Von Irene Helmes

Wenn auch sonst alles den Bach runtergeht, die SPD kann sich an eine gute Nachricht klammern: "Wir sind die Internetpartei". Sie präsentiert sich im Netz auf Hochglanz poliert - doch der Lack blättert.

Stöbern Nutzer im Sommer 2008 auf den Internetseiten der Sozialdemokraten, landen sie in einer Welt aus leuchtendem Rot und Blau, voller guter Nachrichten. Führungskrise? Richtungsstreit? Clement-Skandal? Nie dagewesener Mitgliederschwund? Sei's drum, im Netz erlebt die SPD rosige Zeiten.

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Schöne neue Welt: Wenigstens im Internet will sich die SPD von ihrer besten Seite zeigen. (© Screenshot: Youtube)

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Seit dem 1. August ist es offiziell: "Wir sind die Internetpartei", hat Generalsekretär Hubertus Heil verkündet. Seinen Angaben zufolge zählt die Community meineSPD.net nun 20.000 Mitglieder, damit sei "die SPD auf dem Gebiet Web 2.0 wieder Vorreiter aller Parteien". Hört sich gut an.

Ein "staunender Nutzer" wagt sich ins Netz

Und nach der Hiobsbotschaft des Sommers wird die Partei um jedes Mitglied froh sein: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat die SPD ihre Rolle als mitgliederstärkste Volkspartei verloren. Seit den siebziger Jahren hat sich die Zahl der Deutschen mit rotem Parteibuch von rund einer Million auf nun knapp 530.000 fast halbiert. Wenigstens virtuell die Nummer eins sein - ein kleiner Trost.

Gerade in schlechten Zeiten will sich die Partei mit ihren Online-Aktivitäten von ihrer besten Seite zeigen. Experten helfen dabei: Wissenschaftler, Polit-Berater und prominente Blogger sitzen seit November 2007 im Online-Beirat der SPD, um Parteichef Kurt Beck - nach eigener Aussage "ein staunender Nutzer" - und seine Partei fit zu machen für die Ära der Internet-Politik.

Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist der hauseigene Youtube-Kanal. SPD:vision ist seit neun Monaten online, in dieser Zeit haben sich hier 57 Videos angesammelt.

Der Chef geht mit gutem Beispiel voran. Sollen die ewig quietschgelben Spaßliberalen der FDP ruhig auf Youtube ihr komödiantisches Talent erproben, so scheint seine Botschaft, die SPD erklärt in der Zwischenzeit ruhig und geduldig den Erwachsenen ihr Programm. Wieder und wieder und wieder. Die "Playlist Kurt Beck" umfasst derzeit 21 Filme. Seit Dezember dürfen Nutzer "Ihre Frage an Kurt Beck" stellen. Dass hier Ernst im Verzug ist, zeigte schon die Art, mit der er im Dezember 2007 seine Youtube-Karriere einläutete.

Tadellose Bürstenfrisur mit Vokuhila-Charme, dunkler Anzug, Lesebrille, noch schnell ein paar Akten umblättern. Dazu statt Popmusik ein geschäftiges Elektro-Intro, das den User in die erwartungsvolle Hab-Acht-Stellung eines "Hart aber fair"-Zuschauers versetzt. Keine Mätzchen, keine Effekte. Ein Mann und ein Programm - und das für ein Fünftel der Produktionskosten, die der Videoblog von Kanzlerin Merkel Woche für Woche verschlingt, wie Heil stolz vermeldet.

So weit, so gut, doch was sind Gesprächsangebote dieser Art wert?

Im zweiten Teil regt sich Protest, zwischendurch verirrt sich ein kleiner Spaß ins Netz - und Singvögelchen verbreiten Nostalgie.

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