Bronislaw Komorowski pflegt seit Jahren intensive Kontakte in die Bundesrepublik, vor allem zur CDU. Der neue Präsident Polens sieht sein Land in Europas Mitte - und will nötige Reformen im Land befördern.
Nun hat es Bronislaw Komorowski doch geschafft: Er wird neuer polnischer Staatspräsident. In den vergangenen Wochen war der Vorsprung vor seinem Rivalen Jaroslaw Kaczynski, dem Zwillingsbruder des im April bei einem Flugzeugunglück umgekommenen Staatspräsidenten, arg zusammengeschmolzen. Das Rennen schien bis zuletzt völlig offen zu sein. Nun aber wird es nicht dazu kommen, dass der eine Zwilling dem anderen als Staatsoberhaupt folgt. Nach ihrer nervösen Doppelherrschaft in den Jahren 2006 und 2007 werden die Kaczynskis nicht zum zweiten Mal Geschichte schreiben. Der Sieg Komorowskis bedeutet, dass der Anti-Kaczynski-Effekt doch größer war als die Welle an nationaler Trauer und an Mitgefühl, die Jaroslaw nach dem Tod seines Bruders erleben durfte.
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Nun hat es Bronislaw Komorowski doch geschafft: Er wird neuer polnischer Staatspräsident. (© rtr)
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Denn ein Großteil der Wähler hat sich nicht für den blassen, stets hölzern wirkenden Komorowski entschieden, weil er sie als Politiker überzeugen würde, sondern weil sie auf jeden Fall Kaczynski verhindern wollten. Mit seinem Namen ist die Zeit des permanenten politischen Streits verbunden. So hat er die neue Antikorruptionsbehörde auch gegen politische Gegner vorgehen lassen. Spektakuläre Festnahmen wurden im Fernsehen gezeigt - doch mussten später alle prominenten Festgenommenen aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden. Vor allem aber hat die Doppelherrschaft der Zwillinge Polen im Ausland diskreditiert - das wollte sich die Mehrheit nicht noch einmal antun. Legendär wurde ihre Forderung nach unverhältnismäßig großem Einfluss in den EU-Gremien, die sie mit der hohen Zahl polnischer Kriegsopfer begründeten.
Mit Komorowski ist ein derartiger Stil der Konfrontation nicht vorstellbar. Zwar möchte er nicht weniger als die Kaczynskis die Interessen Polens außenpolitisch durchsetzen. Nur versteht er etwas anderes darunter. Als Historiker ist er zur Erkenntnis gelangt, dass Polen seine Souveränität nur im Bündnis mit den westlichen Demokratien stärken kann. Wie sein Parteifreund Donald Tusk, der Premier, lässt er sich von dem Motto leiten: Je reibungsloser die EU funktioniert, desto besser ist es für Polen.
Auch pflegt Komorowskis seit Jahren intensive Kontakte in die Bundesrepublik, vor allem zur CDU. Er dürfte der Garant dafür sein, dass die Verwerfungen um ein Zentrum zur Dokumentation von Vertreibungen in Berlin endgültig der Vergangenheit angehören werden. Diese hatten indes ihren Höhepunkt keineswegs unter den Kaczynski-Zwillingen; vielmehr hatte ausgerechnet Tusks Deutschland-Beauftragter Wladyslaw Bartoszewski im vergangenen Jahr den Streit um eine nachrangige Personalie zur Staatsaffäre gemacht - und damit erheblichen Ärger zwischen Berlin und Warschau ausgelöst.
Vor allem aber wird Komorowski darauf dringen müssen, dass Tusk als Regierungschef endlich die verschleppten Wirtschafts- und Verwaltungsreformen in Angriff nimmt. Tusks hatte nach seinem Sieg bei den Parlamentswahlen 2007 lange mit dem Gedanken gespielt, selbst für das höchste Staatsamt zu kandidieren und deshalb die zwar notwendigen, aber unpopulären Reformen nur zögerlich in Angriff genommen. Nun aber muss er auf keinen Präsidenten mehr Rücksicht nehmen, der es, wie der verstorbene Lech Kaczynski, mit der Opposition hielt und deshalb viele Regierungsprojekte mit seinem Veto blockierte.
