Medienbericht Bund rechnet wohl mit bis zu 1,5 Millionen Flüchtlingen

  • Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge korrigieren die Behörden die prognostizierte Flüchtlingszahl erheblich nach oben.
  • Das Bundesinnenministerium dementiert den Bericht.
  • Tausende Menschen haben am Wochenende in mehreren sächsischen Orten gegen Flüchtlinge demonstriert.

"Bild": Behörden rechnen mit 1,5 Millionen Flüchtlingen

Die Behörden rechnen einem Medienbericht zufolge in diesem Jahr mit erheblich mehr Flüchtlingen in Deutschland als bislang offiziell erwartet. Allein in den Monaten Oktober bis Dezember würden voraussichtlich bis zu 920 000 weitere Asylbewerber nach Deutschland kommen, berichtete Bild unter Berufung auf eine als vertraulich eingestufte interne Prognose.

Damit würde die Zahl der Flüchtlinge bundesweit auf bis zu 1,5 Millionen in diesem Jahr steigen. Bislang geht die Bundesregierung offiziell von 800 000 bis eine Million Flüchtlinge für das Jahr 2015 aus.

In dem Bericht sei zudem von einem möglichen "Zusammenbruch der Versorgung" die Rede. Schon jetzt fehlten dringend benötigte Hilfsmittel wie Wohncontainer und sanitäre Einrichtungen.

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Innenministerium dementiert

Das Bundesinnenministerium wies den Bericht zurück. Er könne diese Zahl nicht bestätigen, sagte ein Sprecher. Ihm sei auch nicht bekannt, dass es in Kürze eine neue Prognose über die Zahl der erwarteten Flüchtlinge geben wird. Er kündigte an, dass im Laufe der Woche konkrete Zahlen über die Zahl der im vergangenen Monat neu angekommenen Flüchtlinge veröffentlicht werden.

Es sei richtig, dass die Zahlen besonders im September sehr hoch gewesen seien, sagte er, ohne konkrete Werte zu nennen. Auf der Grundlage einzelner Tages- oder Wochenstatistiken könne jedoch nicht seriös immer wieder eine neue Prognose erstellt werden. Zudem sei zu bedenken, dass zum Winter der Andrang von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren jeweils nachgelassen habe.

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Tausende demonstrieren in Sachsen

Tausende Menschen haben sich in Sachsen am Wochenende an Demonstrationen gegen den Verbleib von Flüchtlingen im Land beteiligt. In Sebnitz an der Grenze zu Tschechien versammelten sich am Sonntagnachmittag nach Schätzungen der Nachrichtenagentur dpa 2500 Menschen. Sie wollten eine "lebende Grenze" formieren. Die Polizei machte keine Angaben zu den Teilnehmern, dementierte die Schätzungen aber auch nicht. Es blieb zunächst friedlich. Zu der Demo war aus dem Pegida-Umfeld aufgerufen worden.

Am Samstagabend hatten sich im Chemnitzer Stadtteil Einsiedel laut Polizei rund 1000 Menschen zu einem "Schweigemarsch" versammelt. Sie wandten sich gegen eine geplante Flüchtlingsnotunterkunft in einem ehemaligen DDR-Pionierlager. Auch im ostsächsischen Görlitz gab es am Samstag eine Demonstration unter dem Motto "Görlitz wehrt sich". Dort kamen nach Schätzungen von Beobachtern 1000 Menschen zusammen. Die Gegendemo unter dem Motto "Görlitz weltoffen" versammelte demnach etwa 500 Teilnehmer.