Fliegende Steine, Rangeleien, Festnahmen: Am ersten Tag des "Anti-Islam-Kongresses" gibt es heftige Proteste. Linke Demonstranten schlagen die Teilnehmer in die Flucht.
Es ist Freitagmorgen kurz vor 11 Uhr, als an der Hauptstraße in Köln-Rodenkirchen eilig die Rolläden runtergelassen werden. Um ein Haar hätte der blaue Farbbeutel das Fenster mit den Kakteen getroffen, obwohl der Wurf dem Mann galt, der zwei Meter weiter mit dem Rücken zur Hauswand steht: Bernd Schöppe tropft der Angstschweiß von der Stirn, nachdem er soeben zu Boden gestoßen wurde.
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Frauen beobachten eine friedliche Demonstration gegen das Rechtsradikalen-Treffen in Köln. Die Veranstaltungen verliefen nicht überall gewaltfrei. (© Foto: ddp)
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Zehn Bereitschaftspolizisten bilden um den Geschäftsführer der "Bürgerbewegung pro NRW" nun einen Schutzschild, denn auf der anderen Seite skandieren Demonstranten "Nazis raus!" und "Wir kriegen euch alle!"
Schöppe darf sich hier durchaus persönlich angesprochen fühlen, denn er zählt zu den führenden Köpfen der rechtsradikalen Bürgerbewegung, die an diesem Wochenende ganz Köln in Atem hält. Auf einer großspurig als "Anti-Islamisierungskongress" angekündigten Veranstaltung wollen an diesem Samstag etwa 1000 Teilnehmer gegen den Bau einer Moschee im Stadtteil Ehrenfeld demonstrieren, der ihrer Ansicht nach das christliche Abendland bedroht.
Treffen mit zweitrangiger Besetzung
Das Bündnis der Rechtsradikalen reicht von der französischen Front National (FN) über die italienische Lega Nord bis hin zur FPÖ, die eine Abordnung aus Österreich nach Köln geschickt hat. Der FN-Vorsitzende Jean-Marie Le Pen hat freilich ebenso abgesagt wie der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache, der seinen Gesinnungsgenossen immerhin eine Videobotschaft übermitteln will. Das große Einigungstreffen der europäischen Rechtspopulisten ist eine Veranstaltung mit eher zweitrangiger Besetzung.
Nur der Widerstand dagegen ist gewaltig: Bis zu 40.000 Gegendemonstranten werden am Samstag in der Kölner Innenstadt erwartet, angeführt von CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma und lokaler Prominenz wie etwa Wolfgang Overath, dem Clubchef des 1.FC Köln.
Für die Polizei ist das mögliche Aufeinandertreffen von Demonstranten und Kongressteilnehmern ein Alptraum, weshalb bereits am Freitag überall in der Stadt starke Einsatzkräfte präsent sind.
So auch in Rodenkirchen, wo der Auftakt zum Anti-Islamisierungskongress zu einem grotesken Schauspiel gerät: Erst wenige Stunden zuvor hat die "Bürgerbewegung Pro NRW" den vermeintlichen Ort der "Internationalen Pressekonferenz" bekannt gegeben. Doch auch das kann nicht verhindern, dass sich vor dem Bezirksrathaus gut hundert Demonstranten einfinden, die von der Polizei abgedrängt werden.
Eine Scheibe geht zu Bruch, Steine und Farbbeutel fliegen
Schöppe schickt die zahlreichen Journalisten weiter zu einer Bootsanlegestelle am Rhein, wo das Ausflugschiff "Moby Dick" mit den "Pro NRW"-Funktionären und deren Gästen festgemacht hat. Auch dort warten schon die Demonstranten.
Steine und Farbbeutel fliegen, auf dem Schiff gehen Scheiben zu Bruch. Noch bevor alle an Bord sind, muss die "Moby Dick" fluchtartig ablegen. Es wird eine lange und etwas eintönige Fahrt: "Linksextremisten haben versucht, das Schiff zu stürmen", sagt Markus Wiener, der Generalsekretär von Pro NRW am Telefon, "Jetzt sitzen wir hier auf dem Rhein fest."
