Peer Steinbrück zur Euro-Krise Jahrelange Griechenland-Hilfe

Der desiginierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bezieht in der Euro-Krise klar Position - und geht die Befürworter eines Austritts von Griechenland hart an. Die Kanzlerin solle den Bürgern "endlich die Wahrheit" zu sagen.

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ruft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu mehr Ehrlichkeit in der Euro-Krise auf. Die Kanzlerin müsse den Deutschen "endlich die Wahrheit sagen", forderte der frühere Finanzminister in der Zeitung Welt am Sonntag. "Griechenland wird sich in den kommenden sieben bis acht Jahren kein Geld am Kapitalmarkt leihen können. So lange werden wir helfen müssen."

Die Griechen müssten zu ihren Verpflichtungen stehen, "aber wir sollten ihnen mehr Zeit geben", verlangte Steinbrück. Der ehemalige Finanzminister der großen Koalition schloss nicht aus, einem weiteren Hilfspaket für Griechenland zuzustimmen. Es komme auf die Bedingungen an, ob die SPD im Bundestag einem dritten Hilfspaket für Athen zustimmen würde.

Strikt wandte sich Merkels Herausforderer bei der Bundestagswahl 2013 gegen einen Euro-Austritt Athens: "Wir sollten allen, die martialisch den Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone fordern, deutlich sagen: Ihr wisst nicht, wovon ihr redet! Die politischen und ökonomischen Erschütterungen wären verheerend."

Merkel in Umfragen vorn

Um seine Ziele umsetzen zu können, muss der SPD-Kanzlerkandidat bei den Bundesbürgern noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Mit 63 Prozent glauben fast zwei Drittel der Deutschen nicht, dass Steinbrück tatsächlich Bundeskanzler wird, wie eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag von Bild am Sonntag ergab. Demnach erwarten nur 27 Prozent der Befragten, dass Steinbrück im nächsten Jahr tatsächlich Merkel ablöst.

Der Anti-Parteisoldat

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Würde der Bundeskanzler in Deutschland direkt gewählt, liegt der frühere Ministerpräsident von NRW gegen Merkel der Umfrage zufolge weiter deutlich im Rückstand: Für die CDU-Chefin würden demnach 46 Prozent votieren, für Steinbrück nur 37 Prozent. 59 Prozent halten Steinbrück indes für eine gute Kandidatenwahl der SPD. 26 Prozent finden das nicht. Emnid befragte am Freitag insgesamt 500 Menschen.

Das Wahlkampfprofil der SPD versucht Steinbrück daher vorsichtig zu schärfen und schließt ein Bündnis mit der Linkspartei oder den Piraten nach der Bundestagswahl aus. "Die SPD wird mit der Linken keine Koalition bilden. Die Piraten werden nicht regieren wollen - und könnten es auch nicht", sagte er der Welt am Sonntag. "Deswegen tun wir alles dafür, so stark wie möglich zu werden und die Regierung anzuführen."

Merkels Herausforderer erteilte auch einer großen Koalition eine klare Absage: "Wir wollen keine große Koalition, wir wollen Rot-Grün." Eine rot-grüne Minderheitsregierung lehnte Steinbrück allerdings ab. Dies sei angesichts der Turbulenzen in Europa nicht möglich. Er bekräftigte seinen Entschluss, in kein Kabinett Merkel mehr einzutreten.

Steinbrück äußerte sich zurückhaltend zu seiner Wahlkampfstrategie. "Es gibt keine fertige Blaupause, wie die SPD die Wahl gewinnt. Jeder Wahlkampf unterliegt eigenen Bedingungen", sagte er. "Es geht nicht um Herrn Steinbrück oder Frau Merkel. Es geht darum, wie man Deutschland besser machen kann."