MH17-Abschuss Schwere Vorwürfe gegen ukrainische Flugsicherung

Wrackteil der abgeschossenen Malaysia-Airlines-Maschine in der Nähe des Dorfes Hrabowe (Grabowo)

(Foto: REUTERS)
  • Ein deutscher Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ukraine. Er vertritt Angehörige deutscher Opfer der am 17. Juli über der Ostukraine abgeschossenen Passagiermaschine MH17.
  • Demnach hätte die Flugsicherung den Luftraum sperren müssen, nachdem eine Militärmaschine im selben Luftraum abgeschossen worden war.
  • Im niederländischen Zwischenbericht zu den Ursachen des Absturzes wurde ein möglicherweise wichtiger Satz gestrichen.
Von Ralph Hötte und Hans Leyendecker

Schwerwiegende Vorwürfe gegen die Ukraine erhebt der deutsche Anwalt Elmar Giemulla, der Angehörige deutscher Opfer der am 17. Juli über der Ostukraine abgeschossenen Passagiermaschine MH 17 vertritt. 298 Menschen sind bei der Katastrophe ums Leben gekommen.

Obwohl nur Tage zuvor eine Antonow-Militärmaschine in einer Höhe von 6500 Metern abgeschossen worden war, hatte die Ukraine den Luftraum über dem Osten des Landes nicht sperren lassen. Giemulla, der auch Professor für Luftfahrtrecht ist, hat den Verdacht, eine Sperrung sei ausgeblieben, weil die Ukraine nicht auf die Überflug-Gebühren habe verzichten wollen, die täglich bei bis zu zwei Millionen Euro liegen sollen. Die Hinterbliebenen klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Die Anschuldigungen des Anwalts werden von Siemon Wezeman vom renommierten Stockholmer Institut für Friedensforschung (Sipri) gestützt: "Mit dem Abschuss der Antonow auf einer Höhe von 6500 Metern war es absolut klar, dass das nicht mit kleinen, sondern nur mit schweren Flugabwehr-Raketensystemen geschehen konnte", die Höhen zwischen 10 000 und 13 000 Metern erreichen, so Wezeman.

Der gestrichene Satz

Beim Abschuss war die malaysische Boeing auf etwa 10 050 Metern unterwegs. Recherchen von Süddeutscher Zeitung, WDR, NDR und dem niederländischen Investigativteam Argos ergaben, dass in dem im September veröffentlichten niederländischen Zwischenbericht zu den Ursachen des Absturzes vor der Veröffentlichung ein möglicherweise wichtiger Satz gestrichen worden ist: Auf Seite 14 des Entwurfs stand: "Die NOTAM mit der Luftraumbegrenzung wurde verfasst als Reaktion auf den Abschuss einer Antonow An-26 am 14. Juli auf einer Flughöhe von 6500 Metern."

Dieser Satz, der dann in dem Zwischenbericht nicht mehr zu finden ist, sagt Laien wenig und Fachleuten viel: Der Begriff NOTAM steht für das internationale Fluginformationssystem "Notice to airmen". Auf diesem Weg erhalten Piloten wichtige Daten von der zuständigen Luftverkehr-Überwachungsbehörde aufgrund aktueller Lagen wie Wetter-Änderungen oder Flugaufkommen.