Von Matthias Drobinski

Während immer neue Missbrauchsfälle ans Licht kommen, wird die Phase der Betroffenheit abgelöst durch die Debatte über nötige Konsequenzen.

Es gehe doch um die Kinder, sagt Siegfried Kneißl, "ich sehe die Kinder vor mir, auch wenn sie jetzt Erwachsene sind." Einen Aktenordner voller Kindheitsgeschichten hat der Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums München und Freising inzwischen.

Bischofskonferenz, AP

Politik und Kirche streiten darüber, welche Konsequenzen aus dem Missbrauchskandal zu ziehen sind. (© Foto: AP)

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Es sind traurige und schreckliche Geschichten von zerbrochenem Vertrauen, von Brutalität und falscher Nähe; jeden Tag kommen neue hinzu. "Und dann kommen die Machtspiele, in der Kirche, in der Politik", empört sich Kneißl.

Das stimmt insofern, als dass die Phase der Betroffenheit über die zahlreichen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, aber auch in nichtkirchlichen Schulen und Einrichtungen, abgelöst wird durch die Debatte, welche Konsequenzen nun zu ziehen sind. Wie hart müssen die betroffenen Institutionen aufklären? Soll der Gesetzgeber Verjährungsfristen verlängern, Missbrauch von Minderjährigen härter bestrafen? Was bringt ein runder Tisch?

Der Missbrauchsbeauftragte Kneissl ist selber von dieser Debatte getroffen - das Erzbistum München-Freising wehrt sich gegen den Vorwurf, im Fall des Klosters Ettal überreagiert und zu Unrecht den Abt und den Prior zum Rücktritt gedrängt zu haben.

Generalvikar Peter Beer rechtfertigte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung das harte Vorgehen der Bistumsleitung. Die Grenzüberschreitung eines Paters aus dem Jahr 2005 hätte nach dem Kirchenrecht "auf jeden Fall" sofort dem Erzbistum gemeldet werden müssen, sagte Beer, "wir hätten dann auch von uns aus die Staatsanwaltschaft eingeschaltet."

Abt Barnabas Bögle habe aber erst am Abend vor der Veröffentlichung in der SZ den Generalvikar informiert, "nachdem wir ihn von Ettal nach München haben bringen lassen", so Beer. Im Kloster habe "eine Insiderkultur geherrscht, die nur durch die Rücktritte durchbrochen werden konnte". Auch seien gegen den betroffenen Lehrer, den das Kloster durch ein Gutachten entlastet sah, neue Vorwürfe aufgetaucht.

Beers Chef, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, räumt ein, dass es in der katholischen Kirche mangelnde Aufklärungsbereitschaft gegeben habe. "Es gab sicher Tendenzen in der Vergangenheit, das Ansehen der jeweiligen Institution nicht zu beschädigen", sagte Marx dem Münchner Merkur.

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