NSU-Prozess 2018, eine Drohung

Dieses Verfahren scheint ewig weiterzugehen. Aber nicht etwa, weil es hier noch so viel aufzuklären gäbe.

Von Annette Ramelsberger

Einige Prozesse dauern lange, andere länger, der NSU-Prozess aber scheint überhaupt nicht mehr zu enden. Er läuft seit fast vier Jahren, und nun hat der Vorsitzende Richter angekündigt, die Prozessbeteiligten sollten sich "höchstvorsorglich" noch ein Jahr länger dafür reservieren. Dabei ist inhaltlich nichts Neues mehr zu erwarten.

Das, was so viel Zeit kostet, ist das Tauziehen zwischen Verteidigern und Gericht - und jeder Verteidiger hat dabei anderes im Blick. Die ursprünglichen Anwälte der Angeklagten Beate Zschäpe kämpfen mit jedem neuen Antrag auch um ihre eigene Reputation, nachdem sie von Zschäpe abserviert worden sind. Die Verteidiger des früheren NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben dagegen haben offenbar schon die Zeit nach dem Prozess und die Akquise neuer Mandanten im Auge: etwa, wenn sie beantragen, im Gericht alle Lieder der Band Böhse Onkelz abzuspielen, oder einen Demografieforscher erklären zu lassen, dass die Neonazi-Parole "Volkstod stoppen" nichts Anrüchiges hat. Das bringt nichts, aber man macht sich in der rechten Szene einen Namen.

Und das Gericht? Es reagiert mit der Ankündigung, man könne auch bis 2018 verhandeln. Das ist nicht etwa ein Entgegenkommen, sondern eine Drohung. Sie bedeutet: "Ihr könnt euch noch so viele abstruse Anträge einfallen lassen, wir haben den längeren Atem. Also lasst es bleiben." Hoffentlich verstehen das alle.