Ein Hauptproblem Polens liegt darin, dass eine kompetente, aber politisch neutrale Verwaltung fehlt. Bisher wurden bei jedem Regierungswechsel Tausende Spitzenbeamte im ganzen Land ausgewechselt - mit überaus negativen Folgen, gerade für große Infrastrukturprojekte. Komorowski gilt als besonnen genug, sich nicht auf einen Prestigekampf zwischen Präsidenten- und Regierungspalast einzulassen. Denn leider hatte es davon zu viele gegeben in den beiden Jahrzehnten seit der Wende von 1989.
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(SZ vom 05.07.2010/segi)
Bildung in Europa
Mit der Wahl Komorowskis scheint sich nicht nur das Verhältnis zu -Deutschland, sondern zur gesamten EU zu verbessern. Immer vorausgesetzt, dass die Analysen der Korrespondenten richtig sind. Es ist indes richtig, dass die Kaczynski - Zwillinge sich und ihr Land in der EU fast völlig isoliert haben. Das sollte nun ein Ende haben und zwar zu aller Zufriedenheit. Dabei sollte aber nicht übersehen werden, dass die Polen natürlich ihre Eigeninteressen vertreten werden, was ihr Gutes Recht ist!
Polens neuer Präsident ist ein Freund Europas und da stört mich wenig, dass er auch ein Freund der deutschen CDU ist. Hauptsache, der Nationalkonservative Kaczynski gelangt nicht in das höchste Staatsamt unseres Nachbarlandes. Er hätte die gleiche querulatorische Politik wie sein verstorbener Zwillingsbruder weiterverfolgt, so u.a. die Pflege des Feindbildes Deutschland und Behinderung Europas.
Hingegen bietet der neue Präsident Polens, Bronislaw Komorowski, die Gewähr, dass sein Land als gleichwertiger Partner in die westeuropäische Sphäre geführt wird.
1. Ich gehöre zu den "vernünftigen Polen", die in den beiden Wahlrunden für Komorowski votierten. Ich freue mich also mit Ihnen auf 5 Jahre hoffentlich ruhiger Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn; im Inland ist es leider bei weitem nicht so sicher - eine Hälfte des Volkes in Polen ist durch die aufdringliche Propaganda der katholischen Kirche, alliiert mit dem "öffentlichen", in der Tat durch Kaczynskis-Leute beherrschten Fernsehen u.ä. Medien, total verblödet und gegen die andere Hälfte gehetzt. Selbst während der gestrigen Gottesdienst, trotz der gesetzlichen Wahlstille, sagten Priester den Gläubigern für wen sie ihre Stimmen abgeben sollten. Die Stimmabgabe für Komorowski (ebenfalls katholisch und praktizierend) sei eine schwere Sünde (ortal sin). In einigen Kirchen war der Kandidat schlicht mit dem Teufel verglichen usw.
Interessant, wie genau sich die Wahlkarte Polens, d.h. der mehrheitlichen Unterstützung für Kaczynski, mit der Karte des ehemaligen von Moskau abhängigen Königstums Polen 1815-1916 deckt... Dazu sind nur noch die Karpaten gekommen, und einige Kreise mit Großunternehmen, die immer noch mehrheitlich in der staatlichen Hand bleiben, wo Gewerkschaften ihre starke Position nicht verlieren wollen und die Belegschaften mit dem Dämon jeglicher Privatisierung schrecken.
2. Darf ich Sie bitten, die Welt doch nicht sooo "germanozentrisch" auszulegen? Ihre Meinung, daß die Spannungen um das Zentrum und Frau Steinbach ausgerechnet durch Herrn Bartoszewski verursacht wurden, ist so einseitig, daß sie sich nicht schickt für einen Journalisten, der als Kenner der polnisch-deutschen oder deutsch-polnischen Fragen auftreten möchte.
LG aus Warschau
Man muss den Polen nur etwas von Katholischen Werten vor beten und schon fallen etliche immer noch auf diese konservativen Rattenfänger herein.
Das führt zur Annahme das die EU Osterweiterung so schnell durchgesetzt wurde um die Konservativen in der EU zu stärken.Das dies zu diesen Stielblüten der Zwillinge führten konnte wohl keiner ahnen.Letztlich führte das doch die Vernünftigen Polen zu den Wahlurnen um so ein Desaster noch einmal zu verhindern
49% der Polen haben die Zwillingskartoffel gewählt, aber es bleibt noch Hoffnung, dass nicht alle Polen verblödet sind, denn immerhin haben 51% den Komorowski gewählt.