NSU-Morde, Ku-Klux-Klan und die Polizei Die Maske der Rassisten

Weiße Kapuzen, brennende Kreuze. Ku-Klux-Klan. Auch in Deutschland sind die Rassisten aktiv. Eine Gruppe fiel bei Aufarbeitung der NSU-Morde auf. Zwei Polizisten waren Mitglied. Hochrangige Kapuzenmänner sollen sich dem Verfassungsschutz gar als V-Leute angedient haben. Wie sich der Staat mit dem Klan einließ.

Von Frederik Obermaier und Tanjev Schultz

Mitglieder des Ku-Klux-Klans im US-Bundesstaat Virginia.

(Foto: dpa)

Sie kommen aus der Dunkelheit: Lodernde Fackeln in der Hand, weiße Masken über dem Kopf, so schreiten die Männer und Frauen über eine Wiese. Sie bilden einen Kreis, in kantigem Englisch beschwören sie die "White Power", die Macht der Weißen, die Rasse, die Nation. Dann entzünden sie ein mannshohes Holzkreuz. Es ist eine Zusammenkunft des Ku-Klux-Klan (KKK), jenes rassistischen Geheimbundes aus den USA, der durch die Lynchmorde an Schwarzen berüchtigt wurde.

Dieses Treffen jedoch fand nicht irgendwo in den amerikanischen Südstaaten statt, sondern in der Bundesrepublik, angeblich im Februar 2011. Der deutsche Ableger des Ku-Klux-Klans hat dazu ein Video im Internet veröffentlicht.

Gegründet wurde der Club der maskierten Rassisten vor etwa 150 Jahren, nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, von Offizieren der unterlegenen Südstaaten-Armee. Den Sieg des Nordens wollten sie nicht akzeptieren, noch weniger, dass die Sklaverei abgeschafft werden und Schwarze mehr Rechte bekommen sollten. Angeführt von ihrem "Grand Wizard", dem großen Hexenmeister, machten die Klansmänner Jagd auf Schwarze. Gekleidet in Kutte und weiße Kapuzengewänder teerten und federten sie ihre Opfer oder erhängten sie am nächsten Baum.

Das Markenzeichen des Klans ist ein brennendes Kreuz, seine Botschaft der Rassenhass. Das Kreuz steht für das Licht Jesu - der Geheimbund versteht sich als christliche Organisation. Seine unmenschlichen Missionare haben auch in Deutschland Erfolg. Mehrere Ableger soll es geben, im Jargon des Klans "Realms" genannt. Einer von ihnen ist nun bei den Ermittlungen zur rechten Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) aufgefallen, weil zwei Polizisten dort Mitglied waren - Kollegen von Michèle Kiesewetter (siehe Artikel rechts). Die Beamtin wurde 2007 in Heilbronn mutmaßlich von den Killern des NSU erschossen.

Der Ku-Klux-Klan versucht seit Langem, in Deutschland Fuß zu fassen. Erstmals sollen sich Männer in weißen Masken Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin getroffen haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg loderten auf mehreren Militärstützpunkten brennende Kreuze - amerikanische GIs hatten ihren Rassenhass mit nach Deutschland gebracht. Die Presse spekulierte in den Sechzigerjahren, dass etwa 2000 Klansmänner ihr Unwesen trieben. In einem Interview sagte ein angeblicher KKK-Mann damals der Abendzeitung: "München ist die Hochburg des Ku-Klux-Klans in Europa, das außeramerikanische Hauptquartier unserer Geheimorganisation."

Spuren von vier KKK-Gruppen in Deutschland

Die Ideologie und Symbolik des Klans entdeckten schon bald auch deutsche Neonazis für sich. Nach einem Anschlag auf ein Asylbewerberheim im nordrhein-westfälischen Neuenrade wurde 1991 bei den Tätern Aufkleber des "KKK Herford" gefunden. Sie zeigten einen Kapuzenmann mit Axt, daneben stand die offizielle Anschrift einer deutschen Klanfiliale: Postfach 1747, Bielefeld. Solche Sticker tauchten später auch in Kneipen und an Straßenlaternen im Ruhrgebiet auf. Im Herbst 1991 reiste der damalige KKK-Führer Dennis Mahon für ein nächtliches Spektakel nach Deutschland. In einem Waldgebiet nahe Königs-Wusterhausen (Brandenburg) versammelte er etwa 50 vermummte Klansmänner, wieder brannte ein Kreuz - und Mahon schwärmte von seinem Klan, der mit deutschen Neonazis zusammenarbeite und eine "Terrorfront" aufbaue.

Im Internet finden sich heute Spuren von mindestens vier angeblichen KKK-Gruppen aus Deutschland. Eine wird von einem selbst ernannten Erzbischof aus Berlin geleitet. Im Netz brüstet er sich damit, Träger der höchsten Auszeichnung des Klans zu sein; rassistisch sei er aber nicht. Dennoch wurde der "Reverend Imperial Wizard", wie er sich von seinen Anhängern nennen lässt, 2011 in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil unter anderem der Volksverhetzung schuldig gesprochen. Wie viele Kapuzenträger er derzeit um sich schart, ist unklar, die Behörden gehen von einigen wenigen aus. Sie werden von Polizei und Geheimdienst beobachtet.