Der stellvertretende Pro-NRW-Vorsitzende Kevin Hauer kommt schließlich auch noch zur Anlegestelle. Zu spät fürs Schiff, aber rechtzeitig, um den letzten Demonstranten in die Arme zu laufen: Es gibt eine Rangelei, die Polizei geht dazwischen. So lautet die vorläufige Bilanz des Anti-Islamisierungskongresses am Freitag: Sechs vorläufige Festnahmen und eine Anzeige wegen Körperverletzung. Die beige Krawatte von Kevin Hauer ist ruiniert. Ein Polizeisprecher sagt, er hoffe, dass es dabei bleibe.
(SZ vom 20.09.2008/dmo)
Debatte über Militäreinsatz in Syrien
Die rechts- als auch linksradikalen haben sich irgendwie vorher nicht schlau gemacht. Sie haben sich schlicht und ergreifend die falsche Stadt ausgesucht.
Köln ist dafür zu tolerant, und zwar so, dass diese Toleranz schon wieder radikal ist.
Die Gewalttätigen waren vollkommen isoliert und unter sich, die eigentliche Demo fand wo ganz anders statt. Und da war Fete angesagt und zwar mit den Moslems.
Köln ist die Stadt mit den meisten Kirchen, eine Kirche mehr, auch wenn sie Moschee heißt, fällt bei dem Kölner nicht ins Gewicht.
Sicher ist Ihr Grundtenor völlig richtig. Ganz ohne Extremisten von beiden Seiten gänge es Deutschland besser. Ich frage mich nur, weil es ja überiegend jüngere Leute sind und ich jegliche Gewalt verurteile, wer heizt diese Leute überhaupt an. Das sollte man mal untersuchen. Vermummung, Steine werfen etc. und hohle Sprüche sind für mich keine Argumente, sondern primitive Reaktionen. Außerdem habe ich mich über ihre Äußerung zum Umweltschutz gewundert. Sie sind doch nicht etwa dieser Hystery erlegen und glauben, dass Deutschland den an den Haaren herbeigezogen Spuk für Zocker die Welt rettet.
solange das Ganze friedlich bleibt. Und auch, wenn ich mich dabei ertappe, dass ich über Farbbeutel gegen braune Einheit schmunzeln muss, ist es doch der falsche Weg. Zu schnell kommt man da in der Hitze der Argumentation zum Werfen härterer Gegenstände. Damit würde man sich aber so gut wie gar nicht mehr von denen unterscheiden, denen man zeigen will, dass ihr Gedankengut hier nicht willkommen sind. Deutschland braucht insoweit keine Rettung, weder von der RAF (damals) noch von den Nazis. Ohne Extremisten, egal welcher Richtung, und geistig Kleinkarrierte könnte das Land recht gut florieren.
Sicherlich waren auf beiden Seiten nicht nur Kölner, aber die Masse der Gegendemonstranten dürfte wohl aus der Stadt gekommen sein und das wäre gut, - auch aus Umweltgesichtspunkten.
Der Kölner würde sagen: dat sinne doch unsere Moslems, kölsche Jungs und Mädels.
Wenn der Kölner sagt, wir fahren mit der Strassenbahn, so sagt man über den Moslem, der fährt doch mit der Tali Bahn, ist eben ein anderes Wort für Strassenbahn. Wat soll et.
In diesem Sinne: et is noch immer jut jegange, und, et kütt wie et kütt.
Eindrucksvoll haben die Kölner auf ihre ureigenste Art bewiesen, das Köln eine offene Stadt für jedermann ist.
Wer auf der Demo war, der sah offenkundig, wie unter der Kirchen der christlichen Glaubensrichtungen, für ein friedliches Miteinander geworben wurde. Dort wo diese friedlichen Demos stattfanden war einfach kein Platz für Extremisten, die wären einfach niedergeknutscht worden.
Aber das zu erwähnen oder als Tenor in die Reportage einfließen zu lassen, wäre wohl schädlich für die Auflage gewesen.
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