Mögliche Internet-Zensur Dokumentation über Smog in China blockiert

Die Dokumentation von Chai Jing ist online in China nicht mehr verfügbar.

(Foto: oh)
  • In China ist eine Dokumentation über die drastischen Luftverschmutzungen im Land zensiert worden. Chinesen können den Film "Unter der Glocke" im Internet nicht mehr abrufen.
  • Das Video der ehemaligen Fernsehmoderatorin Chai Jing war innerhalb eines Tages mehr als 155 Millionen Mal angeklickt worden.
  • In Online-Foren kritisieren Nutzer die Blockade.

Film über Luftverschmutzung im Internet blockiert

Der Film "Unter der Glocke" der über die dramatische Lufverschmutzung in China berichtet, kann in China nicht mehr online abgerufen werden. Die ehemalige Fernsehmoderatorin Chai Jing hatte ihre Dokumentation vor einer Woche veröffentlicht. Innerhalb eines Tages wurde sie mehr als 155 Millionen Mal angeklickt.

Nun ist der Film seit Freitagabend blockiert - wie etwa bei den großen chinesischen Video-Websites Youku und iQiyi. Ein Link auf der Youku-Website, der zuvor zu dem Film führte, führte lediglich zu der Nachricht: "Es tut uns sehr leid, Youku konnte die gesuchte Seite nicht finden". Auf YouTube ist die Dokumentation weiter zu sehen. Der Zugang zu der Videoplattform ist in China jedoch gesperrt.

Chinas neue Heldin

Früher arbeitete Chai Jing beim Staatssender, nun beherrscht sie die öffentliche Debatte in China. Mit einem Dokumentarfilm, den sie auf eigene Faust gedreht hat. Und mit dem sie dem Volkskongress der KP die Schau stiehlt. Von Kai Strittmatter mehr ... Report

In ihrem Film hatte Chai die Ursachen der extremen Luftverschmutzung in China aufgezeigt, darunter laxe Umweltschutzvorschriften und deren unzureichende Durchsetzung durch die Behörden. Chinas Städte leiden unter extremer Smogbelastung. Verantwortlich sind Kohlekraftwerke und Industrieschornsteine sowie der Autoverkehr.

Staatsführung reagiert empfindlich

Noch vor wenigen Tagen lobte Chinas neuer Umweltminister Chen Jining das Video und sagte, der Film unterstütze "die Bemühungen des Einzelnen, die Luftqualität zu verbessern". Allerdings verschickten die Propagandabehörden wenige Tage nach der Veröffentlichung bereits Zensuranweisungen an Webportale und soziale Medien. "Um nicht abzulenken von den wichtigen Themen des Volkskongresses" müsse auf der Stelle sämtliche Berichterstattung über den Film und seine Schöpferin eingestellt werden, hieß es in einem Rundschreiben der Shanghaier Zensurbehörde, das vom Portal China Digital Times veröffentlich wurde.

Kritische Diskussion im Netz

Viele Chinesen kritisieren, dass der Film für sie online nicht mehr zugänglich ist. Sie glauben, dass die chinesische Regierung den Film blockiert hat. "Chai Jings Doku wurde in allen großen Video-Websites 'harmonisiert'", schrieb ein Nutzer. "Warum? Gebt uns einen Grund dafür!" Ein anderer Nutzer fragte: "Wann wird dieses Land bereit sein, sich mit dem Verhalten der eigenen Bevölkerung auseinanderzusetzen?"

Umweltminister geht nicht auf Internetsperre ein

In Peking tagt seit dieser Woche der Nationale Volkskongress - unter einer dichten Dunstwolke. Nach Angaben der US-Botschaft ist der Smog derzeit "sehr gesundheitsschädlich". Regierungschef Li Keqiang sagte der Umweltverschmutzung zum Auftakt der jährlichen Parlamentssitzung erneut den Kampf an. Präsident Xi Jinping versprach, Umweltverschmutzer "mit harter Hand" und "ohne Ausnahmen" zu bestrafen.

Umweltminister Chen ging in einer Pressekonferenz am Samstag nicht auf den Dokumentarfilm und die Internetsperren ein. Zur Luftverschmutzung bezog er aber klar Position, indem er an den auffallend blauen Himmel beim Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Peking im November erinnerte. Das durch Fabrikschließungen und Fahrverbote erreichte "Apec-Blau" habe gezeigt, "dass wir uns nicht nur auf den Himmel verlassen können, wenn wir unsere Luftqualität signifikant verbessern wollen", sagte Chen. "Wir müssen unser Emissionsniveau senken." Das erfordere aber "zusätzliche Anstrengungen von uns allen".