Defizitzahlen erschlichen. Über mehrere Jahre hinweg hatte Athen geschönte Bilanzen nach Brüssel gemeldet.

In Bezug auf die Finanzkrise schlug Stournaras durchaus selbstkritische Töne an, was die Rolle seines Landes angehe. So sagte er 2010 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung in Bezug auf Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Sie hat schon recht, wenn sie uns in der Pfanne brät."

Der Wirtschaftsexperte von der Universität Athen fordert seit Jahren Reformen und eine Verschlankung des Staates. Dies sei der einzige Ausweg aus der schlimmsten Krise in der jüngeren Geschichte des Landes. "Wir haben einen holprigen Weg vor uns. Wir müssen regelrecht Mauern von etablierten Kreisen und Denkweisen durchbrechen, die die Reformen nicht wollen", sagte Stournaras laut TV-Berichten vom Dienstag bei einer Buchpräsentation in Athen. "Wir werden es aber schaffen", gab er sich überzeugt. Der 55-Jährige setzt sich vehement für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ein.

Wann Stournaras vereidigt wird, blieb zunächst unklar. Ebenso war fraglich, ob er schon an diesem Donnerstag am EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen wird.