Asylbewerber Was Ausländer im Integrationskurs lernen

Szene aus dem Deutschunterricht für Asylbewerber: bei dem Angebot wird den Schülern die deutsche Sprache und Kultur vermittelt.

(Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

Knapp 90 000 Menschen haben im vergangenen Jahr einen solchen Kurs absolviert. Was steht eigentlich auf dem Lehrplan?

Von Jan Bielicki

Knapp 90 000 Menschen haben im ersten Halbjahr 2015 einen Integrationskurs begonnen. Gut 40 Prozent waren als Neuzuwanderer und anerkannte Flüchtlinge ohne einfachste Deutsch-Kenntnisse oder Hartz-IV-Empfänger dazu verpflichtet. Die meisten von ihnen aber - Altzuwanderer, EU-Bürger, aber auch zugewanderte Deutsche - nahmen das Kursangebot des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge freiwillig an. Erst seit Oktober dürfen auch Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive, beispielsweise aus Syrien, bereits während ihres laufenden Verfahrens an solchen Kursen teilnehmen. Dort sollen sie Deutsch lernen - und die wichtigsten Grundsätze dessen, was Deutschland ausmacht.

Ein Integrationskurs besteht also aus zwei Teilen. Zunächst geht es in 600 Unterrichtsstunden zu je 45 Minuten um die Sprache. Die Schüler lernen darin, Deutsch zu verstehen, zu sprechen und zu lesen, vor allem wenn es um ihnen vertraute Themen geht, etwa um den Umgang mit Ämtern, um Arbeit und Arbeitssuche, Kinder und Ausbildung, Einkaufen, Gesundheit, Wohnen, wie ein vom Goethe-Institut entwickelter Rahmenlehrplan festlegt. Daran schließt sich der sogenannte Orientierungskurs an. In 60 Kursstunden sollen sich die Teilnehmer mit deutschem Recht, deutscher Kultur und deutschen Werten vertraut machen.

Am Ende des Kurses steht ein Abschlusstest, der ebenfalls aus zwei Teilen besteht: Ein Deutsch-Test für Zuwanderer, kurz: DTZ, prüft schriftlich und mündlich, ob ein Teilnehmer das angestrebte Sprachniveau - amtlich: B1 - auch erreicht. Dazu kommt eine Prüfung mit 33 Fragen zum Thema "Leben in Deutschland". Gefragt wird beispielsweise nach Karneval oder gesetzlicher Nachtruhe, vor allem aber nach dem Aufbau des politischen Systems der Bundesrepublik und den Werten des Grundgesetzes. Wer die Prüfung besteht, erhält ein "Zertifikat Integrationskurs" - es verkürzt die Wartezeit vor einer Einbürgerung von acht auf sieben Jahre. Neben diesen allgemeinen Integrationskursen gibt es noch spezielle Angebote - etwa für Frauen, Eltern, junge Erwachsene, aber auch für Analphabeten.