Paketbomben Bomben-Terror gegen Botschaften in Rom

Explosionen in Roms Diplomatenviertel: Paketbomben in der chilenischen und der schweizerischen Vertretung verletzen zwei Mitarbeiter. Anarchisten bekennen sich zu den Anschlägen.

Von Andrea Bachstein, Rom

Bei Paketbomben-Anschlägen auf die Botschaften der Schweiz und Chiles in Rom sind am Donnerstag zwei Menschen verletzt worden. Wie am Abend bekannt wurde, fanden die Ermittler an einem der Schauplätze ein Bekennerschreiben. Es stammt von einer Gruppe, die sich "Informelle anarchistische Vereinigung, revolutionäre Zelle Lambros Fountas" nennt. "Wir haben beschlossen, unsere Stimme wieder zu erheben, mit Worten und Taten. Lasst uns das herrschende System zerstören", heißt es in dem von der Polizei wiedergegebenen Text.

Der erste Sprengsatz war gegen Mittag explodiert, als ein Mitarbeiter der Poststelle in der Schweizer Botschaft ein Paket von der Größe einer Videokassette öffnete. Der 53-Jährige erlitt schwere Verletzungen an den Händen. In einer Notoperation versuchten Ärzte, seine besonders stark verwundete linke Hand zu retten und so eine Amputation zu vermeiden.

Drei Stunden später detonierte eine Paketbombe in der chilenischen Vertretung. Auch dort wurde ein Mitarbeiter an der Hand und am rechten Auge verletzt und operiert. Alle diplomatischen Vertretungen in Rom wurden überprüft.

Noch ehe die erste Briefbombe detoniert war, hatten italienische Ermittler gemutmaßt, Anarchisten und Öko-Terroristen könnten hinter der Tat stecken. Innenminister Roberto Maroni bekräftigte dies in einer Fernsehsendung. Die Indizien, sagte Maroni, entsprächen ähnlichen Vorfällen vom November in Griechenland.

Es handle sich um besonders gewalttätige Gruppen, die auch in Griechenland und Spanien aktiv seien und enge Verbindungen unterhielten. Die in dem Schreiben erwähnte ,,revolutionäre Zelle'' ist benannt nach einem 35-Jährigen, der im März in Athen von der Polizei erschossen wurde.

Der chilenische Botschafter in Italien, Oscar Godoy, sagte, die Paketbombe sei an die Kulturabteilung der Vertretung adressiert gewesen. "Uns ist unerklärlich, warum wir auf diese Art und Weise angegriffen wurden", sagte er, "überall war Blut." Die Vermutung, Öko-Anarchisten könnten hinter dem Anschlag stecken, stützt sich auch darauf, dass einige italienische Angehörige dieser Szene in der Schweiz inhaftiert sind.

Auch der Atomkraftgegner Marco Camenisch, der Anschläge auf Stromleitungen verübt hat, ist in der Schweiz im Gefängnis. Er war 1991 in Italien verhaftet und verurteilt worden. 2002 lieferte Italien ihn an die Schweiz aus. Zudem zitierte die italienische Zeitung Il Sole 24 Ore eine italienische Anarchisten-Webseite, die zur Solidarität mit inhaftierten Mitstreitern in der Schweiz und in Chile aufruft.