Proteste in Ägypten "Wir sind noch nicht müde"

Proteste gegen eine islamisch geprägte Verfassung, die auch die Rechte der Frauen wieder einschränken würde: Demonstrantinnen am Freitagabend auf dem Tahir-Platz in Kairo.

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Ägypten bereitet sich wieder auf massive Proteste vor: Die Gegner, aber auch die Unterstützer von Präsident Musi wollen heute in mehreren Städten des Landes auf die Straße gehen. Bereits am Freitagabend demonstrierten Zehntausende gegen den umstrittenen neuen Verfassungsentwurf.

In Ägypten formiert sich die Opposition gegen die Übermacht der Islamisten. Zehntausende Menschen demonstrierten am Freitagabend gegen den im Eiltempo durchgepeitschten Verfassungsentwurf der Verbündeten von Präsident Mohammed Mursi. Oppositionsführer versammelten sich in seltener Eintracht bei der Kundgebung in Kairo und gelobten, die Charta zu Fall zu bringen, noch bevor sie in Kraft treten kann.

"Die Revolution ist zurückgekehrt und wir werden siegen", sagte der Drittplatzierte der Präsidentschaftswahlen, Hamdin Sabbahi. Friedensnobelpreisträger Mohamed El-Baradei erklärte, alles daran setzen zu wollen, dass die Rechte der Ägypter geachtet werden. Auf Twitter bezichtigte er die Anhänger Mursis, einen "Putsch gegen die Demokratie" durchzuführen. "Wir sind noch nicht müde, das Blut unserer Brüder ist noch nicht gesühnt", zitierten die ägyptischen Medien Chaled Ali, einen weiteren unterlegenen Mitbewerber der Präsidentschaftswahlen, aus denen am Ende der Islamist Mohammed Mursi als Sieger hervorgegangen war.

Die Opposition kündigte weiter Proteste und möglicherweise auch einen Marsch auf den Präsidentenpalast an, mit dem verhindert werden soll, dass Mursi ein landesweites Referendum über die neue Verfassung ausrufen kann. Der Entwurf sollte am heutigen Samstag an Mursi weitergeleitet werden. Dieser könnte dann sehr rasch über die Abstimmung entscheiden und sie möglicherweise bereits für Mitte Dezember anberaumen. "Wenn er das Referendum ausruft, werden wir zu seinem Palast gehen und ihn stürzen", sagte einer der Demonstranten, Jasser Said. Mehrere Richter kündigten am Freitag an, das Referendum möglicherweise nicht zu überwachen, wodurch es ungültig werden würde.

Islamisten planen Großkundgebung

Aber auch die Islamisten trommelten für eine Kundgebung am Samstag ihre Anhänger zusammen. Der erwartete Zustrom werde deutlich machen, dass die Ägypter den Kurs ihres Präsidenten und die rasche Abstimmung über eine neue Verfassung unterstützen, hieß es von Mursis Muslimbruderschaft.In vielen Städten verteilten Aktivisten der gut organisierten Bewegung Flugblätter und riefen die Menschen dazu auf, durch ihre Teilnahme an den Protesten für das islamische Recht einzutreten.

Seitdem sich Mursi vergangene Woche mit einer Reihe von Dekreten fast unbegrenzte Macht verliehen hat, ist es in Ägypten immer wieder zu Straßenschlachten und Protesten gekommen. Die Krise verschärfte sich weiter, als die Islamisten in der Nacht auf Freitag in einer eiligen Marathonsitzung ihren umstrittenen Verfassungsentwurf durchdrückten - ohne Mitsprache der liberalen, säkularen und christlichen Vertreter, die bereits zuvor aus Protest gegen die islamistische Ausrichtung des Dokument die Verfassunggebende Versammlung verlassen hatten.