Präsidentschaftswahl in Italien Prodi zieht Kandidatur zurück

Vier Wahlgänge, zwei Kandidaten, aber immer noch kein Staatsoberhaupt: Die italienische Präsidentschaftswahl wird zur Farce. Nachdem auch er deutlich die nötige Mehrheit verpasst hat, verzichtet Ex-Premier Prodi auf einen weiteren Versuch.

Der ehemalige italienische Regierungschef Romano Prodi hat seine Kandidatur für das Amt des Staatspräsidenten zurückgezogen. Zuvor hatte ihm die Versammlung der Parlamentarier in Rom in der vierten Wahlrunde die notwendige absolute Mehrheit versagt.

Prodi, der auch schon Präsident der EU-Kommission war, erhielt nur 395 der notwendigen 504 Stimmen und damit etwa 100 weniger, als das Bündnis, das ihn nominiert hatte, Stimmen hat. Gewählt wird der Nachfolger Giorgio Napolitanos.

Die ihm von der Linken angebotene Aufgabe habe ihn sehr geehrt, es seien nun aber die "Bedingungen" dafür nicht mehr gegeben, hieß es in einer Mitteilung Prodis, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Er hätte am Samstag noch einmal antreten können.

Zuvor war bereits der Kompromisskandidat Franco Marini am Donnerstag in zwei Wahlgängen gescheitert. Am Freitag brachte auch der dritte Durchgang keine Entscheidung. Erst dann trat Prodi an.

Das Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani nominierte den früheren Regierungschef und EU-Kommissionspräsidenten Prodi, weil aus den eigenen Reihen massive Kritik an Marini gekommen war. Den früheren Senatspräsidenten hatte Bersanis Partei PD gemeinsam mit der von Silvio Berlusconi geführten rechts-konservativen Partei Volk der Freiheit auf den Schild gehoben.

Bersani will nach der Präsidentenwahl offenbar sein Amt als Chef der Demokratischen Partei niederlegen: Italienische Nachrichtenagenturen berichteten am Freitag, er habe seiner Mitte-Links-Partei diese Absicht erklärt. Ein ranghohes Parteimitglied berichtete der Nachrichtenagentur Reuters ebenfalls, dass Bersani zurücktreten werde.

Im dritten Wahlgang am Freitag gaben in der 1007-köpfigen Wahlversammlung viele Mitglieder gleich ungültige Wahlzettel ab, da in dem dritten Wahlgang noch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen wäre.

Die aus Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und des Senats sowie Vertretern der Regionen zusammengesetzte Versammlung war am Donnerstag in Rom zusammengekommen, um den Nachfolger des 87-jährigen Giorgio Napolitano zu wählen. Napolitanos siebenjähriges Mandat endet am 15. Mai.