Razzien in rechter Szene Aktion gegen das Braune Haus

Die Neonazis selbst nannten es "alternatives Wohnprojekt": Schwerpunkt des heutigen Großeinsatzes gegen Rechtsextreme war das "Braune Haus" in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit mehreren Jahren dient es dem Aktionsbüro Mittelrhein als Zentrale. 24 Neonazis wurden festgenommen - darunter mehrere NPD-Mitglieder und der "Hitler von Köln".

Von Bernd Dörries, Koblenz

Es dauerte nicht lange, bis auf der Seite des Aktionsbüros Mittelrhein ein Foto von einem grünen Polizeiwagen gestellt wurde, mit einem großen Blaulicht darauf. "Zur Zeit finden im Ahrteil bei mehreren Kameraden Hausdurchsuchungen statt", heißt es auf der Seite. Mit der Deutschen Rechtschreibung haperte es ein wenig, und schnell gehen musste es auch beim Aktionsbüro, das seit dem Mittwochmorgen ein deutlich schwächeres ist. "Mehr dazu, sobald weitere Informationen vorliegen", hatten die Kameraden morgens noch vermeldet.

Doch letztlich war es dann die Polizei, die am Mittwochnachmittag die Bilanz zog über den Einsatz im Morgengrauen. Um drei Uhr morgens waren die Fahnder in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen gestartet und hatten 24 Mitglieder und Unterstützer des Aktionsbüros festgenommen, wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung, Landfriedensbruchs und dem Tragen verfassungsfeindlicher Symbole.

Unter den Festgenommenen ist auch Axel R., der als "Hitler von Köln" eine gewisse Bekanntheit in der Szene erlangt hat, und der führende Düsseldorfer Neonazi Sven S., ein Mitbetreiber des "Nationalen Infotelefons Rheinland". Mehrere Verdächtige sind nach Angaben der Ermittler Mitglieder oder auch Funktionsträger der NPD. "Es ist im rechtsextremen Bereich schwierig, Ermittlungen zu führen, ohne über die NPD zu stolpern", erklärte der Kriminaldirektor Wolfgang Bula.

Seine Zentrale hatte das Aktionsbüro in Bad Neuenahr-Ahrweiler, einem unauffälligen Ort mit 30.000 Einwohnern, der aber durch die ständigen Auseinandersetzungen um das "braune Haus" eine ungewollte Bekanntheit erreichte. Das Haus ist in Wahrheit eher gelb, wurde aber in der Region mit dem Namen der NSDAP-Parteizentrale in München belegt, weil dort seit Jahren eine rechtsextreme Wohngemeinschaft hauste. Die Neonazis selbst nannten es "alternatives Wohnprojekt", so wie sich in vielen Dingen ihr Auftreten dem der linken Szene ähnelte: Nicht nur Skinheads mit kurzen Haaren verkehrten dort, sondern junge Männer mit schwarzen Kapuzenpullis und Turnschuhen.

"Jetzt knallt es richtig"

Verbindungen zum rechtsextremen Terror haben die Fahnder bisher nicht festgestellt. In einer Einladung für die Silvesterparty der Rechtsextremen - "Zwei Jahre braunes Haus. Jetzt knallt es richtig" - sind aber die Buchstaben "NSU" farblich hervorgehoben. Aus dem Haus heraus hätten die Mitglieder des Aktionsbüros immer wieder Straftaten geplant, ein Schwerpunkt ihrer Arbeit war die in der rechtsextremen Szene so genannte Anti-Antifa, das Ausspionieren linker Antifaschisten und Veröffentlichung ihrer Namen und Adressen im Internet.

Im März 2010 hätten Bewohner des Hauses beispielsweise linke Gegendemonstranten vom "braunen Haus" bis zu ihren Wohnungen verfolgt und dort mit "schweren Kieselsteinen" die Fenster eingeworfen. Ob die Polizei bei Straftaten in diesem Bereich auch vor der Aufdeckung des rechtsextremen Terrors der NSU mit solchem Umfang wie am Dienstag reagiert hätte, sagten die Ermittler in Koblenz, daran könne kein Zweifel bestehen.

Zu den weiteren konkreten Tatvorwürfen gegen das Aktionsbüro gehören Flaschenwürfe auf Teilnehmer einer linken Gegendemonstration in Wuppertal sowie mehrere weitere Körperverletzungen gegen Angehörige der "Linken Szene". Bei den Durchsuchungen in zahlreichen Objekten stellte die Polizei mehrere Baseballschläger und Kurzwaffen sicher. Scharfe Munition wurde bisher nicht gefunden. Was aus dem "braunen Haus" wird, ist nach Angaben der Polizei bisher noch nicht geklärt, das sei Sache des Eigentümers. "Das Haus hat aber keine Mieter mehr", sagte ein Ermittler am Dienstag. Die für den 24. März geplante Gegendemonstration vor der Zentrale des Aktionsbüros muss vielleicht nicht mehr stattfinden.