SPD-Innenpolitiker Wiefelspütz attackiert Innenminister Friedrich: "Der Mann ist falsch an dieser Stelle", der Terror der Neonazis überfordere den CSU-Politiker. Inzwischen berichtet eine Zeitung Verblüffendes über den Verfassungsschützer, der beim Kasseler NSU-Mord am Tatort war.
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz hält Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wegen seines Umgangs mit dem rechtsextremistischen Terror für ungeeignet in seinem Amt. "Der Bundesinnenminister ist dieser Herausforderung nicht gewachsen", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.
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In der Kritik: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) (© dapd)
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Der Sozialdemokrat attestierte Friedrich, "ein angenehmer Mensch" zu sein. "Aber der Mann ist falsch an dieser Stelle". Friedrich fehle es "an der Fähigkeit, die richtigen Worte und die richtigen Gesten zu finden." Darauf komme es bei einem Bundesminister aber nicht unwesentlich an, meinte der SPD-Politiker und fügte hinzu: "Wir müssen wieder in die Offensive kommen. Wir müssen die Demokratie stärken." Das gehe mit diesem Minister nicht, sagte Wiefelspütz. Seinem Eindruck nach stehe der CSU-Politiker "unter Schockstarre" angesichts der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der mindestens zehn Menschen zum Opfer fielen.
Auch bei den Grünen regt sich Kritik am Bundesinnenminister: "Ein Rücktritt wäre mehr Dynamik, als ich Friedrich zutraue", twitterte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck nach sueddeutsche.de-Anfrage.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nahm seinen Amtskollegen und Parteifreund Friedrich postwendend in Schutz. "Das ist Blödsinn", sagte Herrmann zu sueddeutsche.de. Von Schockstarre und Wortlosigkeit könne keine Rede sein.
Der FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff verbat sich die Kritik an Friedrich ebenfalls. Die SPD versuche mit Nebelkerzen von der eigenen Verantwortung abzulenken, sagte Wolff. Schließlich seien die Sozialdemokraten zum Zeitpunkt der rechtsextremen Mordserie im Bund Regierungspartei gewesen. Der SPD-Mann Otto Schily bekleidete in der Tat bis 2005 das Amt des Bundesinnenministers, allerdings nicht bei den letzten beiden Morden der NSU.
Eines der Verbrechen der rechten Terrorzelle geschah am 6. April 2006 in Kassel in einem Internetcafé, am Tatort hielt sich auch der damalige Verfassungsschützer Andreas T. auf. Dieser soll, wie die Frankfurter Rundschau nun berichtet, zwei rechtsextreme V-Männer geführt haben. Dabei handele es sich um einen türkischen Nationalisten und einen deutschen Neonazi, schreibt das Blatt. Letzterer soll demzufolge vor seiner Anwerbung 2001 an einer Demonstration teilgenommen haben, die vom "Thüringer Heimatschutz" organisiert wurde - einer rechtsextremen Truppe, die Kontakte zur Zwickauer NSU-Terrorgruppe pflegte.
Der hessische Verfassungsschutz wollte den Bericht bislang weder bestätigen, noch dementieren. Die Behörde mache keine Angaben zur Tätigkeit des ehemaligen Mitarbeiters, sondern berichte hierzu ausschließlich den parlamentarischen Kontrollgremien.
Immer mehr Details über die Neonazi-Terrorzelle und die rechtsextreme Mordserie - doch wie die Berliner Politik die Vorgänge aufarbeiten will, ist noch unklar. Mehrere Optionen liegen auf dem Tisch. Eine Untersuchung durch das Parlamentarische Kontrollgremium, ein Untersuchungsausschuss, ein Sonderermittler oder eine Bund-Länder-Kommission mit Experten - das sind die Berliner Optionen, um die Pannen rund um die rechtsextreme Mordserie parlamentarisch aufzuarbeiten. Diese Woche solle es weitere Gespräche dazu geben, sagte am Mittwochabend der Vorsitzendes des Kontrollgremiums im Bundestag für die Geheimdienste, Thomas Oppermann (SPD).
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(sueddeutsche.de/dapd/dpa/odg/bica/mane/lala)
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Na wenigstens überblickt dieser Schlaumeier Wiefelspütz die Lage.
Gottseidank haben wir noch so geistige Überflieger.
@Justus65
Im Prinzip haben Sie recht. Der Begriff des Terrorismus wird aktuell bis zum Exzess eingesetzt, auch wenn der vorliegende Fall die seit Jahren geltenden Bedingungen und die wesentlichen Elemente nicht erfüllt. Der Begriff impliziert eine strategische Vorgehnsweise. Man kann allenfalls von Terror sprechen, herzu gibt es kien Definition.
