NSU-Prozess Rechtsradikaler bedroht Journalisten im Gerichtssaal

  • Im NSU-Prozess bedroht ein Rechtsradikaler einen Journalisten, der immer wieder über die rechte Szene in Chemnitz berichtet hatte.
  • Der Rechtsradikale gehört offenbar zu einem Zeugen, der in Chemnitz einen Laden mit Kleidung und Musik für die rechte Szene betreibt.
  • Das Gericht beschließt, künftig nur noch an zwei statt an drei Tagen zu verhandeln. Es will die Gesundheit von Beate Zschäpe schonen.
Von Annette Ramelsberger

Der Zeuge ist Geschäftsmann, alert, Hipster-Bart, Sakko. Ihm geht es, so macht er glauben, nur um sein Geschäft - er handelt mit Textilien und Musik. Mit speziellen Textilien und sehr spezieller Musik. Ein Szeneladen, für die standesgemäße Ausstattung der rechten Szene in Chemnitz. Hendrik Lasch war auch ein guter Freund von Uwe Mundlos, auch dann noch, als der bereits im Untergrund war. Er hat ihm sogar Aufträge gegeben.

Aber nun vor Gericht, kann er sich nur noch an wenig erinnern. Vor allem zur Gesinnung seines Freundes fällt ihm nur sehr Allgemeines ein. Konservativ-rechts nennt er die, und er selbst sei nur früher mal rechts gewesen. Genaue Überzeugungen, Positionen, da will er sich auf nichts einlassen.

"P-Straße Nummer x! Wie läuft's?"

Er wollte nur nie Ärger mit der Justiz bekommen, deswegen habe er auch zu harte Musik abgelehnt. Sagt er. Das Lied "Döner Killer" kam bei einem Geschäftsfreund heraus, der zwar im gleichen Haus sitzt wie er, aber die Tür zu dessen Laden sei immer verschlossen. Sagt er. Im Lied "Döner Killer" heißt es ganz deutlich, dass der Täter aus dem Nichts kommt, kein Fingerabdruck, keine DNA. Und dass sich die Türken nirgendwo mehr sicher fühlen können. Aber der Zeuge hat ja angeblich nichts damit zu tun.

Der Zeuge wird entlassen, es war ihm wenig zu entlocken. Doch da springt auf der Besuchertribüne, unter den Journalisten, plötzlich ein Mann auf, kurze Haare, sportlich angezogen. Er hat zwei Ringe am Finger, die schwarze Sonne, ein Zeichen der Neonazis, und den Thorshammer. Unterm Hemd ist er wild tätowiert. Ganz offensichtlich gehört er zum Zeugen. Im Vorbeigehen ruft der Mann dem Korrespondenten der Chemnitzer Freien Presse zu: "P-Straße Nummer x! Wie läuft's?"

Offensichtlich haben die Rechtsradikalen den Journalisten ausspioniert

Es ist die Privatadresse des Journalisten, die nirgends verzeichnet ist. Nicht im Adressbuch, nicht im Telefonbuch. Weil der Mann immer wieder bedroht wird. Ganz offensichtlich haben ihn die Rechtsradikalen ausspioniert. Und bedrohen ihn nun mitten im Gerichtssaal. Der Journalist hatte mehrmals über den Szeneladen in Chemnitz geschrieben.

Draußen vor dem Gericht ziehen der Zeuge Hendrik Lasch und sein bedrohlicher Begleiter ab. Der Journalist hat Strafanzeige gegen den Mann gestellt. Es wird ermittelt. Der Mann dürfte zu finden sein: Die Justizwachtmeister kopieren die Ausweise aller Besucher, die in den Prozess gehen.

Das Gericht entscheidet: Zschäpes Gesundheit soll geschont werden

Am Ende hat das Gericht noch eine weitreichende Entscheidung verkündet: Um die Gesundheit von Beate Zschäpe zu schonen, reduziert das Gericht nun die Anzahl der Verhandlungstage pro Woche. Statt an drei soll in den nächsten Wochen nur noch an zwei Tagen verhandelt werden. Das soll die Verhandlungsfähigkeit der Angeklagten erhalten. Schon jetzt darf sie auch nur noch zweimal im Monat gefilmt und fotografiert werden.