Hierzu auch der Artikel Ritzmann im TSP:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/ist-die-nsu-wirklich-eine-terrororganisation/5874774.html
Der Extremismusexperte F. Wagner vom Institut Friedensforschung der Unesco schrieb kürzlich einem Artikel hierzu:
„Terrorismus ist von Hause aus keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie“. Terroristen würden auf der einen Seite zwar nach Veränderungen der bestehenden Ordnung, doch ziele ihr Kampf mit Bomben und Pistolen primär nicht auf die militärisch-operative Befreiung und Eroberung von Gebieten, sondern auf Veränderung des Denkens und des Mentalen, „um dadurch gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu erzwingen.“
Das geht analog mit der Auffassung von Paul Virilio, daß es aktuell viel wichtiger ist die Bilder und Worte zu beherrschen als die operativen Räume wie noch bei Clausewitz.
Der Terrorist wolle, dass alle wissen, was er getan habe und warum. „Terror ist ein Druckmittel, um mit Hilfe öffentlicher Aufmerksamkeit Ziele durchzusetzen.“
Vielleicht ist aber seit Anfang November alles ganz anders und zuvor war alles ein Irrtum. Jeder Einsatz von Ratio ist derzeit verpönte Verharmlosung, Glauben ist angesagt. Die gezielte Verwendung des Begriffs 'Terrorismus' dient zuvorderst der medialen Aufladung und die ideologische Seite der Steilvorlage wird gerne aufgenommen: Tor in Zwickau, RAF gegen BAF 1:1, wobei die RAF die schöneren Treffer erziele...
Immer, wenn der braune Terror in die Diskussion kommt, werden reflexartig die Linken angegriffen (Selbstverteidigung oder was?). Ich fühle mich auch angegriffen.
Für mich ist allerdings der Alltag wesentlich schlimmer. Dort kann man hören und sehen (wer will), dass die baunen ungstraft ihre CD's und Schriften an Schulen verteilen dürfen, dass Landespolitiker mit Fremdenfeindlichkeit Wahlkampf machen dürfen un dann auch noch die Mehrheit der Wähler ihre Zustimmung dafür gibt, dass sie demontrieren und marschieren dürfen. dass sie Menschen bedrohen, die nicht ihrer Gesinnung sind und vieles andere mehr - das alle macht mich betroffen.
Ein Blick zurück in die Vergangenheit müßte doch eigentlich reichen.
ihrer definition entsprechend war carlos auch kein terrorist sondern wahrscheinlich eher ein popstar ...
Sekundärliteratur, unbedingt lesenswert:
Zitat aus "Das München Komplott" von Wolfgang Schorlau S.65 /66
"Erzählen Sie!"
"Unmittelbar nach der Wende, eigentlich schon davor, als klar war, dass die DDR uns, also der BRD, beitreten würde, lief eine der erfolgreichsten Operationen des Verfassungsschutzes an.
Es war offensichtlich, dass es im Osten keine blühenden Industrielandschaften geben würde, wie es die Politik den Leuten versprochen hatte. Es würde Enttäuschungen geben. Und die gab es ja auch. Es gab in Leipzig die neuen Montagsdemonstrationen. Die Kirchen regten sich wieder auf. Es braute sich was zusammen, und die Geheimdienste wussten nicht, was.
Die Leute dort drüben waren naiv, aber auch gefährlich.
Sie hatten schon mal eine Regierung gestürzt."
"Und?"
"Nun ja, es wurde befürchtet, dass die Jugend aus dem Osten politisch nach links tendiert. Dass uns im Osten so etwas bevorsteht wie 1968 in Westdeutschland, nur schlimmer, weil eine solche Bewegung größer sein würde und alle möglichen Schichten einbeziehen würde. Außerdem gab es die Exkommunisten, die einer entäuschten Jugend einen organisierten Rahmen bieten konnten.
"Ich verstehe nicht..."
"Es ist ziemlich einfach (...). Ziel der damaligen Opration war es, die Jugend vor einer möglichen linksradikalen Infektion zu bewahren. Das ist gelungen. (...)
"Sie wollen mir doch damit nicht sagen..."
"Doch genau das will ich. Das Gegengift wurde verabreicht. (...)
Es gab Restposten nationalsozialistischen Gedankengutes in der DDR. Nicht einmal allzu knapp. Es gab die westdeutschen Nazis, die im Osten warben.
All das wurde nun professionell unterstützt, finanziert, ausgerichtet und geplant.
(....) ..glauben Sie, dass der Aufbau einer straff geführten Kaderpartei mit den rechten Wirrköpfen aus Ost und West möglich gewesen wäre ?"
Zitat Ende.
Alles nur Belletristik - aber plötzlich wird ein Schuh draus.
Ein schwarzbrauner.
Und nun schauen wir uns nach diesen Zeilen nochmal das Betroffenheitsgesülze der vergangenen Tage an.
Grüsse
Paging